Klassemacher
Mitglied
Deine Frage halte ich für zielführend, insofern, dass es für Entwicklung zum einen keinen Garantie gibt und diese zum anderen Zeit benötigt. Grundsätzlich würde ich oder vielleicht auch der Romantiker in mir, das anders sehen: Wenn ich zurückblicke, wie wenig bindungsfähig ich noch vor einigen Monaten war, wie ich wortwörtlich angefangen habe, zu zittern, wenn das Wort Beziehung fiel. Wie ich vor einigen Jahren geghosted habe, da mir die Vorstellung von verbindlicher Nähe in panische Angst versetzt hat. Wie ich, nachdem ich realisiert habe, was für ein Ar*** ich war, beschlossen habe, gar nicht mehr ernsthaft zu daten, sondern stattdessen mein Bedürfnis nach Nähe durch einmalige/unverbindliche Geschichten füllen wollte. Irgendwann habe ich mein Problem benennen können: Bindungen bereiten mir panische Angst.In jungen Jahren ist man noch Romantiker und stellt sich solche Fragen. Später weiß man dann: Es ist nicht die Wahl zwischen Hoffnung oder potentieller Besserung und dem Ende. Es ist immer nur die Wahl: Kann man damit leben, dass es immer so bleibt wie jetzt oder nicht? Die Beziehung wird immer im Schwebezustand bleiben und Drama verursachen. Das kannst du haben oder gehen.
Dann habe ich die Ursache festgestellt: Das erste Mal, dass ich verliebt war, endete damit, dass sie mit einem engen Freund von mir zusammenkam. Ich habe das jahrelang für mich behalten, es niemanden erzählt. Und irgendwann habe ich angefangen darüber zu reden. Die ersten Male waren die reinste Tortur. Mein Selbstbild, mein Außenbild, alles fühlte sich so fragil an und ich habe mich beim Teilen geschützt: Ich habe gesprochen wie ein Roboter, als würde ich nichts dabei fühlen, weil ich mir vor dem Tsunami schützen wollte, der drohte, über mich hereinzubrechen.
Entwicklung ist möglich, aber sie benötigt mehre Zutaten: Erstens muss man für sich erkennen, dass man ein Problem hat. Dann muss man willens sein, sich an eben jenes heranzuwagen. Als nächstes bedarf es externer Hilfe, entweder in Form von ausgebildetem Personal oder von Bezugspersonen, denen man genug vertraut, um sich verletzlich zu machen. Sie holt sich aktuell Unterstützung ein, nicht explizit für das Thema, sondern generell. Sprich, grundsätzlich ist sie bereit, etwas zu verändern. Ändert das grundsätzlich etwas an unserem aktuellen Stand? Nein. Ich kann das Drama nicht auf Ewigkeiten aushalten, auch wenn es mich nicht mehr so tangiert, wie noch im Februar. Ich bin viel mehr bei mir, aber es fühlt sich dennoch nicht gut an. Und Bindungen sollten sich gut anfühlen, ansonsten lasse ich sie los. Sie wird sich auch niemals für mich verändern, zum Glück nicht, das muss aus ihr selbst kommen. Und sie macht das auch für sich und nicht für mich oder uns. All das ist mir bewusst. Dem Ganzen bis Mitte/Ende Mai zu geben, ist ein kalkuliertes Risiko, mit einem gutem Schuss Hoffnung und einem viel größeren Schuss Realismus, dass es wahrscheinlich nicht mehr tragfähig werden wird. Ich bin verliebt, bestimmt ein wenig naiv, aber ich bin mir selbst am nächsten und werde mich nicht wieder verlieren.