Andreas900
Sehr aktives Mitglied
Ich wünsche dir auch einen guten Starts ins neue Jahr!Hallo Andreas,
ich kenne dieses Gefühl nur zu gut. Auch ich möchte keinen NÄHEREN Kontakt zu irgendwelchen Menschen. Locker ja - aber sobald es anfängt, enger zu werden, mache ich die Schotten dicht.
Ich habe gerne lockere Gespräche - und gut ist.
Ich bin halt Einzelgänger... sowas gibt's .
aus meiner Sicht beschreibt dieser Abschnitt dieses Einzelgänger-Gefühl voll und ganz. Die Menschen meinen es gut und wollen Gespräche - aber diese Gespräche stressen nur....
Ich bin gerne UNTER Menschen, möchte dazu aber auch gerne in Ruhe gelassen werden und einfach nur diese Situation (unter Menschen zu sein) genießen....
... das ist dann wieder was ganz anderes... man ist anonym, man kann antworten, wenn oder wann man Lust dazu hat.
Ich bin gerne hier im Forum unter euch allen.
Wenn es mir zuviel wird, mache ich den PC zu und Ruh ist... keiner ist beleidigt 🤣 ....
Auch diese Situation kann ich voll und ganz nachvollziehen. Ich habe auch meine Probleme mit meiner Mutter; den Kontakt möchte ich allerdings NICHT GANZ abbrechen - ich schaff das menschlich nicht...
Andreas, du hast hier schon viele Tipps bekommen; ich habe leider keine neuen Anregungen zu deiner Situation... manchmal hilft es auch schon, dass man spürt - man ist ja gar nicht alleine mit dem Problem.
Einigen Anderen ergeht es ähnlich oder sogar gleich...
LG und ich wünsche dir einen guten Start in 2026 😃
Danke für deine Antwort.
Ja, das Internet und Foren wie dieses kommen mir sehr entgegen, weil sie mir die Freiheit überlassen, die Intensität von Kontakten zu steuern. Ich fühle selten Druck und kann auch nach Belieben hier auch mal wochenlang garnicht antworten (so wie du sagst, man macht halt einfach den PC aus)
Die Problematik fängt bei mir schon bei vermeintlich harmlosen Sachen wie Online Gaming an. Online mit Anderen spielen? Gerne! Dabei lockere online-Freundschaften knüpfen und sich auch öfter mal begegnen? Sehr gerne!
In einer Gilde spielen und jeden Freitags um 20 Uhr einen Regeltermin zum Raiden haben? Schrecklich! Jeder Druck durch irgendeine Regelmäßigkeit oder Erwartungshaltung an mich empfinde ich belastend.
Ich bin da aber vermutlich nur das Kind meiner Erziehung. So sehr ich meine verstorbenen Großeltern, bei denen ich aufgewachsen bin auch liebe, so stark war immer die Erwartungshaltung an mich. Ich musste immer braver sein als andere Kinder, erwachsener, besser. Als ich 10 war, war meine Oma 70, mein Opa 73. Ich erinnere mich gut, in dem Alter regelmäßig Alpträume gehabt zu haben, dass meine Großeltern sterben. Ich war ein 1er Schüler, drittbester in einem Jahrgang von rund 120 Kindern, setzte mich selber extrem unter Druck. Guter Schulabschluss, schnell ins Berufsleben kommen, schnell selbstständig werden - solche Gedanken hatte ich mit 10 Jahren.
Und nach meinem Schulabschluss? Da wurde erst mein Großvater pflegebedürftig und verstarb, Jahre später dann meine Großmutter. Wieder spürte ich einen Druck, beiden natürlich zu helfen. Daneben Studium und Job. Über ein Jahr kämpfe ich mit der Pflegekasse um Anerkennung der Pflegebedürftigkeit meiner Oma, organisierte auf eigene Kosten einen Pflegedienst. Dann kam die Anerkennung auf eine Pflegestufe.... mit einem Brief einen Monat nach Tod meiner Oma.
Meine Großeltern haben alles für mich gemacht und besonders meine Großmutter war bemüht, dass ich wenig "Arbeit" mit ihr hatte. Die Arbeit war auch nicht das Problem, sondern der Druck. Jeden Tag ein 12-14 Stunden Programm zwischen Job und Pflege. Einmal lag ich selber mit Grippe im Bett. Natürlich hatte ich meiner Oma trotzdem noch vorher Abendessen gemacht, aber das Licht bei ihr angelassen. Meine Oma hat glaube ich fast ne Stunde lang gerufen, ich solle das Licht ausmachen, während ich mit Fieber im Bett lag und einfach am Ende war. Bis heute denke ich aber daran zurück und mache mir Vorwürfe das Licht nicht ausgemacht zu heben.
Es ist normal dass Menschen Erwartungshaltungen haben, aber ich habe das Gefühl in den ersten rund 30 Jahren meines Lebens nie etwas anderes getan zu haben, als die Erwartungen Anderer zu erfüllen und meine Mutter hat jetzt Erwartungshaltungen an mich. Wo war sie als meine Oma pflegebedürftig war? Als ich ein Kind war? Mit großen Worten war sie immer da, aber nie mit Taten. Einmal bat ich sie während ich auf der Arbeit war meine Oma etwas zu Essen zu bringen und nach dem Rechten zu schauen. Meine Mutter kam knapp 3 Stunden zu spät als auch ich schon wieder zuhause war, meiner Oma ging es schlecht und sie war dehydriert weil sie von selbst kaum was trank.
Das war immer die Taktik meiner Mutter: Große Töne aber sich dann durch passiv aggressives Verhalten (Vergessen, Verspäten, Verzögerungstaktiken, absichtlich ineffektive Arbeit, Sabotage, Meckern, Schuldzuweisungen) aus der Affäre zu ziehen. Ich weiß nicht ob es Absicht ist, ich glaube ihr Verhalten ist unterbewusst, wie ein Reflex. Vielleicht hat meine Mutter damals gelernt, dass sie sich damit gegen Erwartungshaltungen wehren kann. Und sie hat gelernt das es funktioniert.
Gefiel meiner Mutter eine Arbeitsstelle nicht, wurde sie "krank", so oft bis der Chef ihr kündigte. Damals vor der ALG 2 Reform, kassierte sie dann erst Arbeitslosengeld, dann Arbeitslosenhilfe und erst wenn die auslief, schaute sie nach einem neuen Job. Das ganze wiederholte sich zig mal.
Erst mit Arbeitslosengeld, dann mit Hartz 4 und später mit dem Erbanteil meiner Großeltern kam sie durchs Leben.
In gewisser Weise ist ihr Verhalten ja klug. Sie entzieht sich allem. Einmal bot sie an, für meine Oma die Fenster zu putzen. Sie brauchte ungelogen eine ganze Stunde für ein Fenster und rief meine pflegebedürftige Oma ich glaube 5-6 Mal herbei, sei es um zu fragen mit welchem Tuch sie das Fenster putzen soll oder sich darüber zu beklagen, dass das Gummi am Abzieher zu hart sei. Danach war für meine Oma klar: Lieber die Fenster dreckig lassen als meine Mutter um Hilfe zu bitten.
Der Hohn ist dass meine Mutter meiner Oma ständig Hilfe angeboten hat und heute mir ständig Hilfe anbietet. Das ist so eklig! Diese Hintenrum Hilfe anbieten damit man gut dasteht, aber dann passiv aggressiv alles sabotieren. Meine Mutter ist in ihrer eigenen Darstellung der beste Mensch der Welt, nur dass sie noch nie wirklich etwas für irgendwen getan hat.
Aber wie gesagt, in gewisser Weise ist sie klüger als ich. Ich habe mich immer allem gebeugt, es immer gut gemacht und vielleicht meide ich deswegen jetzt soziale Beziehungen, weil ich nicht mehr das Gefühl will mich beugen zu müssen.