Rhenus,
entschuldige bitte, aber ich muss mich vor dir nicht rechtfertigen.
Ich aber auch nicht vor Dir! 🙂
Es ging eingangs "nur" um den Umstand, dass der amtierende Bundespräsident Gauck seinen 75. Geburtstag feierte.
Dass in diesem Zusammenhang seine Familienverhältnisse auf diese Weise thematisiert wurden, finde ich geschmacklos.
Interessant, dann hast du das Thema aber schon vor mir, du mit deinem ersten Beitrag, verfehlt... Zudem interpretiere ich das gesamte Posting (nicht nur die Überschrift) etwas anders.
Du doch auch, sonst würdest du das Thema nicht immer mehr ausweiten.
Über Geschmack lässt sich am besten Streiten, das ist altbekannte Tatsache, doch dein Geschmack ist nicht mein Geschmack und deine Moral ist nicht meine Moral.
Ich habe bestimmte Erwartungen an jemanden der das Amt bekleidet, du nicht?
Und ich sage ganz einfach, dass sich an dieser Stelle ein Joachim Gauck eben nicht von - ich weiß nicht- wie vielen anderen Menschen in der Bundesrepublik unterscheidet.
Ja richtig, du weißt es nicht...
Also es dürfte wohl eine maßlose Übertreibung sein, dass es in der BRD eine nennenswerte Anzahl von Pfarrern gibt, die sich den Luxus erlauben, sich eine Ehefrau und gleichzeitig eine Geliebte zu halten, sie zu versorgen bzw. partizipieren zu lassen, wo man armen Menschen noch jeden Cent vorrechnet und Herr Gauck sich zynisch über sie äußert.
Das ist seine und seiner Frau, seiner derzeitigen Lebensgefährtin ureigene Sache, und ich weigere mich darüber ein Urteil zu fällen.
Wer zwingt dich? Und du bist nicht der Nabel der Nation. 😀
Ich denke schon, dass es ein Thema sein sollte, weil es etwas mit seiner Glaubwürdigkeit zu tun hat.
Daher Urwahl und jeder kann dann seine Bedenken in eine Stimme für einen Kandidaten, pro oder kontra, einfließen lassen.
Ist doch kein Problem...
Deinem Urteil über Helmut Schmidt kann ich ebenfalls nicht beitreten. Ich habe mich gerade mit seinen militär-strategischen Überlegungen sehr ausführlich befasst, und ich sage bis heute, dass seine Analyse und seine politische Handlungsanweisung zu diesen Fragen richtig waren und schließlich mit Erfolg gekrönt wurden.
Darüber kann ich nur bitter lachen.
Wir waren noch nie so nahe an einer totalen Vernichtung, als zu seiner Amtsführung und gerade durch die Nachrüstung.
Es war Teil der Strategie im Erstschlag Deutschland und die Niederlande auszulöschen. Ich gehe noch einen Schritt weiter zu behaupten, es hätte gar nicht festgestanden, ob ein globaler Gegenschlag durch die Amerikaner gefolgt wäre.
Woher ich das weiß, kann ich nicht schreiben, doch genau das haben hohe Militärs ebenfalls behauptet.
Schmidt hat gewisse Dinge verklärt dargestellt, wie er sie heute noch fürchterlich darstellt, wobei es immer dumme Menschen gibt, die ihm dabei applaudieren.
Bereits 1958 warnten Wehrexperten im Bundestag davor, dass landgestützte Atomraketen das NATO-Vertragsgebiet zu einem Primärziel sowjetischer Präventivangriffe machen würden.
Und so Westeuropas Sicherheit enorm herabsetzen würden.
Sie lägen daher ebenso wenig im deutschen Interesse, wie die Verfügung der Bundeswehr über eigene Atomwaffen.
Was hatte sich geändert?
An der Sicherheitslage nichts, darum lehnten andere die Nachrüstung ab.
Ohne den westlichen Nachrüstungsbeschluss hätte es keine MBFR-Verhandlungen gegeben, wäre die Abrüstung in Europa nie in Gang gekommen.
Oh, das klingt sehr logisch.
Ohne Krieg gibt es bekanntlich auch keinen Waffenstillstand oder Friedensverhandlungen...
Die Ergebnisse der SALT-Verhandlungen, die unter wesentlicher Beteiligung Schmidts und Henry Kissingers betrieben wurden, befreiten Europa damals nicht vor den Gefahren eines atomaren Super-Gau, minderten sie aber erheblich.
Absolut nicht!
Man muss ganz einfach nur mal von der offiziellen Propaganda wegkommen.
Der ja, wir erinnern uns, erst zur Gefahr wurde, als Super Gau, weil u.a. wegen Vorwarnzeiten von 2 Min.!!! Eine Reaktion gar nicht möglich war!
In 2 Minuten entscheidet keiner mehr, ob es ein Fehlalarm ist oder nicht!
Daher hätten Amerikaner abgewartet... Weil zudem die hier stationierten Raketen nicht so schnell einsatzbereit wären... Also taktisch als Waffen ausfielen...
Ich könnte jetzt noch ein gutes Argument schreiben, dass lass ich lieber...
Es mag uns heute wie eine Überlegung aus einer anderen Welt vorkommen, aber mit der Fähigkeit zum atomaren Erstschlag, zwang der Westen die UdSSR an den Verhandlungstisch.
Das ist Quatsch, der atomare Erstschlag war zu jeder Zeit, von beiden Mächten möglich. Es wurde lediglich die Vorwarnzeit sträflich verkürzt, was beinahe durch einen Fehlalarm zum Tod der Deutschen geführt hätte.
Hätte es nicht einen besonnen russischen Offizier gegeben, der das verhindert hätte.
Weder die Deutschen, noch die Russen dankten ihm übrigens dafür...
Und interessant... Schmidt führt heute in der Ukrainekrise genau das verwendete Argument von mir, bezüglich einer steigenden Bedrohung gegen Russland an.
Er bezeichnet es als falsche Politik der Kanzlerin und der Nato, (gegen seine eigenen damaligen Handlungen!)😱
Ist doch interessant... Getreulich: „Was schert mich mein Geschwätz von gestern!“?
Ich erinnere dich ebenfalls daran, dass in der Hochzeit des Kalten Krieges die Bundeswehr eine Friedenstärke von 495.000 Soldaten hatte, während es heute gerade mal 180.000 sind.
Kritiker bezweifeln sogar, dass sie noch in der Lage ist, ihrem Auftrag im Notfall wirklich nachzukommen.
Warum musst du mich daran erinnern... Ich bin einer der Kritiker.
Ich müsste mich outen, wenn du meine Reden dazu lesen solltest.
Ist aber unerheblich.
Unter anderem sage ich: „Man schafft keine Feuerwehr ab, weil es lange nicht gebrannt hat...“
Bundeswehr hätte weiterhin Verteidigungs- und Ausbildungsarmee sein können.
Dieser Umstand ist nicht zuletzt Verdienst des vielleicht (nach meiner Meinung war er es) besten Verteidigungsministers und fähigsten Bundeskanzlers, den wir hatten, Helmut Schmidt.
Bundeswehr intern ersetzten die Aktivitäten Schmidt`s das Prinzip von Befehl und Gehorsam durch das Prinzip der Inneren Führung. Die Soldaten wandelten sich von Befehlsempfängern zu Bürgern in Uniform.
Der beste Verteidigungsminister ist der, den es nicht gibt...
Also ist Befehl und gehorsam bei der Bundeswehr abgeschafft?
Weißt du überhaupt was damit gemeint ist?
Jow, jetzt nenne noch das Haarnetz...
Ist auch sein Verdienst, das er mit Wehner Kanzler Brand stürzte?
Den ich wiederum für den besten Kanzler halte...
In diesem Zusammenhang noch ein Satz zu mir: Ich war nie ein Duckmäuser, habe mich nicht willig und angepasst ins System geschmiegt. Als Schüler war ich Mitglied einer linken Schülerbewegung. Als Student gehörte ich ebenfalls zu einer linken Gruppierung. In dieser Zeit begleitete ich wiederholt Altersgenossen als Beistand im Zusammenhang mit ihren Anträgen auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer.
Finde ich super!
Allerdings, und das ist eine Erkenntnis, die für mich als manisch-depressiven Zeitgenossen wichtig und hilfreich war und bleibt, habe ich inzwischen gelernt, nicht gegen Windmühlenflügel anzugehen und mich nicht dadurch selbst zu überfordern, dass ich den Helden gebe, wenn mir dazu das nötige Rüstzeug fehlt.
Burbacher