Es hat sich leider nicht gut entwickelt.
Meine Kollegin, die auch Leitungsfunktion hat, fällt unfallbedingt bis Ende Jahr aus. Wir sind also die letzte Woche zu viert gewesen. Da ich ihn deswegen nicht eins zu eins betreuen kann, war ich gezwungen, ihm zeitweise Aufgaben zu geben, die er schon beherrscht. Damit war er nicht einverstanden weil er neues lernen möchte. Ich habe ihm erklärt, dass ich verstehe, dass er neues lernen möchte, dass wir aber halt einfach Deadlines vor den Festtagen haben.
Am Samstag hat er mir ständig geschrieben und mich angerufen weil irgendwas mit seinem Auto war, und dass er das der Versicherung melden muss. Da ich selber kein Auto habe und an einer Familienfeier war, habe ich ihm geschrieben, dass ich da leider nicht helfen kann. Er hat dann die verletzte Kollegin kontaktiert, welche am Sonntag zu ihm gefahren ist. Irgendwie ist das dann nicht bei dem Versicherungsding geblieben, er hat sie um Hilfe bei seinem ganzen Papierkram gebeten.
Er sollte heute und morgen arbeiten, und hat gestern mir geschrieben, dass er die Arbeitstage diese Woche evtl. wegen eines familiären Notfalls verschieben müsse. Ich habe ihn angerufen und gebeten, das abzuklären und mir bis am Abend definitiv Bescheid zu geben. Als ich um 18:00 immer noch nichts gehört hatte, habe ich ihn angerufen. Er meinte nur knapp angebunden, er habe mit der anderen (krankgeschrieben) Leiterin telefoniert und müsse mir nichts mehr erklären und hat aufgelegt. Also habe ich sie gefragt, und sie hat mir bestätigt, dass er angerufen hat, dass sie ihn aber direkt an mich verwiesen habe.
Da er definitiv heute nicht arbeiten kommen konnte, habe ich ihm noch eine Nachricht gemacht, dass ich hoffe, dass sich der familiäre Notfall gut auflöst, aber dass ich froh wäre, wenn er sich für den weiteren Verlauf der Woche gemäss Abmachung an mich wendet und nicht an die krankgeschriebene andere Leiterin.
Heute morgen wache ich zu einer Nachricht von seiner Nummer auf meiner Combox auf. Er bezichtigt mich darin, mich ständig als Chefin aufzuspielen, dass ich ihm eigentlich gar nichts zu sagen habe da er de facto länger in der Firma ist, dass ich nur Unruhe und Chaos im Team stiften würde und nicht kapieren würde, dass mich niemand ausstehen könne. Er gäbe als Tipp dass ich von meinem hohen Ross herunterkommen soll und die anderen einfach in Ruhe und Frieden arbeiten lassen soll, würde ich nicht herumstänkern mit Deadlines wären alle viel glücklicher. Am liebsten wäre ihm, wenn ich alle einfach ihr Ding durchziehen liesse und so arbeiten liesse, wie es jeden jeweils gerade richtig dünkt, dann wären alle viel zufriedener.
Da wir seit letzter Woche wieder eine klar definierte HR-Ansprechperson haben, habe ich dies dort gemeldet. Die wünscht jetzt noch ein weiteres Gespräch zu dritt mit dem Kollegen, ihr und mir.
Ich habe ihm direkt nichts zurückgemeldet zu der Combox Nachricht, das hat mir meine Therapeutin so empfohlen. Wenn die Reaktion aufgrund seiner Borderline kommt, würde eine Reaktion die Entwertungsspirale in seinem Kopf anfeuern. Für mich innerlich ist die Situation tortur, da ich aufgrund meiner eigenen Traumata sehr empfindlich auf Anfeindungen reagiere…