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Tagebuch - Sanierung Haus (Baujahr 1965)

Andreas900

Sehr aktives Mitglied
Hallo liebe Community,

ich weiß nicht ob es ins Finanzforum passt, aber es geht zumindest dabei um Geld ^^
Ich habe ein alleinstehendes Haus, Baujahr 1968 und möchte es energetisch sanieren.

Ich stehe dabei noch ganz am Anfang und habe jetzt erstmal einen Termin mit der Verbraucherzentrale gemacht. Mein erstes Ziel ist überhaupt mal eine energetische Beurteilung. Was ist gut, was ist schlecht?

ALs nächstes überlege ich die "Low Hanging Fruits" zu ernten. Kann ich mit einfachen Mitteln bereits etwas erreichen? Mir fallen z.B. die Jalousienkästen ein, durch die es zieht. Oder die alten Kellerfenster, an deren Rändern es sehr kalt ist. Also einfach Dämmungsmaßnahmen, die auch ohne neue Heizung bereits jetzt etwas bringen.

Über die Jahre wurde einiges am Haus gemacht. Um die Jahrtausendwende kam ein neues Dach und neue doppelt verglaste Fenster. 2014 folgte eine neue Haustür.

Mein Ziel ist keine maximal Energieeffizienz zu jedem Preis sondern eine Kosten/Nutzen Rechnung. Wenn man Haus jetzt vielleicht eine Energieeffiziensklasse F oder G hat, vielleicht auf C oder D hoch zu kommen. Zum einen senkt das dann bereits heute die Kosten meiner Gasheizung und zum anderen ermöglichst es mir mehr Optionen beim Einbau einer neuen Heizung: Neue Gastherme? Wärmepumpe? Tiefenbohrung etc.
Denn die aktuelle Gasheizung ist knapp 25 Jahre alt und ich denke vielleicht noch 5 Jahre und dann sollte ich auch über einen neue Heizung nachdenken.

Ich freue mich über einen Austausch oder wenn ihr Erfahrungen zu dem Thema habt. Ich bitte um eine respektvolle Diskussion ohne gesellschaftsrelevante Dinge wie z.B. Klimaschutz, da dies kein Gesellschaftsthread sein soll.

LG
Andreas
 
Hallo Andreas,
also ich habe mir kürzlich sagen lassen das der Tausch von Jalosienkästen nichts nützt wenn man keine Fassadendämmung vornimmt.

Schwebt dir ein bestimmtes Budget vor?
Ich habe kein festes Budget und stehe noch am Anfang. Mit allem inklusive Heizung wäre aber auch eine große Summe aller 100.000 € denkbar, zumal Dämmen und Heizung natürlich sehr teuer werden können. Fassadendämmung und co. schwebt mir aber bislang nicht vor.

Aber es geht mir um genau sowas was du gerade sagst: Bringt mir der Tausch von Jalosienkästen überhaupt was? Oder wo fange ich an? Wie du völlig richtig sagst, muss man die Gesamtimmobilie betrachten.

Mit der Verbraucherzentrale habe ich demnächst ein Videoberatung, darauf soll ein Vor-Ort Termin folgen.
 
Möchtest du sie irgendwann verkaufen oder selbst nutzen?
Das spielt finde ich, auch eine nicht unwichtige Rolle.

Die doppelverglasten Fenster würde ich nämlich auch so lassen wenn ich wüsste das ich das Haus in den kommenden Jahren abstoße.

Fassadendämmung ist sehr teuer. Hat das Dach überhaupt einen Überstand? Sonst würde das Thema ohnehin sehr schwierig werden. Da die Außenwand ja dicker wird und trotzdem unters Dach passen sollte.
 
Danke für alle bisherigen Antworten. Wie gesagt ich stehe noch am Anfang und kann deswegen wenig konkretes Sagen. Der Thread ist also eher ein Brainstorming, ich hoffe nicht eure Zeit zu verschwenden ;-)

Zu euren Fragen:
  • Das Haus möchte ich dauerhaft bewohnen bis man mich in 50 Jahren mit den Füßen vorwärts rausträgt ;-)
  • Das Dach wurde neu gemacht und gedämmt (etwas höher gesetzt für die Dämmschicht)
  • Heizkörper sind alte Gusseisen. Austausch nur eingeschränkt möglich, da diese 60er Jahre typisch unter den Fensterbänken verbaut sind. Ich vermute, dass ich die Heizfläche nicht wesentlich vergrößern kann und deswegen eine normale Wärmepumpe mit niedrigen Vorlautemperaturen kaum umsetzbar ist.
  • Haus ist Massivbau mit dicken Wänden aber nicht gedämmt
  • Bodendämmungen gibt es nicht, weder zum Dachgeschoss noch Kellerdecke
  • Sanierungsmaßnahmen würde ich von Handwerkern durchführen lassen ohne Eigenleistung
  • Solaranlage bin ich nicht von überzeugt. Ich hatte verschiedene Angebote eingeholt, fühlte mich hier aber mehrfach ver*rscht. Entweder mir wurden Kosten verschwiegen oder das Dach in eigentlich guter Südlage war den Firmen zu giebel-reich. Auch die alten Stromleitungen möchte ich nicht unbedingt mit mehr Strom belasten. Wobei das ein Thema für sich ist, ob ich irgendwann mal die Stromleitungen erneuere. Elektriker sagt: Solange die Stromleitungen fest im Putz liegen und ich keine Probleme habe, soll ich sie nicht tauschen.
Zur Heizung:
  • Heizung ist ca. 25 Jahre alte Gasheizung aber sehr solides Modell von Vissmann. Vor ca. 2 Jahren wurde der Elektronikblock getauscht und Monteur sagt: "Die kann auch noch 10 Jahre halten"
  • Gaskosten sind ok. Ich habe 2025 17.507 kWh Gas für 1.833 € verbraucht, für etwas über 140m². Im Vergleich: Ein 130m² Haus verbraucht im Schnitt 18.850 kWh.
  • Natürlich kann man die Zukunft nicht sicher vorhersagen aber Stand heute wäre auch eine neue Gasheizung vorstellbar. Aufgrund des großen Kellerraumes wäre aber auch Pellet Heizung möglich oder eine Wärmepumpe mit Tiefenbohrung oder Flächenkollektor (Garten ist groß) wie es in deinem Link steht @Lyta
Ich bin vollkommen ergebnisoffen. Aufgrund der Südlage könnte ich mir auch gut Split Klimageräte vorstellen, die im Sommer kühlen und im Winter heizen, vielleicht als Ergänzung zu einer Heizung.
 
  • Heizkörper sind alte Gusseisen. Austausch nur eingeschränkt möglich, da diese 60er Jahre typisch unter den Fensterbänken verbaut sind. Ich vermute, dass ich die Heizfläche nicht wesentlich vergrößern kann und deswegen eine normale Wärmepumpe mit niedrigen Vorlautemperaturen kaum umsetzbar ist.
In meinem Miethaus, Baujahr 1970 habe ich gerade die Nischen unter den Fensterbänken verschlossen, denn hier ist die Hauswand besonders dünn und bildet sich gerne Schimmel. Eine überflüssige Kältebrücke. Die (nun wesentlich dünneren) Heizkörper habe ich davor montieren lassen.

Was Rollladen angeht, frage ich mich immer wieder, ob es die wirklich braucht. An meinem eigenen Haus nutze ich sie gar nicht.
 
Puh. Erstmal herzlichen Glückwunsch zum Altbau und gleichzeitig auch herzliches Beileid. Denn wie Du gemerkt hast, tun sich da viele Fragen auf und es liegt noch einiges an Arbeit vor Dir.

Ich sitze hier gerade in einem Haus, ebenfalls in den 1960ern gebaut, allerdings schon ziemlich gut durchsaniert. Wir haben da in den vergangenen Jahren einiges reingesteckt.

Grundsätzlich ist eine neutrale Beratung schon mal nicht schlecht. Das Problem ist dann eher, wo man anfangen will, weil eine Sanierungsmaßnahme in die andere greift. Aus meiner Sicht würde eine vernunftige Dämmung als erste Maßnahme Sinn machen, weil hier grundsätzlich schon mal ein Spareffekt an (teurer) Energie eintritt.
Gebäude aus den 1960er Jahren sind oft in doppelwandiger Bauweise gebaut. Man hat seinerzeit argumentiert, dass die in der doppelten Wand eingeschlossene Luft isolierend wirkt. Heutzutage sieht man das etwas anders, aber Doppelschalen lassen sich recht günstig mit einer Einblasdämmung isolieren. Das geht schneller und ist günstiger als eine aufgesetzte Fassadendämmung, bei der man auch aufpassen muss, dass die Wände nicht durchfeuchten, weil Feuchtigkeit, die vom Boden in der Wand aufsteigt, nicht mehr nach außen abdampfen kann.

Den Keller würde ich mir in Bezug auf Feuchtigkeit genauer ansehen. In den 1960ern waren meines Wissens Streifenfundamente en vogue und die Isolierung vor aufsteigender Bodenfeuchte kann dabei problematisch sein. Sollte der Keller feucht sein, und die Nässe tatsächlich durch den Sockel kommen, sollte man durch eine Fachfirma eine Sanierung durchführen lassen, sonst gammelt irgendwann das Mauerwerk weg. Wir hatten zunehmend Nässe im Keller und haben das durch eine Kunstharz-Injektion und feuchteisolierendem Zement am Mauerfuß in den Griff bekommen. Hier sollte man eine vertrauenswürdige Fachfirma engagieren.

Das Thema Heizung ist sicher ebenfalls ein zentrales. Von der Ansicht, dass eine Wärmepumpe für Altbauten nicht geeignet ist, kommt man immer mehr weg. Aber hier ist eben auch die Wärmedämmung entscheidend. Wir haben uns für eine Hybridheizung entschieden. Im Sommer und in der Übergangsphase sorgt eine Luft-Wärmepumpe für Warmwasser und Heizung. Wird es kälter, schaltet das System um auf Flüssiggas. Da die Heizkörper vor einigen Jahren auf moderne Flächenheizkörper umgestellt wurden, funktioniert das sehr gut. Moderne Wärmepumpen erreichen auch etwas höhere Vorlauftemperaturen. Eine Fußbodenheizung (es gibt auch Systeme, die einfach auf bestehende Böden aufgesetzt werden können, also eine Art doppelten Boden bilden) wäre noch besser, hat sich aber in unserem Fall nicht angeboten, da das vom notwendigen Aufwand her nicht umsetzbar war.
Nachdem bei Dir die alten Gusseisen-Heizkörper ohnehin irgendwann weichen müssen (die Nischen sollten sich dann auch ohne größeren Aufwand schließen bzw. isolieren lassen), kann man hier auch eine entsprechende Abstimmung vornehmen.
Eine Bohrung würde ich eher nicht in Betracht ziehen. Erstens ist das nicht überall möglich und zweitens wird das dann richtig teuer. Ich hatte das durchaus auch angedacht, aber dann nach Gesprächen mit Fachleuten und etwas oberflächlicher Rechnerei rasch verworfen.

An die Fenster würde ich erstmal nicht rangehen. Wenn Du relativ neue Fenster hast, sind die Rolladenkästen zwar tatsächlich eine Wärmebrücke, aber der Wärmeverlust dürfte sich in Grenzen halten und ein wenig Luftzirkulation ist nicht das Verkehrteste. Ich habe selbst ein KW-40-Haus gebaut, habe zehn Jahre darin gelebt und seitdem bin ich ein bekennender Altbau-Fan. Das Problem bei zu starker Isolierung ist, dass sich Feuchtigkeit im Haus sammelt, wenn man nicht ständig lüftet oder durch Pumpensysteme für Luftaustausch sorgt. Da beißt sich dann aber die Katze in den Schwanz, weil man eben auch wieder Wärme verliert. Die Alternative ist aber, Schimmel in der Bude (und das geht erstaunlich schnell). Von befreundeten Handwerken hört man auch immer wieder, dass das in modernen, hochisolierten Häusern teilweise wirklich ein Problem darstellt, insbesondere, wenn noch Baufeuchte in den Wänden ist (ein Problem, das man in Altbauten nicht hat)

Decken- bzw. Fußbodendämmung würde ich erher hintenan stellen. Das ist aufwendig und teuer und aus meiner Sicht eher das Tüpfelchen auf dem "i", wenn einem partout nichts einfällt.

Was in Kombination mit einer Wärmepumpe sicher Sinn macht, ist eine Photovoltaik-Anlage. Alternativ kann man auch Solarthermie zur Brauch- und Heizwassererwärmung nutzen.
Hier toben leider viele eher fragwürdige Unternehmen durch die Gegend. Wir haben unsere Anlage über ein Programm der Stadtwerke und mit lokalen Handwerksfirmen geplant und umgesetzt. Obwohl wir keine reine und optimale Südlage haben, bringen die modernen Module, die auch bei Teilverschattung noch arbeiten, eine gute Ausbeute und sollten sich innerhalb ihrer Lebensdauer locker amortisieren.

Und zum Thema Klimaschutz: Man muss meiner meinung nach nicht alles politisieren. Letztlich ist es unsinnig, die Umgebung, in der wir leben, zu verschmutzen. Oder anders gesagt: Kein Mensch, der halbwegs bei Sinnen ist, k*ckt in sein eigenes Wohnzimmer. Insofern sollte man aus purem Eigeninteresse umweltfreundliche Lösungen mit möglichst wenig Energieverbrauch und diesen dann möglichst aus regenerativen Quellen gedeckt nutzen. Allerdings muss es sich eben auch rechnen. Und deswegen steht für mich an erster Stelle die Reduktion des Verbrauchs, weil das dafür entscheidend ist, dass man wirklich Kosten spart und somit die Investitionen sich amortisieren. Der zweite Schritt sind dann eben Energieträger, die auch auf mittlere bis lange Sicht günstig und umweltfreundlich sind oder werden können (z.B. Gas durch Biogas-Einmischung). Das ist dann der Bereich, wo man auch mal pragmatisch und kompromissbereit sein muss. Gerade im Altbau.

Um einen Überblick zu bekommen, sind Modernisierungsmessen sicher kein schlechter Ort. Auch viele Stadtwerke bieten Beratungen und Programme an. Verbraucherzentrale hast Du selbst schon auf dem Schirm.
Wie gesagt: Viel Spaß und einen langen Atem. Es ist stressig, aber wenn man dann mit dem Gröbsten durch ist, auch sehr befriedigend 🙂


Edit: Typos eliminiert...
 
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Hallo liebe Community,

ich weiß nicht ob es ins Finanzforum passt, aber es geht zumindest dabei um Geld ^^
Ich gehe jetzt mal davon aus:

Was ist denn dein Bedarf ?
Hat das Haus irgendwo ein defekt:
Ist das Dach undicht, leckt die Heizung, fällt der Putz von der Wand oder ist der Keller feucht ?
oder
"drückt dich das Geld auf der Bank"

Die 100K hast du doch vermutlich "so mal über".

Wenn die Inflation das Geld auffrißt, ist es im Haus besser investiert.

Wer wird das Haus mal erben ?

Ich stehe mit meiner Heizung an einem ähnlichen Punkt und werde mir jetzt vermutlich wieder Öl einbauen lassen.
Nicht weil ich will, weil ich "muß", da mein Brauchwasser derzeit im Schnitt bei 39° liegt, am Gerät, nicht das was am Hahn ankommt 😉🙁

An deiner Stelle würde ich über 3-Fach verglaste Fenster nachdenken, dabei falls noch nicht geschehen, Rollladenmotoren mit einbauen.

Wir haben die alten Kunststoffrollläden vor vier Jahren drin gelassen (die waren wie neu, keine Schäden etc.), da lt. Fensterbauer die Energieersparniß mit neuen verschwindend gering ist.

Evtl. eine Fassadendämmung, danach kannst du auch gut eine Wärmepumpe einbauen.
Wobei unsere Viessmann noch von 1982 ist, ok... 2017 hat sich kein Handwerker gefunden, der den Brauchwasserkreislauf reparieren wollte/konnte.

Also...
"Bedarf" hast du in dem Sinne keinen 😉🙂
 
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