Tess T. Culls
Mitglied
Hi Andreas. Wir hatten das Thema bereits in einem anderen Thread mal. Und ich stimme Dir (mathematisch) grundsätzlich zu, bin ebenfalls der Meinung, die Art zu wohnen ist keine Investition, sondern eine Entscheidung der Lebenshaltung.Sagen wir jemand entscheidet sich mit 35 für Kaufen oder Mieten und er hat eine Lebenserwartung von noch 50 Jahren. Es handelt sich um eine Wohnung mit 60m² mittlerer Lage, mittlerer Qualität
Miete:
Bei einer Startmiete von 750 € und einer Steigerung von 2% p.a. belaufen sich die Kosten nach 50 Jahren auf ca. 760.000 €.
Deiner Meinung nach "rausgeschmissenes Geld".
Kauf:
300.000 € als Kredit + je nach Laufzeit und Zinssatz vielleicht 200.000 € Zinsen
Erwerbnebenkosten von im Schnitt 12%: 36.000 €
übliches Hausgeld ohne Instandhaltsungsrücklage über 50 Jahre (unterstellt 220 € im Monat bei 2% Steigerung): 200.000 €
Über 50 Jahre fallen Sanierungskosten von schätzen wir 100.000 €
Gehen wir von einer Wertsteigerung von 1,5% aus bleibt eine Immobilie
Bei einer Wertsteigerung von 1,5% ist die Wohnung von 300.000 € in 50 Jahren 630.000 € wert
Bilanz: 630.000 minus 836.000 = 206.000 €
Folge ich deiner Analogie sind also auch bei dem Kauf einer Immobilie hier 206.000 € "rausgeschmissenes Geld" entstanden.
Selbstverständlich kann man die Rechnung sehr unterschiedlich aufbauen, je nach Kredithöhe, Zinssatz, Wertsteigerung der Immobilie usw. Man kann mit Glück historische Phasen wie 2010 bis 2025 erwischen bei denen Immobilien extrem steigen. Die Variablen sind endlos. Kaufen kann teurer oder günstiger sein als Mieten, wobei ja länger man wohnt, desto eher geht die Tendenz (aber nicht Garantie) zum Kaufen.
Da du mir zuvor gesagt hast, dass ich leben und nicht reich ins Grab gehen soll, erlaube mir den Einwand: Wenn du so denkst, kannst du den Restwert der Immobilie eigentlich nicht in der Rechnung ansetzen, denn Tod hat man ja nichts mehr vom Wert. Sprich: Dann ginge es ja nur darum wie viel man ausgegeben ("verbrannt") hat zum Wohnen und wie viel man übrig hatte um davon schön zu leben.
Dann hätte der Mieter 760.000 € ausgegeben und der Käufer 836.000 €, sprich der Mieter hätte sogar 76.000 € mehr übrig gehabt mit dem er 50 Jahre lang alles schöne hätte machen können, was er will. Und wenn er nicht wie in meiner Rechnung 85 wird, dann hätte er sogar noch mehr Geld übrig!
Ich argumentiere nicht für oder gegen Kaufen, ich finde nur dass die TE es sich gut überlegen sollte. Es gibt verschiedene Lebensmodelle, die für oder gegen Kaufen sprechen. Ist mir das Erbe z.B. egal, spricht vieles dafür eher zu Mieten. Habe ich eine große Familie und wünsche mir dass meine Kinder mal das Haus erben, kaufe ich lieber. Das muss jeder für sich entscheiden.
Was mich (OT) an der Argumentationskette stört, ist die Betrachtung beider Seiten vom Ende her gesehen (Tod). Es sollte eigentlich nicht interessieren, ob ich am Ende meines Lebens irgendeine Summe gespart oder nicht gespart habe. Entscheidend ist doch die Frage des Lebens "zwischendrin". Und hier, so auch für mich, zählt für viele das Argument, in einem EFH lebt es sich entschieden besser, wenn man es sich leisten (will) und vor allem kann.
Und damit wieder zum Thema: Der TE sollte sich überlegen, ob er/sie sich 2400 € monatlich zum "wohnen" leisten kann/will (ob mit oder ohne notwendigen Verzicht) oder nicht. Ganz egal, ob gegen Ende des Lebens eine vermeintliche "Ersparnis" stehen könnte.
Denn frei nach Rammstein: "Zukunft kann man nicht beschwören." Das gilt für das Eigenheim wie für den angesparten ETF.....