Hm... vielleicht hat ging es ihr einfach nur besonders schlecht wenn sie dich betrunken angerufen hat... Wie auch immer. Ich denke du hast ihr alles gegeben was du konntest und dass du genervt warst ist nur zu verständlich. Es waren ja vertauschte Rollen die ihr da gelebt habt. Es ist ja beinahe so dass du dich um sie kümmern musstest wie um ein Kind. Jedenfalls in dem Zustand wie sie war.
Aber klar, im nachhinein sieht man das alles anders, da würde man alles geben nur damit der geliebte Mensch wieder da ist. Mir geht es mit meinen beiden Eltern so. Meine Mutter wäre bestimmt nicht krank geworden und so früh gestorben, wenn sie mehr Unterstützung von uns allen gehabt hätte. Sie war einfach kaputt geschuftet.
Mein Vater hat den Tod meiner Mutter überhaupt nicht verkraftet. Er wurde ja knapp ein halbes Jahr selber krank, auch Lungenkrebs, wie meine Mutter. Die erste Zeit nach ihrem Tod ist er nur herumgeirrt, bis er sich einer Freundin, die dann später seine Freundin wurde, anvertraut hat. Diese Frau hat ein Jahr zuvor ihren Mann verloren und er wußte dass sie die einzige war die ihn verstehen konnte wie sehr er litt. Trotzdem kam er mit dem Tod meiner Mutter nie wirklich klar. Durch die Chemotherapie bekam er eine Herzschwäche und mußte viele Medis schlucken, die ihm nicht gut bekamen usw. Er wurde durch all das immer schwächer und bekam sein Leben gar nicht mehr auf die Reihe, logischerweise. Ihm war einfach alles zu viel, machte sich arge Selbstvorwürfe im Leben versagt zu haben... Ich denke dass es letztendlich die Selbstvorwürfe waren die ihn in den Selbstmord getrieben haben. Dabei war er so ein lieber Mensch! Er wird von so vielen Leuten vermisst, aber bestimmt hat er sich das Altwerden ganz anders vorgestellt.
Es ist wahnsinn wie deine Verwandten mit dem Tod ihrer eigenen Schwester umgehen. Manchmal fast beneidenswert wie andere Menschen leicht damit umgehen können. Kein Wunder dass deine Mutter sich so verlassen vorgekommen ist. Und du dir jetzt auch wahrscheinlich.
Mir geht es ähnlich. Ich habe zwar auch Geschwister, aber so wirklich eng bin ich nur noch mit meiner ältesten Schwester. Meine Freunde waren mir immer schon mehr Familie als meine leiblichen Angehörigen. Leider haben viele meiner Freunde aber auch alle Familien und wenig Zeit für mich. Mit Kindern ist das alles nicht mehr so einfach... Und die die keine Kinder haben leben auch so anders wie ich. Bin ja doch mehr gebunden dund unfleibel durch meine Tochter. Allein schon wegen zu wenig Geld kann ich nicht überall mithalten. Naja...
Schau auf alle Fälle auf deine eigene kleine Familie und sei dankbar dass du sie hast!
Deine Mutter hast du bestimmt nicht im Stich gelassen. Wenn dann waren das ihre Geschwister, dein Vater, ihr Freund. Du hast ihr alles gegeben was du konntest. Kinder lieben bedigungslos, das hat auch deine Mutter gespürt und dadurch auch sehr viel Liebe von dir bekommen.
Die Selbstliebe hat ihr wohl eher gefehlt, sonst hätte sie sich die Sucht nicht angetan, die Männer nicht, die sie alleingelassen haben. Ich spreche hier nicht von Schuld, ich hoffe du missverstehst das nicht. Ich denke eher sie hat es durch ihre eigene schwere Vergangenheit einfach nicht besser gewußt und ist daran verzweifelt. Bestimmt hat sie gedacht dass sie es nicht wert ist geliebt zu werden und so ihr Leben geformt.
Ich finde es so wunderbar dass du einen Mann und Familie gefunden hast und nicht den Fußstapfen deiner Mutter gefolgt bist. Deine Mutter hat dich sehr gut auf das Leben vorbereitet und an dir gutgemacht was an ihr kaputtgemacht wurde. Das ist ein sehr großes Geschenk von ihr an dich. Ich glaube von daher ist es noch viel wichtiger dass du dich jetzt nicht aufgibst, sondern ihr Geschenk weiterhin ehrst und an deine Tochter weitergibst mit deinem eigenen Anteil daran. Dadurch lebt ein Teil deiner Mutter weiter.
Ich glaube daran dass wir uns alle wieder treffen, das hilft mir immer nicht am Tod zu verzweifeln.
Ich drück Dich! ^^