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Ich darf nicht traurig sein!

Hallo liebe Kimmi,

schade das Dir Dein Vater gar nichts hinterlassen hat. Meine Mama leider auch nicht aber da es ja eh ein Unfall war ist es klar. Sonst wäre ich sicher das sie mir was geschrieben hätte.

Mit meiner Mama konnte man vor Jahren oder auch so noch manchmal viel spaß haben. Sie war (wenn ihr danach war) sehr lustig und ihr lachen steckte mich immer mit an. Sie war eigentlich ein herzensguter und lebensfroher Mensch bis die Sucht überhand gewann.
Man konnte auch Quatsch mit ihr machen. Sie war mal ein sehr toller Mensch.

Wie gerne hätte ich sie bei mir, so gerne würde ich die Freunde was mir mein Kind macht teilen. Es hätte so schön sein können alles.... Doch nun ist alles so beschissen!

Wie ist es bei Dir? Wie war Dein Papa? Ich weiß ja das er die Natur sehr gemocht hat, was sonst noch?

Meld mich später nochmal, mein Baby schreit....
 
Liebe dauni!


Schön dass du mit deiner Mutter auch, anscheinend, sehr viele gute Zeiten durchgemacht hast. Es ist schön solche Erinnerungen zu haben.
Weißt du denn wann ihre Sucht angefangen hat? Und warum? War es die Einsamkeit? Warum hat sie sich so einsam gefühlt? Hatte sie keine Freunde? Was hat sie wohl so am Leben verzweifeln lassen?
Es klingt für mich so unverständlich dass sie so unglücklich war. Sie war hübsch, lebensfroh, herzensgut!Was hat sie wohl in die Sucht getrieben? Warum hat sie keinen verlässlichen stabilen Partner gefunden? Hat sie die Trennung von deinem Vater jemals überwunden?


Ich glaub dir gerne dass du sie am liebsten bei dir hättest... es ist wirklich sehr traurig!


Achja... ich vermisse meinen Vater auch sehr. Er war ein sehr lieber Mensch. Fast zu lieb, hat nie schlecht über andere geredet und jeden so sein lassen wie er ist. Auch zu seinem Schaden manchmal. Viel Spass haben wir auch immer mit ihm gehabt und er hat uns viel Freiheiten gelassen alles auszuprobieren. Er war ein guter Vater, der selber sehr viel Leid getragen hat. Er hat seinen eigenen Vater schon sehr früh verloren und dann seine Gastronomie übernommen obwohl er ganz andere Träume hatte. Er hat bestimmt kein leichtes Leben gehabt. Ich habe ihn immer als sehr starken Mann wahrgenommen. Den Tod meiner Mutter hat er allerdings nicht mehr verkraftet. Hätte er nicht wieder eine Freundin gefunden, bin ich mir sicher wäre er schon früher gestorben.
 
So, jetzt ist die kleine im Bett.

Schön das Du so einen tollen Vater hattest. Das freut mich, ehrlich! Ich habe meinen Vater immer sehr vermisst.

Meine Mama hat schon als sie 16 Jahre alt war angefangen Medis zu nehmen. Ich Vater war alkoholiker und hat sie und ihre Geschwister geschlagen. Mit meinem Vater wurde sie auch nie glücklich denn der hatte nie zeit für uns. Die Arbeit und der Fußballplatz waren immer wichtiger als wir.
Als ihre Sucht dann immer schlimmer und schlimmer wurde wandten sich viele von ihr ab denn ihr Talent war, immer dann anzurufen wenn sie voll drauf war. Das kann man schon ein paar mal mit machen aber irgendwann hat man eben die Kraft nicht mehr. Und so kam es das sie irgendwann ihre Arbeit verlor und ausser mir und ihren Freund niemand mehr hatte... Ich zog dann aus und ihren Freund sah sie meist nur am Wochenende und somit war sie immer alleine. Geld hatte sie auch nicht und so nahm das Unglück ihren lauf. Die Einsamkeit hat sie immer weiter reingetrieben in die Sucht, sie fand traurigerweise einfach nicht mehr raus.
Ich denke immer und immer wieder über alles nach.... Ich hab ihr immer das Gefühl, zumindest dachte ich das, wenn sie normal ist, dann komme ich auch gerne und sie kann dann auch jeder zeit kommen. Das hab ich ihr so oft gesagt. Warum hat sie das nie verstanden?

Es ist jeden Tag für mich so schwierig, dass jetzt einfach zu akzeptieren! Ich will das einfach nicht! Ich will sie einfach wieder bei mir haben und das endlich alles gut wird.
Sie hat sich so gefreut Oma zu werden und nun?
Mich kotzt das so an! Warum sie? Warum Ich? Warum muß immer bei mir was sein und dann immer gleich so heftig?

Ich verstehe das alles einfach gar nicht!

So oft wähle ich ihre Nummer... So oft wünsche ich mir, sie würde anrufen und mich nerven so wie damals...

Ach......

Wie war Dein Tag Kimmi? Was hast Du gemacht?
 
Die Geschichte deiner Mutter ist so traurig. Wahrscheinlich hat sie sich nur getraut anzurufen, wenn sie sich Mut angetrunken hatte. Es ist so schwierig Sucht zu verstehen, weil meistens ein sehr großes Leid dahinter steckt. Sie hat bestimmt mal damit angefangen, weil sie keine andere Möglichkeit gefunden hat ihrem Schicksal wenigstens mal für eine Weile zu entfliehen... Leider hat es alles noch viel schlimmer gemacht und so mußte fast eins zum anderen kommen.
Irgendwie ist der Tod auch so etwas wie eine Erlösung für sie. Das ganze Leid dass sie getragen hat, womit sie nicht klargekommen ist, sie hat es überwunden.
Ich weiß dass dich das wahrscheinlich wenig tröstet, weil du es dir anders wünscht. Und weil du ihr bestimmt immer gewünscht hast dass sie glücklich wird und endlich ein schönes Leben hat.
Ich glaube sie hat schon verstanden was du von ihr wolltest, aber sie hat es einfach nicht geschafft. Sucht zu überwinden muss wirklich sehr sehr schwer sein.


Mein Tag heute war auch nicht besonders gut. Ich bin ziemlich down gerade und würde meinem Vater in solchen Momenten am liebsten folgen. Ich kann ihn manchmal so gut verstehen warum er gegangen ist, weil mich manchmal auch alles einfach überrollt. Es ging mir ja vor dem Suizid meines Vaters schon nicht gut und jetzt scheint alles noch viel sinnloser. Wie soll ich denn all das schaffen, wenn mein Vater es schon nicht geschafft hat? Seine Vorraussetzungen schienen für meine Augen um einiges besser zu sein als meine.


Manchmal wenn ich deine Geschichte lese, sehe ich fast Ähnlichkeiten wie ich sie mit meiner Tochter habe. Ich habe zwar kein Suchtproblem, aber alles andere trifft fast ziemlich genau zu, nur dass ich mein Leben bisher besser im Griff hatte. Die Einsamkeit und alleine mit allem fertigzuwerden ist so zermürbend. Momentan möchte ich am liebsten alles hinwerfen und nichts mehr tun, bis ich wieder weiterweiß. Sich in Alkohol zu vergessen scheint manchmal sehr verlockend. Nur ist mir zu sehr bekannt dass es nichts verbessert...


Lass dir versichert sein, du bist nicht die einzige bei der es immer so dicke kommt. Das ganze Forum ist voll von traurigen und schlimmen Geschichten des Lebens und dahinter stehen viele Menschenleben...
Es tröstet wenig damit nicht allein zu sein, nicht wahr? Und deine Mutter wird es auch nicht zurückholen.
Mir geht es oft so dass ich den Tod so sehr hasse. Dass ich es leid bin dieses Spiel von leben und sterben. Warum können die geliebten Menschen nicht bei uns bleiben? Warum kann alles nicht ein wenig einfacher sein? Warum ist es manchen Menschen nicht vergönnt glücklich zu sein?


Ich versteh dich sehr gut.... und hoffe der morgige Tag wird etwas besser.


Alles liebe dir!
 
Liebe Kimmi,

all Deine Worte treffen es genau auf den Punkt. Ich habe mir immer nichts mehr gewünscht das meine Mama ihr Leben in Griff bekommt und glücklich ist.

Und ich glaube nicht, dass sie sich nur getraut hat anzurufen wenn sie so beinander war. Denn dann war ich immer sehr angenervt und nicht gesprächig und das hab ich ihr auch schon endlose male gesagt.

Heute kamen mir wieder so Gedanken, denn Freitags war ich früher ab und zu übernacht bei ihr... Später dann nicht mehr weil ich keine lust mehr hatte :-( Heute tut mir das soooooo leid. Wie gerne würde ich jetzt und hier zu ihr fahren. Ich sehe sie immer sitzen in ihrem Wohnzimmer, habe das Bild vor Augen wie sie weint und ihr Bier trinkt und einfach so alleine ist.... Es tut mir von ganzem Herzen so leid! Schrecklich!

Hast Du eine Ahnung was Deinem Vater so schwer fiel? Der Tod Deiner Mama hast Du gesagt hat ihn in ein tiefes Loch gestürzt, verständlich..... Doch mit seiner neuen Partnerin? Wielange hatte er die schon?

Ich verstehe Deine Gedanken und kann sie nachvollziehen. Dieses Leben hier ist S**** und ungerecht. Warum muß es so sein? Wenn ich kein Kind hätte würde ich auch gehen, definitiv! Aber so, kann ich nicht! Und Du auch nicht! Unsere Mädels brauchen uns! Wir müssen irgendwie stark sein für sie!

Drück Dich mal ganz lieb!

Dauni
 
Muß noch was los werden. Momentan macht mir auch sehr zu schaffen das ich mich alleine fühle. Zwar habe ich meine kleine Familie doch von meiner Familie gibt es niemanden mehr. Zwar habe ich noch Tanten, die am anfang meinten, sie sind für mich da aber melden tun sie sich auch nie. Sie hatten es ganz wichtig zur Trauerfeier zu kommen aber was so danach mit mir ist, interessiert niemanden. So war es bei meiner Mama auch. Die haben sich einen scheiss für sie interessiert. Aber hauptsache sich wichtig machen und zur Verabschiedung und Trauerfeier unbedingt kommen wollen. Gestern habe ich von meinem Cousin erfahren das für sie das Thema erledigt ist. Das macht mich traurig... Es war und ist ihre Schwester. Aber so ist es. Und ich bin ihnen auch egal! Meinem Vater ja auch schon immer!!!! Und meine Schwiegereltern, nun ja, die haben auch keine ahnung von gar nichts und auch sonst scheint es so als ob ich für sie nicht wichtig bin! So habe ich das Gefühl!
Ich habe irgendwie das Gefühl, dass des nun die Strafe dafür ist weil ich meine Mama so im Stich gelassen habe! Deswegen muß ich jetzt am eigenen Leib erfahren wie das ist!

Wie auch immer, ich fühle mich leer und einsam. Ich will einfach das meine Mama wieder kommt!

Sie fehlt mir mit jedem Atemzug....
 
Hm... vielleicht hat ging es ihr einfach nur besonders schlecht wenn sie dich betrunken angerufen hat... Wie auch immer. Ich denke du hast ihr alles gegeben was du konntest und dass du genervt warst ist nur zu verständlich. Es waren ja vertauschte Rollen die ihr da gelebt habt. Es ist ja beinahe so dass du dich um sie kümmern musstest wie um ein Kind. Jedenfalls in dem Zustand wie sie war.


Aber klar, im nachhinein sieht man das alles anders, da würde man alles geben nur damit der geliebte Mensch wieder da ist. Mir geht es mit meinen beiden Eltern so. Meine Mutter wäre bestimmt nicht krank geworden und so früh gestorben, wenn sie mehr Unterstützung von uns allen gehabt hätte. Sie war einfach kaputt geschuftet.


Mein Vater hat den Tod meiner Mutter überhaupt nicht verkraftet. Er wurde ja knapp ein halbes Jahr selber krank, auch Lungenkrebs, wie meine Mutter. Die erste Zeit nach ihrem Tod ist er nur herumgeirrt, bis er sich einer Freundin, die dann später seine Freundin wurde, anvertraut hat. Diese Frau hat ein Jahr zuvor ihren Mann verloren und er wußte dass sie die einzige war die ihn verstehen konnte wie sehr er litt. Trotzdem kam er mit dem Tod meiner Mutter nie wirklich klar. Durch die Chemotherapie bekam er eine Herzschwäche und mußte viele Medis schlucken, die ihm nicht gut bekamen usw. Er wurde durch all das immer schwächer und bekam sein Leben gar nicht mehr auf die Reihe, logischerweise. Ihm war einfach alles zu viel, machte sich arge Selbstvorwürfe im Leben versagt zu haben... Ich denke dass es letztendlich die Selbstvorwürfe waren die ihn in den Selbstmord getrieben haben. Dabei war er so ein lieber Mensch! Er wird von so vielen Leuten vermisst, aber bestimmt hat er sich das Altwerden ganz anders vorgestellt.


Es ist wahnsinn wie deine Verwandten mit dem Tod ihrer eigenen Schwester umgehen. Manchmal fast beneidenswert wie andere Menschen leicht damit umgehen können. Kein Wunder dass deine Mutter sich so verlassen vorgekommen ist. Und du dir jetzt auch wahrscheinlich.
Mir geht es ähnlich. Ich habe zwar auch Geschwister, aber so wirklich eng bin ich nur noch mit meiner ältesten Schwester. Meine Freunde waren mir immer schon mehr Familie als meine leiblichen Angehörigen. Leider haben viele meiner Freunde aber auch alle Familien und wenig Zeit für mich. Mit Kindern ist das alles nicht mehr so einfach... Und die die keine Kinder haben leben auch so anders wie ich. Bin ja doch mehr gebunden dund unfleibel durch meine Tochter. Allein schon wegen zu wenig Geld kann ich nicht überall mithalten. Naja...




Schau auf alle Fälle auf deine eigene kleine Familie und sei dankbar dass du sie hast!
Deine Mutter hast du bestimmt nicht im Stich gelassen. Wenn dann waren das ihre Geschwister, dein Vater, ihr Freund. Du hast ihr alles gegeben was du konntest. Kinder lieben bedigungslos, das hat auch deine Mutter gespürt und dadurch auch sehr viel Liebe von dir bekommen.
Die Selbstliebe hat ihr wohl eher gefehlt, sonst hätte sie sich die Sucht nicht angetan, die Männer nicht, die sie alleingelassen haben. Ich spreche hier nicht von Schuld, ich hoffe du missverstehst das nicht. Ich denke eher sie hat es durch ihre eigene schwere Vergangenheit einfach nicht besser gewußt und ist daran verzweifelt. Bestimmt hat sie gedacht dass sie es nicht wert ist geliebt zu werden und so ihr Leben geformt.


Ich finde es so wunderbar dass du einen Mann und Familie gefunden hast und nicht den Fußstapfen deiner Mutter gefolgt bist. Deine Mutter hat dich sehr gut auf das Leben vorbereitet und an dir gutgemacht was an ihr kaputtgemacht wurde. Das ist ein sehr großes Geschenk von ihr an dich. Ich glaube von daher ist es noch viel wichtiger dass du dich jetzt nicht aufgibst, sondern ihr Geschenk weiterhin ehrst und an deine Tochter weitergibst mit deinem eigenen Anteil daran. Dadurch lebt ein Teil deiner Mutter weiter.



Ich glaube daran dass wir uns alle wieder treffen, das hilft mir immer nicht am Tod zu verzweifeln.


Ich drück Dich! ^^
 

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