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Mr. Pinguin
Gast
Ist es denn richtig, unglücklich zu sein? (Natürlich nicht.) Glück (Lebenszufriedenheit) ist kein Anspruch, sondern ein wesentliches Bedürfnis.Wer sagt denn, dass es richtig ist, glücklich zu sein? Ansprüche zu haben, kann richtig oder falsch sein, das ist abhängig von dem Empfinden derer, die sie stellen und derer, an die Sie gestellt sind.
Ganz genauso sehe ich das. Deswegen wenden die Menschen so viel Energien auf, um möglichst einem Idealbild zu entsprechen, mit dem man Anerkennung und damit Zugehörgkeit erlangt (in unserer westlichen Gesellschaft hat die kapitalistische Leitungsorientiertheit einen sehr hohen Stellenwert, anderswo büffelt man den ganzen Tag den Koran). Sind bereit sich anzugleichen (zu assimilieren, kennen wir von Raumschiff Enterprise und den Borgs), ihre Individualität fallenzulassen und die gleichgeschalteten Werte des Kollektivs als das neue "Eigene" zu übernehmen. Das würde alles so nicht funktionieren, wenn der Mensch kein soziales Gruppenwesen wäre, sondern wie z.B. der Bär ein typischer Einzelgänger, dem andere Bären schnurzpiepegal sind (außer er möchte sich paaren oder einem Konkurrenzbären an die Gurgel). Der Mensch empfindet ein sehr großes Unglück, wenn er ausgeschlossen ist und eine Zugehörigkeit nicht erlangen kann.schön gesagt..aber heißt das, ohne Zugehörigkeit kann man nicht glücklich sein..?
Ja, denn in einem Getümmel von Menschen zu sein ohne irgendwelche Bindungen zu diesen zu haben, ist genauso wie keine Zugehörigkeit zu haben. Man ist einsam (Masse hin oder her) und damit unglücklich.wirken Menschen in Grossstädten, verloren inmitten so vieler Anderer, mit weniger echten Bindungen, deswegen unglücklich?
Natürlich ist das möglich. Aber wenn man ständig die Angst vor dem Nicht-Genug-Sein vor Augen hat und den Zwang, einem Ideal, bzw. einer Vorgabe (nach Leistung oder was auch immer) zu entsprechen, so ist man der ewig Getriebene, der immer den Terror im Nacken hat, nicht fehl gehen zu dürfen, nicht scheitern zu dürfen. Das (echte) Glücksgefühl (die Lebenszufriedenheit) stellt sich ein, wenn man anerkannt wird, für das, was man als Mensch ist, und nicht für das, was man vorgeben muss. Zwang macht nicht glücklich, sondern aggressiv. Und wenn man sich dessen nicht bewusst sein darf, weil man den Verstoß aus der Gruppe nicht ertragen kann (weil, der Mensch ist ein Sozialwesen und naturgemäß auf ein Überleben in der Gruppe angewiesen) und man sich deswegen mit den Vorgaben und Forderungen identifiziert, dann wird es pervers. Und das mündet dann in perverser Aggression, wie z.B. andere erniedrigen, sie benutzen wollen, Gewalt, etcpp.und wie wäre es, seinen Platz wirklich endlich gefunden zu haben? Ist das überhaupt möglich oder beherrscht uns das Streben danach für immer?
Ja. Alte und Renter können können es locker angehen lassen. Sie müssen nichts mehr leisten und ihnen wird zugestanden, dass sie sozusagen den ganzen Tag den Müßiggänger machen können. Ein Mensch im üblichen Erwerbsalter wäre hier der sozialgesellschaftlich Verachtete, der Zugehörigkeit allenfalls unter Seinesgleichen finden kann und man damit am Rand gedrängt lebt, mit entsprechend eingeschränkten Mitteln. Am Rand zu sein (außen vor) ist in aller Regel für niemanden erstrebenswert, eben weil, bingo, es unglücklich macht. Eine kleine Sonderstellung sind vielleicht noch die selbstgewählten Aussteiger, die verstanden haben, dass Lebenszufriedenheit nicht mit gesellschaftlichen Vorgabenentsprechungen zusammenhängen. Aber auch diese brauchen ihre Zugehörigkeit. Denn auch wenn man so geblieben ist, wie man ist (oder sich wiedergefunden hat) und an einem Häuschen am idylischen See im Naturpark lebt, dann braucht man ganz einfach auch seinen Hintergrund von Mitmenschen. Eigenwurstler sind nicht gücklich, egal wie schön ihre Umgebung ist und wie frei und selbstbestimmt sie sich entfalten können. Wer dauerhaft vereinsamt lebt, wird wunderlich und degeneriert, weil der Austausch mit den Mitmenschen fehlt und dieser wichtig ist, um seelisch gesund (und glücklich) bleiben zu können.Ist die Zufriedenheit mancher alten Menschen darauf zurückzuführen, dass sie sowieso nicht mehr so viel Zeit haben, noch viel zu ändern oder etwas zu erreichen, dass sie ihren Platz nicht mehr ändern brauchen, sondern so bleiben können, wie sie sind?
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