Hallo Dr. House,
Der meiner Meinung nach falsche Grundgedanke ist, das man kaputte Dinge nicht wieder reparieren kann und wir auf eine Resource ultimativ angewiesen sind. Und wenn diese verbraucht ist, wir nicht mehr so weitermachen können, wie bisher.
Das ist falsch!
Es gibt ein Zitat von Goethe: "Ein kleiner Junge kann einen Käfer zertreten, aber alle Professoren der Welt können ihn nicht wieder zusammensetzen." Das kann man durchaus in globalen Kontext setzen.
Oder einen mit Chemikalien verseuchten Boden mit irgendwelchen speziellen Partikeln (mir fällt grad der Name nicht ein) zu säubern.
Ich selbst verdiene gerade mein Geld als Ingenieur und zwar genau damit, dass ich verseuchten Boden saniere. Es stimmt, dass man dafür auch spezielle Partikel einsetzt, ich nehme an du meinst Nano-Eisen ?
Ich denke, ich kann von mir behaupten, das sich kein Technologiegegner oder Öko bin. Ich kann dir aber nur sagen, dass wir und unsere Technologie große Schwierigkeiten haben auch nur einen Teil der Probleme zu lösen, die in den letzten 150 Jahren Industrialisierung entstanden sind.
Ein alltägliches Beispiel: Es gab noch in den 70ern die Anweisung Lösungsmittel dadurch zu entsorgen, indem man sie auf sandigen Boden schüttet und verdunsten lässt. Es war damals nicht bekannt, dass diese Substanzen in den Untergrund sickern. Heute hat man das Problem erkannt, eine Lösung ist aber nicht in Sicht.
Ich arbeite in einem städtischen Projekt, dass hier unterhalb der Landeshauptstadt die Ausbreitung der Lösungsmittelkontaminationen im Grundwasser erfassen soll. Das heiss, wir sind seit Jahren dabei zu erkunden wie gross der Schaden ist und wie weit er sich in den letzten Jahrzehnten ausgebreitet hat. Sanieren werden wir diese Kontaminationen in absehbarer Zeit nicht können. Wir haben dafür weder die Technologie, noch das Geld.
In einem anderen Projekt haben wir jetzt eine Sanierung abgeschlossen. Es ist dort vermutlich vor 10 Jahren der Inhalt eines 20l-Kanisters mit Lösungsmittel im Untergrund versickert. Den überwiegenden Teil konnten wir ausbaggern und auf eine Deponie fahren. Zwei Liter davon sind aber unter den Keller eines Wohnhauses gesickert. Das Zeug ist krebserregend und das Haus wäre unbewohnbar gewesen.
Es hat drei Monate intensiver Arbeit gedauert die Ausdehnung der Kontamination zu erkunden. Kosten 11.000 EUR. Wir haben dann nach Möglichkeiten gesucht, wie man das Problem schnell und günstig lösen kann. Es wurden unter Anderem Labor- und im Feldversuche mit einer Suspension aus Nano-Eisen gemacht. Es hat sich aber herausgestellt, dass es nicht möglich war, die Suspension bis zu den Schadstoffen zu pumpen. Auch sind im Labor die Versuchsgläser wegen starker Gasbildung explodiert. Es war also nicht absehbar, was die stark reduzierende Eisensuspension im Untergrund wirklich bewirken würde. Kosten für diese Versuche: 3.500 EUR.
Andere Überlegungen waren, durch Horizontalbohrungen und spezielle Baugeräte das belastete Material einfach unterhalb des Kellers zu entfernen. Dadurch wäre aber die Standfestigkeit des Hauses nicht mehr gewährleistet gewesen. Auch wären ausreichend präzise Bohrungen technisch !!! nicht umsetzbar gewesen.
Wir haben dann Gasbrunnen gebohrt, über eine Reihe von Vakuumpumpen im Boden einen Unterdruck erzeugt und die Lösungsmittel abgesaugt. Dauer: 2,5 Jahre. Kosten 24.000 EUR. Zu dem Ganzen kommen noch Planungs- und Beratungskosten von 9.000 EUR. Die messtechnische Begleitung der Sanierungsmaßnahme kostete 4.500 EUR. Die nicht unerheblichen Folgekosten kenne ich nicht, aber die Gesamtkosten lagen so bei 30 % des Werts des Gebäudes.
Ich betone das nochmal: Dieser Schaden wurde durch einen 20l-Kanister verursacht. Und: Der Grundstückseigentümer hatte das Glück, dass die Lösungsmittel in diesem Fall nicht in das Grundwasser gelangt sind, sondern noch recht nahe an der Geländeoberfläche waren. Wäre noch eine Grundwassersanierung erforderlich gewesen, wären die Kosten und die Sanierungsdauer erwartungsgemäß um eine Zehnerpotenz höher gewesen.
Es war ein kleines Problem, aber der Aufwand um es zu beseitigen, war sehr gross im Vergleich zu der Ursache. Und das ist kein Einzelfall, sondern die Regel.
Wissenschaft und Technologie sorgen dafür, das die schon nicht untergeht. Garantiert.😉
Dr. House - wenn du diese Garantie wirklich übernehmen kannst, dann könnte ich dir einige gut bezahlte Jobs vermitteln.
😉
Aber im Ernst: Wenn man sinnvolle Dinge tun will, ist Vernunft erforderlich. Dazu gehört auch, dass man die Richtung von Entwicklungen lenkt. Es ist einfach an der Zeit, nicht mit den Fehlern der Vergangenheit weitermachen. Technologie kann dabei ein hilfreiches Werkzeug sein, aber die Vernunft müssen wir immer noch selbst beisteuern.