Hallo Hutnagel!
Ein wenig kann ich dich verstehen, weil es Parallelen gibt. Ich habe meinen Mann auch sehr jung (mit 19) kennengelernt, jetzt bin ich Anfang 30.
Was unsere Situationen unterscheidet, ist, dass ich vor unserer Beziehung schon Sex mit anderen hatte und ein paar Erfahrungen sammeln konnte. Außerdem bin ich mit unserem Sexleben grundsätzlich glücklich, auch wenn es immer wieder mal kleine Krisen oder schwierige Phasen gibt.
Dennoch wäre es eine Lüge, zu behaupten, dass der Aspekt, Erfahrungen zu "verpassen" noch nie aufgekommen ist.
Der Gedanke war bisher immer nur punktuell da und nicht sonderlich groß. In meinem Fall ist es nicht so, dass ich gerne konkret X und Y ausprobieren möchte, was mein Mann wiederum ablehnt, sondern eher das Gefühl, dass es so viele verschiedene Menschen gibt und daher sicher auch so viele verschiedene Möglichkeiten Sex miteinander zu erfahren und zu teilen und ich als neugieriger, offener Mensch würde das manchmal auch gerne erleben. Auch bewusster und mit mehr Wissen über mich selbst, als ich als Teenager hatte.
Aber Sie zeigt mir den Vogel wenn ich ihr mit sowas komme.
Was ich bei euch für den entscheidenden Punkt halte, ist eure Kommunikation. Sicher hören wir hier nur deine einseitige, subjektive Perspektive, aber die Reaktion deiner Frau, sollte sie sich so zugetragen haben, finde ich sehr, sehr schade und schwierig.
Es ist naiv zu denken, dass man alles mit Gesprächen lösen kann. Manchmal sind Positionen unvereinbar, aber es wäre ein Anfang einander ernsthaft anzuhören, die Bedürfnisse, Gedanken und Wünsche des anderen wahrzunehmen und nicht sofort abzuwerten und vom Tisch zu wischen und zu versuchen, zu verstehen.
Dass das bei euch nicht möglich ist, finde ich sehr problematisch. Das ist etwas, was mein Mann und ich uns versprochen haben: wir werden versuchen ehrlich miteinander zu sein und offen zu kommunizieren, wenn wir nicht mehr zufrieden mit unserem Sex sind. Woher soll man denn auch wissen, ob es in 5, 10 oder 20 Jahren noch gut zusammenpassen wird, so dass jeder auf seine Kosten kommt? Sollte das bei uns irgendwann einmal anders sein und anders bleiben, hoffe ich sehr, dass wir darüber sprechen können und beide auch offen für ev. ungewöhnliche Lösungen sein werden.
Die unverrückbare Position deiner Frau geht derzeit vor allem auf deine Kosten und ich finde schade, dass sie selbstverständlich hinnimmt, dass du eben unglücklich und unzufrieden bleiben sollst, weil ist halt so.
Daher wäre mein Vorschlag, das Thema gemeinsam in einer Paarberatung oder sogar -therapie aufzuarbeiten. Vielleicht ist deiner Frau nicht klar, wie wichtig es für dich ist und wischt deine Bedürfnisse deswegen leichtfertig weg. Vielleicht ist sie offen für Gespräche, wenn ihr klar ist, wie sehr dich das alles beschäftigt und wie dringend nötig es ist, dass ihr euch beide dem Problem widmet. Denn es ist nicht nur deines, sondern eures. Zumindest meiner Definition von Beziehung nach.