Anzeige(1)

  • Liebe Forenteilnehmer,

    Im Sinne einer respektvollen Forenkultur, werden die Moderatoren künftig noch stärker darauf achten, dass ein freundlicher Umgangston untereinander eingehalten wird. Unpassende Off-Topic Beiträge, Verunglimpfungen oder subtile bzw. direkte Provokationen und Unterstellungen oder abwertende Aussagen gegenüber Nutzern haben hier keinen Platz und werden nicht toleriert.

10jährige Tochter depressiv? Was tun?

  • Starter*in Starter*in Sabine481
  • Datum Start Datum Start
Auch bei mir fingen die Depressionen, gepaart mit Angstzuständen, ungefähr in diesem Alter an - ich war damals schwerkrank gewesen und dem Tod näher als dem Leben.
Nachdem ich wieder gesund war, dachten alle, es sei nun wieder gut, aber dem war nicht so: Die massiven Angstzustände und Depressionen begleiteten mich Jahrzehnte.
Daher meine eindringliche Bitte, deinen Gedanken, TE, deiner Tochter therapeutische Hilfe zuteil werden zu lassen auch über einen längeren Zeitraum hinweg, unbedingt zu realisieren, damit ihr nicht das Gleiche geschieht wie mir damals.
 
Vergleichen ihre Freund noten oder gibt es dort einen gewissen Wettbewerb?

Manchmal ist es gerade für sehr intelligente Kinder belastend, dass alle annehmen, dass sie alles erreichen können. Sie selbst haben aber gar nicht das Gefühl, dass es so ist und finden es dennoch harte Arbeit, auch wenn nach außen aussieht als würden sie kaum lernen. Nachdem sie ja alles erreichen können, ist für sie selbst jedes Versagen ausgeschlossen, jeder Zweier eine Niederlage, übertrieben formuliert. Wer kann, der muss auch. Sonst wäre ja die Intelligenz verschwendet sozusagen. Außerdem ist es einfach eine unnatürlich Situation, dass man permanent von anderen beurteilt wird, wie es in der Schule gemacht wird. Dabei ist es egal, ob das nun Noten, Smileys oder Kommentare sind. Wenn man in der Arbeit in jeder Stunde permanent abgefragt würde, Hausübungen machen müsste, die alle kontrolliert und mit Rotstift bearbeitet werden, vor den Kollegen sein Wissen beweisen müsste und jeder in der Arbeit am laufenden Band mitbekommen würde, welche Note man nun für dies oder jenes bekommen hat, dann wäre man auch ziemlich bald sehr gestresst.

Ja, sie hat tatsächlich eine Freundin, die immer damit prahlt, wenn diese in einer Klausur besser ist ("Ich bin Klassenbeste!"), und wiederum unserer Tochter sagt, wenn diese die bessere Note hat und sich kurz über die Note freut, sie solle nicht so angeben!
Mit der dauernden Benotung gebe ich dir absolut Recht! Wie schrecklich wäre es, wenn man sich jeden Tag, jede Stunde auf der Arbeit beweisen müsste?! So habe ich es noch nie gesehen, aber der Vergleich trifft es sehr gut! Und ja, unsere Tochter hat einen Hang zum Perfektionismus und erwartet ständig von sich selbst Höchleistung. Vielleicht ist es ja tatsächlich so, dass sie davon ausgeht, dass alle anderen das auch von ihr erwarten? Vielleicht müssen wir ihr noch eindringlicher vermitteln, dass Noten nicht alles sind im Leben. Wir haben zwar schon oft mir ihr darüber gesprochen. Sie sagt dann auch immer, dass sie das weiß, aber vielleicht ist es doch noch nicht bei ihr angekommen...
Den Wunsch Tierärztin zu werden, hat sie, glaube ich, das erste Mal im Kindergarten geäußert, aber da hat ja jedes Kind irgendwelche Berufswünsche, die man noch nicht so ernst nimmt.

Die zwei Gespräche mit dem Kinderpsychologen, die sie bislang hatte, fand sie gut. Mein Mann und ich hatten vor ihren Terminen ein Elterngespräch mit dem Psychologen, in dem es darum ging, warum wir uns an ihn gewandt haben. Außerdem mussten wir einen ziemlich umfangreichen Fragebogen ausfüllen.
 
Mir, als alte Tante, die mehrere Kinder hat aufwachsen sehen oder immer noch sieht, ist schon öfter aufgefallen, dass die Kinder und Jugendliche heutzutage, besonders, wenn sie auch anlangebedingt sehr sensibel sind, sich häufig viele Sorgen machen, was die Zukunft betrifft.

Die Kinder bekommen, zuweilen auch unbewusst, sehr gut mit, dass unsere heutige Gesellschaft sehr leistungsorientiert und erfolgsorientiert ist, und dass Erfolge auch schnell wieder zur Niederlage werden können, dass Arbeitsplätze oft nicht sicher sind, dass einmal gelerntes nicht ausreicht, um dauerhaft im Berufsleben zu bestehen und so weiter.

Außerdem leben sie ja permanent mit einer bedrohten existenziellen Zukunft. Klimaveränderung, Zerstörung der Natur usw. Zu guter letzt dann auch noch Corona.

In den Medien werden wir ständig mit Kathastrophenmeldungen bombardiert, schon im Kindergarten wird alles daran gesetzt, die Kinder frühstmöglich in allen Bereichen zu fördern, es gibt tausend Angebote, ihre Entwicklung wird dokumentiert und beurteilt usw.

In der Freizeit sind Kinder selten mal sich selbst überlassen, so wie früher, als man sich den ganzen nachmittag draußen zum Spielen traf, gemeinsam Abenteuer erlebte, ohne, dass dass ein Erwachsener alles ständig kommentierte oder beurteilte.

Also ich möchte heutzutage kein Kind sein.
 
Ich kann als Beispiel mein Patenkind nennen, welches inzwischen 14 ist. Bis vor kurzem hatte er Angst, erwachsen zu werden. Die Begründung war, er müsse dann ja selbst alles entscheiden und hat Angst, falsche Entscheidungen zu treffen.

Sich falsch zu verhalten, schien immer ein großes Problem für ihn zu sein. Außerdem hatte er auch schon sehr früh den Zusammenhang zwischen schulischem und beruflichen Erfolg gesehen. Sich selbst zu vertrauen schien ihn fast unmöglich. Sehr oft musste er sich vergewissern, dass er eine Aufgabe wirklich richtig gemacht hatte.

Außerdem hat er Angst vor Krankheiten, was aber auch mit einer wirklichen sehr unangenehmen Krankheitserfahrung zu tun hat.

Wenn man seine Mutter fragt, macht sie ihm keinen Druck und er darf durchaus mal was falsch machen usw. Ich habe aber oft erlebt, dass das nicht stimmt, sie ist sich dessen nur nicht bewusst.

Sie neigt wirklich dazu, alles zu kommentieren, alles zu beurteilen, zu zeigen, wie man etwas noch besser machen kann usw. Sie war ständig hilfreich bei seinen Hausaufgaben als er noch jünger war, hat neben ihm gesessen, ihn kontrolliert, ihm meiner Meinung nach wenig Raum gelassen, selbst etwas zu erarbeiten, auch wenn es möglicherweise nicht richtig sein könnte.
 
Mir, als alte Tante, die mehrere Kinder hat aufwachsen sehen oder immer noch sieht, ist schon öfter aufgefallen, dass die Kinder und Jugendliche heutzutage, besonders, wenn sie auch anlangebedingt sehr sensibel sind, sich häufig viele Sorgen machen, was die Zukunft betrifft.

(...)

In der Freizeit sind Kinder selten mal sich selbst überlassen, so wie früher, als man sich den ganzen nachmittag draußen zum Spielen traf, gemeinsam Abenteuer erlebte, ohne, dass dass ein Erwachsener alles ständig kommentierte oder beurteilte.

Also ich möchte heutzutage kein Kind sein.

So sieht es aus. Ich beobachte das als Vater fast täglich.

Als ehemaliger Nachhilfelehrer und Akademiker aus einfacherem Elternhaus kann ich es ebenfalls bestätigen und sehe, dass es mit der "Chancengleichheit" völlig ins Absurde getrieben wurde:
Heute ist es einfacher - körperlich und von der geistigen Flexibilität her - sein Abi zu machen und zu studieren, als mit einem Haupt- oder Realschulabschluss abzugehen und ein Handwerk zu erlernen.
Praktisch-handwerkliche Potenziale bleiben unterentwickelt. Die baut man am besten mit 15-25 aus.

Und wenn man 300k über die Lebenszeit mehr verdient - wen juckt das? Ich würde mein heutiges, sogar höheres Vermögen gegen einen bodenständigen Beruf mit 30 Jahren Erfahrung und ausgeglichenem Leben eintauschen.

Ich bin selbst sehr sensibel und habe extrem unter meiner tollen "Akademikerlaufbahn" gelitten. Ich sehe es bei zig anderen und bin in einer Selbsthilfegruppe, in der allein drei abgebrochene Doktoren sind, die lange vor sich hinvegetierten. DAS ist die Realität.

Ich kenne daneben zwei Doktoren der Chemie, die heute beide in völlig anderen Berufen arbeiten. Einen weiteren Chemiker mit Diplom, der jetzt Tischler ist und nur bereut, dass er den Weg nicht früher eingeschlagen ist. Unter uns wohnt ein studierter Mensch, der bei der DHL Pakete zustellt. Das sind KEINE Einzelfälle. Wozu soll man sich das antun?

Die meisten unglücklichen Akademiker sind den vermeintlich besseren Weg gegangen, weil sie meinten, eingeimpften oder selbstgezüchteten Idealvorstellungen von Gehalt oder gesellschaftlicher Stellung zu entsprechen.

Und sowas darf man bei Kindern nicht fördern! Kinder sollen allem anderen voran Kinder sein dürfen!


LG
Wolf
 
Wenn man seine Mutter fragt, macht sie ihm keinen Druck und er darf durchaus mal was falsch machen usw. Ich habe aber oft erlebt, dass das nicht stimmt, sie ist sich dessen nur nicht bewusst.

Sie neigt wirklich dazu, alles zu kommentieren, alles zu beurteilen, zu zeigen, wie man etwas noch besser machen kann usw. Sie war ständig hilfreich bei seinen Hausaufgaben als er noch jünger war, hat neben ihm gesessen, ihn kontrolliert, ihm meiner Meinung nach wenig Raum gelassen, selbst etwas zu erarbeiten, auch wenn es möglicherweise nicht richtig sein könnte.

Meine Frau ist auch so. Das führt zu guten Noten, aber nicht zu mehr Selbstsicherheit.

Zum Glück gibt es ja noch mich 🙂
 
Manchmal ist es gerade für sehr intelligente Kinder belastend, dass alle annehmen, dass sie alles erreichen können.
(...)
Auch mit schlechten Noten kann sie Tierärztin werden. In anderen deutschsprachigen Ländern zum Beispiel.

Warum sollte man davon ausgehen, dass sie später noch Tierärztin werden will? Vielleicht wird sie Vollzeit-Punkrockerin und führt ein tolles Leben.

Kinder stellen sich eine Tierärztin so vor, wie sie in Connybüchern dargestellt ist. Die sehen dann nicht, was alles dazugehört, wie sich das anfühlt und wie sich andere Berufe anfühlen könnten. Irgendwann wird es zum Selbstläufer, befeuert von den Eltern.

Das zieht sich dann durch, bis nach der Pubertät.... Die "Ärzte" dazu:

"Junge
Brich deiner Mutter nicht das Herz
Es ist noch nicht zu spät
Dich an der Uni einzuschreiben
Du hast dich doch früher so für Tiere interessiert
Wäre das nichts für dich?
Eine eigene Praxis
Junge"


Was mit den Kindheitsidealen passiert, entscheidet das Kind später selbst.

Nur weil jemand intelligent ist, muss er nicht Akademiker werden. Und es ist daher auch kontraproduktiv, Menschen nach ihrer Intelligenz zu bewerten. Daher: sowenig wie möglich reinreden.
 
Zuletzt bearbeitet:
Als Schüler steht man heute so sehr in einem Goldregen aus Einsen und Zweien, dass die Frage nahe liegt, was denn aus einem wird, wenn die Zeit kommt, in der man ehrlich und hart etwas leisten muss.

Ich will der Tochter überhaupt nichts unterstellen, aber diesen Gedanken habe ich als ältere Schülerin jeden Tag.
 
Als Schüler steht man heute so sehr in einem Goldregen aus Einsen und Zweien, dass die Frage nahe liegt, was denn aus einem wird, wenn die Zeit kommt, in der man ehrlich und hart etwas leisten muss.

Ich will der Tochter überhaupt nichts unterstellen, aber diesen Gedanken habe ich als ältere Schülerin jeden Tag.

Ja, denn:

Lehrer stehen in einem Shitstorm von Eltern und deren Rechtsanwälten, sobald sie nicht "leisten" - d.h. Wissen Mind-gerecht 🙂 in perfekten Häppchen leichtverständlich "einlöffeln" und Einsen und Zweien verteilen.

Früher rief der Lehrer an und es gab einen Einlauf fürs Kind. Heute rufen Eltern die Lehrer an und die Lehrer kriegen den Einlauf und müssen um ihre Stelle bangen oder Steckung in mehreren Bereichen befürchten. Da sie nicht mehr verbeamtet sind, droht der Rauswurf.

Sag ich als Partner und Expartner von Lehrerinnen. Ich will nicht sagen, dass es früher besser war, aber auch hier ist eine Tendenz ins absurde Gegenteil zu sehen, wie oben bei den Bildungs(weg)idealen.
 

Anzeige (6)

Ähnliche Themen

Anzeige (6)

Anzeige(8)

Regeln Hilfe Benutzer

Du bist keinem Raum beigetreten.

      Du bist keinem Raum beigetreten.

      Anzeige (2)

      Oben