Anzeige(1)

  • Liebe Forenteilnehmer,

    Im Sinne einer respektvollen Forenkultur, werden die Moderatoren künftig noch stärker darauf achten, dass ein freundlicher Umgangston untereinander eingehalten wird. Unpassende Off-Topic Beiträge, Verunglimpfungen oder subtile bzw. direkte Provokationen und Unterstellungen oder abwertende Aussagen gegenüber Nutzern haben hier keinen Platz und werden nicht toleriert.

Arbeitskollegin akzeptiert meine Erkrankung nicht

Gib dir Zeit und suche dir Hilfe, um deine gesundheitliche Situation und Einschränkung zu verarbeiten. Das wird schon.

Ich habe MS. Mit Einschränkungen. Im Rollstuhl sitze ich nicht, aber das könnte tatsächlich irgendwann kommen. Ich kann zig Dinge nicht mehr, die ich extrem gerne gemacht habe.
Aber für jedes Ding, was ich nicht mehr kann, kann ich 10 andere immer noch. Und im Gegensatz zum Sofa kann ich dann im Rollstuhl immer noch ins Kino, zum Candlelight Dinner, in die Kneipe, ins Theater, ans Meer, mit der Seilbahn auf den Berg, zu einer Weinverkostung, spazieren fahren, zum Brunch, ins Museum, ins Konzert, die Sonne in der Natur auf- und untergehen sehen, Sternschnuppen schauen, mit einem Elektrodreirad fahren (ich hab eins, das Ding ist Burner!), eine hübsche Stadt anschauen, in den Park, Bogenschießen, Ukulele spielen, eine Schifffahrt machen, Bilder malen und zig Dinge mehr. Ich kann sogar neue Leidenschaften entdecken, auf die ich vorher nicht gekommen wäre.

Es ist dann anders, ja. Aber anders ist nur anders, nicht automatisch schlechter. Prioritäten werden sich verschieben, Einstellungen ändern, der Blick ein anderer.

Gib dir Zeit.
 
Ich setze mich nicht auch noch in einen Rollstuhl. Das letzte bisschen Würde lasse ich mir nicht nehmen.

Auch hier lautet meine ganz persönliche Empfehlung: Schau auf Dich und Deine Bedürfnisse und steh weiter dazu. Andere laufen nicht in Deinen Schuhen, sie müssen Deine Entscheidungen nicht mit ausbaden und auch Mehrheiten haben nicht immer recht. Zudem sind Gefühle nicht verhandelbar. Wenn Du bestimmte Hilfsmittel als psychisch unzumutbar empfindest, dann ist das so. Dieses Dein Gefühl wird sich nicht plötzlich ändern, weil gefühlt alle anderen das für Quatsch halten. Es geht hier um Dich und nicht um alle anderen, also bleib bei Dir und achte auf Deine Grenzen.

Ganz allgemein noch ein paar Einordnungen dazu:

Der Einwand ein Rollstuhl sei doch zumutbar, da einfacher als lange Wege zu Fuß klingt auf den ersten Blick vernünftig und ist wohl auch fürsorglich gemeint, rechtlich und sachlich aber falsch aufgesetzt. Genau hier gilt es, sauber zu trennen.

Zumutbarkeit ist kein objektiver Effizienzvergleich („praktischer“, „leichter“, „schneller“), sondern eine individuelle, rechtlich gebundene Bewertung. Maßgeblich ist nicht, was Außenstehende für sinnvoll halten, sondern ob eine Maßnahme der betroffenen Person unter Berücksichtigung ihrer körperlichen, psychischen und sozialen Situation zugemutet werden kann.

Ein Rollstuhl ist kein neutrales Fortbewegungsmittel wie ein Paar andere Schuhe. Er bedeutet eine erhebliche Veränderung der Selbstwahrnehmung, eine sichtbare Stigmatisierung und häufig einen tiefen psychischen Einschnitt. Das kann unzumutbar sein, auch wenn es für andere objektiv „logischer“ erscheint.

Vergleiche von wegen der Fußweg sei doch schlimmer“ sind kein juristisches Argument. Das Recht verlangt keinen Optimierungsvergleich nach dem Motto: Wenn A anstrengend ist, mußt du B akzeptieren, selbst wenn B für dich psychisch schwerer wiegt. Es gibt keine Pflicht, das objektiv effizienteste Mittel zu wählen, sondern nur die Pflicht, zumutbare Maßnahmen in Betracht zu ziehen.

Auch wichtig: Daß jemand sich im Alltag überlastet oder Dinge zu Fuß bewältigt, begründet keine Pflicht, alternative Hilfsmittel zu nutzen. Menschen handeln nicht immer gesundheitsoptimal. Das ist rechtlich erlaubt. Sanktioniert wird nur die schuldhafte Verweigerung zumutbarer Maßnahmen, nicht widersprüchliches oder für Außenstehende unlogisches Verhalten.

Medizinisch gilt ebenfalls kein Automatismus. Ein Rollstuhl ist kein „Upgrade“, sondern eine einschneidende Maßnahme mit Nebenfolgen wie Bewegungsabbau, Abhängigkeit und psychischer Belastung. Ärzte empfehlen Hilfsmittel, sie ordnen sie nicht an. Wenn jemand sagt: „Das kann ich (noch) nicht tragen“, ist das ein legitimer medizinischer Standpunkt.

Problematisch wird es dort, wo Ablehnung moralisch umgedeutet wird („was Sie da veranstalten“, „Sie versuchen nicht genug“). Das ist kein sachliches Argument, sondern eine Bewertung. Sie verschiebt die Verantwortung von strukturellen Fragen wie Arbeitsweg, Arbeitsplatzgestaltung und Zumutbarkeit auf die betroffene Person. Diese Verschiebung trägt rechtlich nicht.

Zusammengefaßt:
Ein Rollstuhl ist nicht per se zumutbar.
Zumutbarkeit ist individuell, nicht vergleichend.
Niemand muß das für andere „vernünftigere“ Mittel wählen.
Widersprüchliches Verhalten hebt Selbstbestimmungsrechte nicht auf.

Vielleicht hilft diese Einordnung, die Diskussion etwas zu entlasten.
 
Wie sieht eigentlich deine häusliche Umgebung aus? Ist die halbwegs barrierefrei, so dass du auch mit entsprechenden Hilfsmitteln aus dem Haus kämst? Hast du entsprechende Hilfe zu Hause, einen Pflegegrad, sonstige Hilfen?

Nein, du musst keinen Rollstuhl benutzen, auch keinen Rollator. Alternativ sitzt du halt die ganze Zeit auf deinem Sofa und guckst dir die Welt von draussen an, statt mittendrin zu sein. Du grenzt dich selbst damit aus, aber das ist dein gutes Recht. Genau so, wie ein Demenzkranker das Recht zu Verwahrlosung hat.

Willst du das wirklich? Auf dem Sofa verkümmern deine Muskeln und Fähigkeiten noch schneller als im Rollstuhl. Davon kannst du ausgehen. Ja, du möchtest nicht als schwerbehindert wahrgenommen werden. Aber in der Wohnung nimmt man dich halt gar nicht mehr wahr, egal wie. Das Leben ist draussen, vor deiner Haustür - da spielt die Musik. Die große Frage bleibt, ob du daran teilnehmen möchtest oder nicht.
 
Nein, es drängt dir keiner einen Rollstuhl auf. Was glaubst du denn, wer dir den hinstellt? I.d.R. darf man ganz schön und lange kämpfen, bis derartige Hilfsmittel überhaupt bewilligt werden. Ähnliches Drama mit den Pflegegraden.

So lange du selbst deine Behinderung nicht ansatzweise akzeptierst und dich darauf einrichtest, so lange ist es auch müßig, das von deiner Umwelt zu verlangen, sprich der Arbeitskollegin. Es ist generell schwierig, Rücksichtnahme zu erwarten für Dinge, die man bestens kaschiert. Das geht ohnehin nur eine Weile leidlich gut und kostet sehr viel Kraft, die anderweitig gebraucht wird. Irgendwann sind die Einschränkungen unübersehbar.
 
Das ist alles noch sehr frisch und die Auswirkungen auf die Psyche normal und nicht zu unterschätzen.
Doch du kannst sehr viel mehr als nur am Handy sitzen. Es braucht Zeit; versuche liebevoll mit dir selbst zu sein und hole psychologische Unterstützung ins Boot.

Gib dir Zeit und suche dir Hilfe, um deine gesundheitliche Situation und Einschränkung zu verarbeiten. Das wird schon.

Ich habe MS. Mit Einschränkungen. Im Rollstuhl sitze ich nicht, aber das könnte tatsächlich irgendwann kommen. Ich kann zig Dinge nicht mehr, die ich extrem gerne gemacht habe.
Aber für jedes Ding, was ich nicht mehr kann, kann ich 10 andere immer noch. Und im Gegensatz zum Sofa kann ich dann im Rollstuhl immer noch ins Kino, zum Candlelight Dinner, in die Kneipe, ins Theater, ans Meer, mit der Seilbahn auf den Berg, zu einer Weinverkostung, spazieren fahren, zum Brunch, ins Museum, ins Konzert, die Sonne in der Natur auf- und untergehen sehen, Sternschnuppen schauen, mit einem Elektrodreirad fahren (ich hab eins, das Ding ist Burner!), eine hübsche Stadt anschauen, in den Park, Bogenschießen, Ukulele spielen, eine Schifffahrt machen, Bilder malen und zig Dinge mehr. Ich kann sogar neue Leidenschaften entdecken, auf die ich vorher nicht gekommen wäre.

Es ist dann anders, ja. Aber anders ist nur anders, nicht automatisch schlechter. Prioritäten werden sich verschieben, Einstellungen ändern, der Blick ein anderer.

Gib dir Zeit.

Wie sieht eigentlich deine häusliche Umgebung aus? Ist die halbwegs barrierefrei, so dass du auch mit entsprechenden Hilfsmitteln aus dem Haus kämst? Hast du entsprechende Hilfe zu Hause, einen Pflegegrad, sonstige Hilfen?

Nein, du musst keinen Rollstuhl benutzen, auch keinen Rollator. Alternativ sitzt du halt die ganze Zeit auf deinem Sofa und guckst dir die Welt von draussen an, statt mittendrin zu sein. Du grenzt dich selbst damit aus, aber das ist dein gutes Recht. Genau so, wie ein Demenzkranker das Recht zu Verwahrlosung hat.

Willst du das wirklich? Auf dem Sofa verkümmern deine Muskeln und Fähigkeiten noch schneller als im Rollstuhl. Davon kannst du ausgehen. Ja, du möchtest nicht als schwerbehindert wahrgenommen werden. Aber in der Wohnung nimmt man dich halt gar nicht mehr wahr, egal wie. Das Leben ist draussen, vor deiner Haustür - da spielt die Musik. Die große Frage bleibt, ob du daran teilnehmen möchtest oder nicht.

@Sonate
Ich hatte es nicht so aufgenommen, dass man @Träumchen95 einen Rollstuhl aufschwatzen möchte.
Meine Intention war z.B ein Aufzeigen von Möglichkeiten, um das Leben wieder schöner gestalten zu können.

Ich habe mehrere Gründe, wieso ich keinen Rollstuhl möchte.

1. Es wird natürlich immer gesagt, dass es total egal ist, ob man im Rollstuhl sitzt oder nicht. Das stimmt aber so nicht. Wenn das so wäre, dann würde es keine Diskriminierung geben.

2. Ich kann damit das Haus alleine gar nicht mehr verlassen, weil ich immer jemanden brauche, der mir den Rollstuhl vor die Tür stellt. Ich habe keinen Fahrstuhl und krabbel aktuell komplett würdelos die Treppen rauf und runter, wenn ich alleine rausgehe.

3. Ich kann nicht nach oben oder nach unten gucken. Wenn ich also im Rollstuhl sitze, dann ist das mein Blickwinkel. Ich sehe dann nur noch Beine und Hinterteile. Wenn sich jemand mit mir unterhalten will, dann muss er sich runter bücken oder ich rede mit dem Hintern. Und generell sehe ich dann ja gar nichts mehr in der Höhe, wie wenn man steht.

4. Ich bekomme aktuell unter anderem Panikattacke, wenn ich aus körperlichen Gründen Situationen nicht bewältigen kann. Das heißt, wenn ich irgendwo mit dem Rollstuhl nicht weiter komme, weil ich am Bordstein hänge oder der Bürgersteig zu eng ist = Panikattacke.

Das würde mein Leben nicht besser machen und meine Lebensqualität nicht steigern. Die Krücken sind auch nicht die perfekte Lösung, aber annehmbar.

Es ist ja nicht so, dass ich nicht versucht hätte neue Hobbys zu finden. Ich habe es versucht und nichts gefunden, was mir Spaß macht. Ich habe zum Beispiel alles rund um malen, basteln, Stricken, puzzeln usw. versucht. Es hat keinen Spaß gemacht und ist auch schwierig, wenn man nicht am Tisch sitzen kann und auf den Tisch guckt. Ich muss mir eigentlich immer alles ins Sichtfeld halten, wenn mein Kopf gerade ist.

Ich stehe wie gesagt auf Wartelisten bei Psychologen. Die haben mir aber alle schon gesagt, dass die Wartezeit bis zu einem Jahr ist.
 
Wie sieht eigentlich deine häusliche Umgebung aus? Ist die halbwegs barrierefrei, so dass du auch mit entsprechenden Hilfsmitteln aus dem Haus kämst? Hast du entsprechende Hilfe zu Hause, einen Pflegegrad, sonstige Hilfen?
Die TE besucht Rockkonzerte und ist auch sonst gerne unterwegs. Steht in den anderen Fäden.
Es geht hier nicht um einen Versorgungsfall.
 

Anzeige (6)

Ähnliche Themen

Anzeige (6)

Anzeige(8)

Regeln Hilfe Benutzer

Du bist keinem Raum beigetreten.

      Du bist keinem Raum beigetreten.

      Anzeige (2)

      Oben