Wie unterscheidet man tatsächlich zwischen gut und böse - bei anderen, bei sich selbst?
Ich denke, dass das insofern schwierig zu beantworten ist, weil zumindest eine gewisse Restsubjektivität nicht auszuschließen ist. Resultierend daraus, dass die Menschen dieser Welt nicht alle gleich sind, sondern recht unterschiedliche Wahrnehmungsspektren bzw. Bewusstseinsgrade haben. Natürlich zusammenhängend damit, dass Menschen verschiedene familiäre Prägungen, kulturelle Prägungen und sonstige Sozialisierung und Konditionierung hinter sich haben.
So mag also vielen Menschen etwas als gut erscheinen, was anderen als böse erscheint, und andersherum.
Gibt es tatsächlich einen fixen Maßstab/Maßstäbe dafür, was gut oder böse ist?
Nach meiner Meinung befindest Du Dich auf der richtigen Spur, wenn Du gut und böse einmal nicht aus
moralischer Sicht betrachtest, sondern zunächst den Unterschied nur im
Anders-Sein und im
Anders-Handeln siehst. Von menschlicher Ebene aus können wir zunächst nur sehen: Das X ist so und das Y ist anders. Was davon jetzt moralisch als gut oder böse zu bezeichnen ist, kann an dieser Stelle noch nicht gesagt werden.
Das beste Mittel, um zu einer weiterführenden Erkenntnis zu gelangen, ist die Vernunft. So ist es durchaus vernünftig, Regeln für das Zusammenleben zu entwickeln und als Gesetze zu veröffentlichen. Wer gegen das Gesetz eine andere Person bestiehlt oder ermordet, handelt anders (anders als es gewollt ist). Dieses Anders-Handeln bezeichnen wir moralisch als böse. Das Gesetz ist wieder wandelbar. So gab und gibt es Gesellschaften, in denen unter Strafe steht, was bei uns erlaubt ist und was bei uns verboten ist, ist dort völlig in Ordnung. Auch hier - in diesem Vergleich - erkennen wir, dass es abstrakt immer nur um das Sein und das Anders-Sein geht, um das Handeln und um das Anders-Handeln. Mal wird das Handeln als gut bezeichnet, mal das Anders-Handeln.
Von daher ist Deine Frage "Gibt es tatsächlich einen fixen Maßstab/Maßstäbe dafür, was gut oder böse ist?" völlig berechtigt. Ich möchte die Frage unmoralisch formulieren: Gibt es einen objektiven fixen Maßstab dafür, nach dem das Sein als gut oder schlecht beurteilt werden
muß und das Anders-Sein als gut oder schlecht?
Ich lenke Dein Augenmerk auf das Wörtchen "muß". Nein, außer sterben müssen müssen wir gar nichts. Der Mensch ist frei zu entscheiden, ob er das Sein als gut und das Anders-Sein als schlecht einstufen möchte.
Aber sollten wir?
Und mit dieser Frage kommen wir nur über Erkenntnis weiter. Das Erkennen, was wir sollten.
Ein frühchristlicher Theologe formulierte:
"Das Böse ist immer, mag es auch noch so intelligent geplant sein, Zeichen mangelnder Einsicht".
Die mangelnde Einsicht führt also beim Menschen dazu, dass er anders ist als er sein sollte, dass er anders handelt als er handeln sollte.
Der fixe Maßstab, nach dem Du fragst, ist also das So-Soll-Es-Sein. Einer solchen Aussage schenken wir Glauben, weil es uns jemand so mitteilt oder wir erkennen es zunehmend selber, weil wir uns nach Einsicht bzw.
um Erkenntnis bemühen.