Welche Begründung fügt er an, um die Ehe aufrecht zu erhalten? Braucht er eine gewisse Zeit, um die Dinge reifen zu lassen? Männer, nicht alle, tun sich schwer mit der neuen Rolle als Vater zurecht zu kommen. In den ersten Jahren mit dem Kind sehen sie sich oft als Außenseiter, das die Frauen nicht einmal bemerken und verstehen können. Vielleicht hat er sich mit seiner Zukunftsplanung zu weit vorgewagt, so dass er nun Angst bekam. Wie wäre es für die erste Zeit, dass du jeglichen Groll auf ihn beiseite legst und ihm ein wöchentliches Update deines Leben mit eurem gemeinsamen Kind per Mail zukommen lässt, mit der stillen Hoffnung, er werde zurückschreiben und sich von Stück zu Stück erklären wollen. Eins ist sicher, ihr werdet die nächsten 2 Jahrzehnte, durch das Kind verbunden, miteinander kommunizieren. Auch wenn es mit einer Partnerschaft vorbei ist, sollte doch die Elternschaft weitergeführt werden. Wege gibt es verschiedene, nur sollten beide nach vorne gehen wollen.
Er meint, er würde zu seinem Eheschwur stehen, würde mich lieben ... er ignoriert völlig, dass ich in der Zeit mit ihm so viel gelitten habe.
Ja, er sagte immer, er bräuchte Zeit ... aber wenn ich ihm Zeit gab, änderte sich nichts ... Dann hat er sich wieder zurückgelehnt und alles laufen lassen. Unter Druck kam es zu winzigen Vorwärzbewegungen ... aber das war mir zu anstrengend - und da kam ja meistens auch Gegenwehr von ihm. So stell ich mir keine Beziehung vor.
Reifen lassen, sich in eine Rolle einfinden bzw. seinen Platz im Leben finden, Angst überwinden - das sind sicher essenzielle Themen für ihn. Aber die Art, wie er meinte, da eine Entwicklung zu erreichen, war, zu warten - und nichts zu tun. Sich in seine Wohnung zurückzuziehen und vor allem zu verschließen, was ich an ihn herantrage. Ich sehe seine Verzweiflung - aber ich sehe auch, dass da grundsätzlich kein Wille ist, etwas dahingehend zu ändern, dass auch ich in dieser Beziehung ein lebenswertes Leben führe und mich nicht nur ausgenutzt fühle und die alleinige Verantwortung für alles trage.
Übrigens hat er ja schon vor unserem Kennenlernen sein Studium nicht weitergemacht ... da hatte er auch schon Angst, sich danach Arbeit suchen zu müssen. Das hat er mir nur verheimlicht und vorgeschoben, dass er gerade noch eine Arbeit (mit der er etwas Geld verdient hat) fertigschreibt.
Er verschließt sich seit Monaten vor jedem Gespräch ... er wollte keine Eheberatung, keine Trennungsberatung, nichts. Nur seine Ruhe. Ich gebe meinem Partner in einer Beziehung gern Freiheiten - ich brauche sie ja genauso ... aber nur mal vorbeizuschauen, wann man gerade Lust hat - und alles schwere dem anderen zu überlassen, ihn damit allein zu lassen - das ist für mich kein Dauerzustand. Leider war es das bei uns.
Das mit dem Update übers Leben mit Kind ist eine schöne Idee ... ich werde es mal versuchen ... wobei ich bezweifele, dass er die Mails liest. Er hat unheimlich viel Kraft, wenn es darum geht, sich abzuschotten. Naja, aber einen Versuch ist es trotzdem wert - auch für mich eine Übung, wieder neutral mit ihm umzugehen ... Hoffen, dass er zurückschreibt, werde ich nicht. Er ist sooo sehr in seiner Hassspirale gefangen, dass so etwas nicht drin ist. Ich denke, er investiert seine Gedanken und seine Kraft in Möglichkeiten, mir eins auszuwischen ... Zumindest ist es das, was er bisher rüberbringt. Positive, lösungsorientierte Regungen gab es nicht.
Naja - zu der Elternschaft: Ich habe mir ja sehr gewünscht, dass er die Regeluzng, sein Kind alle 2 Wochen zu sehen, weiter umsetzt - wir hatten das ja mit dem Jugendamt angebahnt. Aber wie ich es schon oft erlebt habe, meldete er sich einfach nicht mehr - und dann kam eben der nächste Knaller (Vaterschaftsanfechtung). Übrigens, obwohl unser letztes Gespräch davor friedlich ablief. Wahrscheinlich hat es ihn schon wieder völlig aufgebracht, dass ich nun über das Jugendamt den Unterhalt erstreite, weil er ihn nicht zahlen will.
Mit dem Kind läuft es sehr ähnlich wie mit der Ehe: er sagt, er wolle ihm ein guter Vater sein - aber seine Taten sprechen andere Worte. Er tut alles dafür, aus der Unterhaltssache rauszukommen und möglichst keine Verantwortung übernehmen zu müssen. Vater sein heißt für ihn: wenn ich Lust habe, besuche ich das Kind mal, hab ein paar schöne Stunden mit ihm und gehe dann wieder meiner Wege.