Hey, ich habe mir eben das Thema durchgelesen und ich stecke in einer ähnlichen Situation. Ich habe auch dauernd Angst etwas falsch zu machen, ich bin eine sehr vorsichtige und empfindliche Person und das finde ich gut, ähnlich wie du. Weil es mich vor Dingen beschützt, die ich falsch machen könnte.
Andererseits löst es so viel Angst aus.
Auch ich habe beim Autofahren Angst, ich bin Fahranfänger und ich denke jedesmal, alle anderen haben so viel Erfahrung und ich weiß nicht mal, ob ich Rechts-vor-Links überhaupt drauf habe, ob ich alleine Autofahren kann,... an Autobahn will ich nicht einmal denken. Ständig denke ich "welche Geschwindigkeit ist hier?" "regt sich jemand auf, dass ich zu langsam fahre?" und doch weiß ich, ich will vorsichtig und nach Regeln fahren.
Ich habe entschiedene Meinungen zu vielen Dingen, zum Beispiel auch zum Alkohol. Ich will nie rauchen probieren und Alkohol will ich auch nicht berühren. Und das finde ich auch goldrichtig so, weil dieses Zeug für mich keinen Sinn ergibt.
Mein eigentliches Problem liegt darin, dass Gefühl zu haben, dass ich andere von mir enttäuscht habe.
Auf Arbeit habe ich ständig Angst, und desto mehr Angst ich habe, desto blöder stelle ich mich an.
Ich kann nicht mit Verantwortung umgehen. Vielleicht ist es auch ein Teilproblem deinerseits?
Ich kann einfach nicht Verantwortung tragen für Dinge, für die ich belangt werden kann. Ich kriege da wirklich Bauchschmerzen von, teilweise liege ich abens im Bett und grübel über tausend Situationen, in denen ich etwas blödes gesagt habe oder unlogisch reagiert hab.
Als ich das erste Mal alleine die Arbeit verlassen musste, hatte ich eine richtige Angst, alleine den Laden dicht zu machen, abzuschließen, den Alarm einzuschalten,... Und dann habe ich wirklich etwas vergessen: Die Tür abzuschließen.
Das ist so furchtbar paradox, und für Außenstehende doch überhaupt nicht nachzuvollziehbar. Mein Chef meinte, sowas darf mal passieren wenn man Betriebsblind geworden ist, aber doch nicht beim ersten Mal, wenn man sowieso an alles denken muss.
Und eigentlich bin ich ganz seiner Meinung, nur durch meine Panikmacherei kam es dann genau zu einem solch dummen Fehler.
Ich lag den ganzen Abend wach und habe gegrübelt, ob ich alles richtig gemacht habe, als ich das Büro verließ. Ich kam gar nicht in den Schlaf, weil ich ein schlechtes Gefühl hatte. Und ein ganzes Ende bevor mein Wecker klingelte bin ich aufgewacht und wusste sofort: "S****, ich hab die Tür ja gar nicht abgeschlossen"...
Gott Sei Dank fährt meine eine Freundin jeden Tag zur Schule, sodass ich mit ihr früher auf Arbeit sein konnte. Da ich allerdings eine komplett schlechte Lügnerin bin und mein Selbstzweifel sowieso schon so tief saß, musste ich meinem Chef die Wahrheit sagen, als er ohnehin gesehen hat wie ich ohne die Tür aufzuschließen ins Büro bin. (Er kam gerade per Fahrrad).
Und dann eben wie immer: Ich hab mich gefühlt wie der größte Trottel den man sofort aufm Mond schießen sollte.
Das schlimme ist, dass das nur eine von unzähligen Situationen ist, die mit mir einhergehen.
Ich weiß welche Dinge ich gut kann, und ich bin sehr selbstbewusst wenn es darum geht, meine Meinungsansichten zu verteidigen. Unter Freunden bin ich ein lebensfroher Mensch und ganz oft glücklich.
Aber wehe mir gibt jemand eine Verantwortung. Dann wird mir ganz schlecht... Ich will dann einfach alles richtig machen, und niemanden enttäuschen, aber genau diese Gedanken machen mich kaputt. Und gerade ich arbeite in der Fernsehbranche, mit Kollegen die vor Selbstbewusstsein nur so um sich schmeißen und mit Impulsen auf Arbeit kommen, die mich sofort umhauen. Ich finde meine Arbeit toll, das weiß ich auch. Aber sie passt irgendwie nicht mit meiner Persönlichkeit, weil ich eigentlich ein ganz graues Mauerblümchen bin was irgendwo eine ganz simple Tätigkeit verrichten sollte, wo man kaum etwas falsch machen kann. Aber selbst da würden mich die Selbstzweifel plagen schätz ich.
Jetzt habe ich nur über mich geredet... Aber vielleicht geht es dir ja ähnlich wie mir?
Also ich weiß, dass es mir hilft über die Dinge zu reden, und mich mit Menschen anzufreunden die genauso empfinden wie ich.
Ich brauche das Gefühl nicht die einzige zu sein, die Probleme mit den simpelsten Dingen der Welt hat. Mit Freunden geht einfach vieles leichter, und mit viel Ablenkung und einem guten Privatleben vergisst man die alltäglichen Sorgen schnell. Und eine schöne Beziehung kann auch sehr viel selbstbewusster machen. Manchmal müssen einem gewisse Dinge einfach egal werden. Wenn ich mich auf Dinge freuen kann, hilft es mir die Fehler die ich mache schneller hinter mir zu lassen.
Gerade in diesem Moment habe ich auch ein nervöses und unsicheres Empfinden im Bauch: Ich sollte über meine Berufschulwoche einen Termin mit einem Bürgermeister zum Interview machen. Das habe ich auch versucht, aber der Bürgermeister hat nicht geantwortet. Klar - es ist nicht direkt meine Schuld, aber ich habe auch den Mittwoch vergessen, nochmal beim Amt anzurufen und zu fragen, ob meine 'Anfrage' bearbeitet wird. Sprich ich habe einen Tag verstreichen lassen ohne mich um zu kümmern, und somit die Chance verringert einen Termin zu bekommen. Nun mach ich mir selber schon wieder so viele Zweifel, weil ich meinen Kollegen nach dem Wochenende sagen muss, dass ich noch keinen Termin hab. Dabei hatte ich eine Woche Zeit dafür.
Die meisten würden sich nicht einmal ansatzweise damit beschäftigen, die meisten denken doch "Der hat sich nicht gemeldet, da kann ich doch nichts für" und würden das so abtun. Ich aber habe ein ganz blödes Gefühl im Bauch, dass ich richtig traurig und ängstlich werde. Vorallem weil meine Kollegen so... selbstsicher und 'stark' sind.
Ach, es gibt unzählige Dinge die ich noch dazu schreiben kann, und ich weiß auch ganz genau, dass ich durch meine Kindheitserfahrungen so geworden bin.
Am liebsten würde ich mich in einem Disney-Film verstecken. Wo alle Menschen ein ganz simples Leben führen und es nur um Gefühle und Emotionen geht.
Ich brauche keine knallharten Fakten oder Tätigkeiten im Leben. In der Realität ist alles so hart, eckig und spitz. Ich brauche aber überall Watte und Rundungen um mich wohl zu fühlen, eine Welt in der man sich nirgendwo stoßen kann.
Nur so ein Leben gibt es ja dummerweise nicht.
Mir würde es auch einfach nur reichen, wenn ich mein Leben auf die Dinge beschränken könnte, die ich wirklich gut kann. Aber um dahin zu kommen, muss man eben erst einmal Dinge draufhaben und lernen. Und in dieser Phase bin ich gerade :/
Augen zu und durch schätze ich, und versuchen sich nicht bei jeder Kritik fertig zu machen.
Lustig dabei ist, dass alle immer denken, man reagiert aggressiv und intolerant bei Kritik.
Ich denke immer: "Ja, ich bin schuld. Ich geb es zu, gib mir die Strafe".
... Ich weiß auch dass alle von mir denken, ich bin ein kleines naives kindliches dummes Mädchen was in einem (ich zitiere) Prinzessinenturm lebt. Aber so stimmt das nicht. Ich habe Selbstbewusstsein, eine gesunde Meinung und die Stärke mich sehr wohl hervorzuheben aus der Masse.
Nur alles auf einer ganz anderen Wellenlänge als alle anderen. Ich definiere mich nicht über Banalitäten, die andere Menschen als lebenswichtig einstufen. Und von diesen Dingen verstehe ich auch nichts.
Aber genau diese Dinge werden von mir gefordert. Und da habe ich einfach keine Chance gegen anzukommen.
Deshalb meine Selbstzweifel und die ständige Angst vor Fehlern.
In meiner Welt hingegen bin ich dann der "Star", weil ich von so vielen Menschen eine schlechte Meinung habe, weil ich selbst ein intoleranter Mensch bin und an viele Dinge so entschlossen festhalte.
War der Text unpassend zu diesem Thema? *selbstzweifel* aber vielleicht hilft es ja, sich an der Qual eines anderen sich seiner eigenen sicherer zu sein. ^^