Hallo, Biddi,
finde ich echt prima, dass Du an die beiden Beispiele rangegangen bist.
Zum Fall 1: Es handelte sich um einen ca. 6J. Jungen, dem es anscheinend Spass zu machen schien, wenn er draußen war, außerhalb der Sicht des Hauses und andere Jungen quiekten, weil er sie mit der Gerte oder einem Stock auf die nackten Beine schlug. Wir bekamen das nur mit, weil Kinder weinend nach Hause liefen. Ich habe mitbekommen, dass die Mutter (Nachbarin) mit ihm eindringlich geredet hat und es gab auch Hausarrest. Aber drei Tage später kamen wieder Kinder weinend vorbei, die berichteten, was draußen auf der Wiese passiert war. Die Mutter nahm daraufhin eine Gerte und machte das mit ihrem Sohn, was dieser mit anderen Kindern machte. Danach gab es keinen weiteren Vorfall. Mit dem Jungen, der inzwischen deutlich älter ist, habe ich mal über den Vorfall gesprochen. Er hat keinen Groll gegen seine Mutter und eigentlich ein sehr gutes Verhältnis. Die damalige Strafe hat er im Nachhinein als gerechtfertigt gesehen.
Zum Fall 2: wenn ein Junge 6 J. dazu neigt, sich immer und immer wieder in Gefahr zu begeben…
Es handelt sich um meinen Sohn. Ich habe noch nie ein Kind erlebt, welches mit großer Fantasie die Gefahr suchte, und dies mit einer Selbstverständlichkeit, wie das tägliche Abendbrot. Dafür habe ich ihn nie geschlagen. Im Gegenteil: Ich habe mit Engelszungen geredet und erklärt und ihm mitgeteilt, dass – wenn er keine Angst empfindet bei seinen Aktionen – ich jedoch als Vater Angst um ihn hätte. Ich habe mit Psychologen/Erziehungsberatern gesprochen und keiner konnte mir einen verwertbaren Tipp geben oder eine Erklärung für das Verhalten meines Sohnes. Es hieß: „Er ist eben so, reden Sie nochmal mit ihm in Ruhe und erklären….“.
Die einzige Reaktion, die ich von meinem Sohn erhielt, erhielt ich indirekt über unsere Tochter, der er erzählt hatte: „Wenn ich gewußt hätte, dass der Papa vorbeikommt und wenn ich gewußt hätte, dass der so eine Angst hat, dann hätt ich doch mit dem Klettern auf das Hausdach noch gewartet.“
Bis auf einen Fahrradunfall ist ihm nie etwas passiert. Wenn ihm was passiert wäre, hätte ich mir ganz sicher Vorwürfe gemacht und Sprüche wie "das hätt auch nichts gebracht" wären mir am A... vorbeigegangen, sie hätten mir meinen Sohn nicht ersetzt oder Selbstvorwürfe abmildern können.
Er hat übrigens heute einen Beruf und Hobby, welche zu ihm passen. Und ich bin heilfroh, dass nie was Schlimmeres passierte.
Wenn Du Dich gegen Schlagen aussprichst, Biddi, was ich ja auch richtig finde, fehlt mir doch Deine Stellungnahme zu psychischer Gewalt.
LG, Nordrheiner