Auch das aus meiner Sicht ein sehr, sehr guter Punkt. Ist es aber nicht so das schwierigste im Leben überhaupt, sich selbst und/oder anderen zuzugestehen, dass man Fehler gemacht hat und macht?
In unserer Gesellschaft gehört es zum geschickten Verhalten, möglichst keine Fehler und keine Schwächen zu haben, weil Du dann schnell in irgend einer Weise benachteiligt werden kannst. Wie sagte so schön der Alkoholkranke: Jeder sieht, wenn ich betrunken bin und lacht darüber. Keiner sieht, wenn ich Durst habe.
Aber wonach dürstet es uns? Wenn uns von Grund auf Gerechtigkeit wirklich wichtig ist, dann stört uns die Ungerechtigkeit in der Welt - jedoch unsere eigene Ungerechtigkeit empfinden wir als das Schlimmste.
Aus meiner christlichen Sicht sehe ich das ganzheitlich. Der Mensch kann nicht sauber sein, wenn er sich immer nur das Gesicht wäscht, aber nicht den ganzen Körper. Ähnlich ist es mit unserem Herzen.
Es ist eine Frage der Erkenntnis. Wenn Du aus dem Dunkel in die warme Sonne möchtest, dann ist Dir klar, dass Du den Wintermantel ausziehen mußt. Es fällt leicht, sich im Sommer bis auf die Badehose auszuziehen und schwimmen zu gehen. Bist Du unter Deinen Kleidern schmutzig, dann willst Du auch den Schmutz los werden. So legt der Mensch alles ab, was ihn hindert dorthin zu gelangen und das zu tun, was er tun möchte, wie er sein möchte. Der Mensch erkennt: So will ich sein - aber ich bin anders.
Ohne Schulderkenntnis gibt es auch kein Schuldbekenntnis. Ohne Schuldbekenntnis gibt es auch keine wirkliche Änderung. Will ich ohne Schuld sein, ein sauberes (reines) Herz haben, dann sehe ich es als eine Notwendigkeit an, mich ganz "zu waschen" und nicht nur das Gesicht. Nur wenn der Menschen ein reines Herz haben möchte, wird er auch alles tun, dieses zu bekommen. Will er vor den Menschen als sauber da stehen, reicht ein Wintermantel.
Ist das verständlich?