Natürlich haben sie einen nicht leichten Job in den Jugendämtern. Darum beneide ich die Mitarbeiter/innen nicht.
Als beamteter Lehrer a.D. kenne ich nicht nur das Besoldungsgefüge, sondern ich habe auch oft ein wenig darin gedacht. Da hatte ich schon gelegentlich den Gedanken, dass ich selbst einen solchen Job und für das Gehalt nicht machen wollte.
Einer meiner Jugendfreunde war später im Jugendamt tätig und wir fachsimpelten oft. Ich habe ihn um seine Tätigkeit und sein Amt wahrlich nicht beneidet.
Eine Anmerkung zur Thematik erlaube ich mir dann auch noch. In der Schule war besonders auffällig, dass sich bestimmte Familienkonstellationen über die Generationen fortsetzten. Tauchten Kinder mit bestimmten Familiennamen auf, gingen bei manchem von uns die Lichter an. Und nicht selten war es dann auch so, dass sich bei den Kindern, zum Ende meiner Zeit sogar bei den ersten Enkeln durchgehend
die gleichen Auffälligkeiten wiederholten.
Da wohnten Familien seit Generationen im selben Umfeld, und da tradierten sich gewissermaßen die Schicksale. Das fand ich genauso tragisch wie auch die plötzliche und massiv demonstrierte Distanz junger Menschen zu ihren Elternhäusern. In dem Moment, in dem sie realisierten, was ihnen an Bürden und Lasten mitgegeben wurde, kam bei manchen von ihnen sogar eine Verachtung gegenüber den eigenen Familien auf.
Das wiederum ließ mich als Vater und Opa auch nicht kalt. Das Elend, das ich in solchen Familien sah, die erkennbare Not bei etlichen Kindern hatten zudem nicht nur Folgen für die Betroffenen, sondern wurde und wird auch von Pädagogen als z.T. eigene Ohnmacht empfunden, ja führt sogar und nicht selten zu einem Versagensgefühl, das mir etwa auch nicht in den Klamotten steckenblieb, und so brach ich gegen Ende meiner Zeit in der Schule zweimal zusammen. Mein Körper zeigte mir, was mein Kopf nicht akzeptieren wollte, dass ich eben nicht mehr konnte und es Zeit wurde, zu gehen.
Burbacher