Deine Texte über deine Mutter finde ich sehr gut und passend.
Zum Glück kannst du dich jetzt besser von ihr abgrenzen und willst ihr nicht mehr so viel recht machen.
Mir half es auch sehr weiter meine extrem narzisstische Mutter zu analysieren und ihr Verhalten nicht mehr so ernst zu nehmen.....
Thema Unpünktlichkeit
Ständige Unpünktlichkeit hat viel mit einem fehlenden Zeitgefühl und einem inneren Chaos zu tun.
Unpünktlichkeit wird häufig von einer
inneren Abwehr gegen Menschen begleitet .
Sie ist oft ein unbewusster Schutzmechanismus. Es handelt sich meistens nicht um böse Absicht, ein Machtspiel oder reines Missmanagement, sondern um eine tiefere psychologische Reaktion, um sich vor Überforderung, Kontrollverlust oder Verletzungen zu schützen.
Hier sind die wichtigsten psychologischen Gründe für dieses Verhalten, aufgeteilt in die innere Abwehr und tiefere emotionale Ursachen:
Die innere Abwehr vor Menschen
- Schutz vor sozialer Überforderung (Social Anxiety / Introversion): Die Vorstellung, auf Menschen zu treffen, erzeugt unbewussten Stress. Das Zuspätkommen verkürzt die Zeit, die man in der sozialen Situation verbringen muss.
- Vermeidung von Smalltalk und Wartezeiten: Wer zu früh oder pünktlich ist, muss oft ungeschützte Zeit mit anderen verbringen (z. B. peinlichen Smalltalk führen). Spätkommen überspringt diese Phase.
- Unbewusster Protest und Autonomie: Wenn man das Gefühl hat, sich ständig den Erwartungen anderer anpassen zu müssen, ist Unpünktlichkeit ein (passiver) Weg, die eigene Freiheit und Kontrolle zurückzuholen. Man bestimmt selbst, wann man erscheint.
Tiefere emotionale und psychologische Ursachen
- Passiv-aggressives Verhalten: Wenn es schwerfällt, "Nein" zu sagen oder Grenzen direkt zu setzen, zeigt sich die Abwehr unbewusst durch das Zuspätkommen. Es ist ein stilles Signal von: "Eigentlich will ich gar nicht hier sein." [1]
- Angst vor Ablehnung oder Bewertung: Wer Angst hat, nicht gut genug zu sein, schiebt die Situation so lange wie möglich auf. Die Zeit vor dem Treffen wird durch Trödeln blockiert, um sich den Gefühlen nicht stellen zu müssen.
- Chronische Überforderung (Burnout / Depression): Manchmal fehlt schlicht die psychische Energie, um den Alltag zu strukturieren. Jeder Schritt (Anziehen, Losgehen) kostet enorme Überwindung, besonders wenn eine Abwehr gegen die Außenwelt besteht.
Danke für deinen Beitrag.
Das zu spät kommen meiner Mutter kenne ich seit Kindertagen. Ich habe erst neulich darüber nachgedacht.
Meine Mutter war üblicherweise am Wochenende zum Mittagessen bei meinen Großeltern eingeladen und meine Oma hatte klassisch um
13 Uhr das Essen auf dem Tisch.
Meine Mutter jammerte erstmal, dass ihr 13 Uhr zu früh sei, sagte aber nicht nein. Dann geschah was du so passend als passiv aggressives Verhalten beschreibst. Sie sagte nicht nein, aber kam halt viel zu spät und zwar als Salamitaktik. Erst kam sie um 13:30 Uhr, dann über Jahre zog es sich dass sie erst um
16 Uhr kam.
Mit zunehmendem Alter legte sich meine Oma meistens gegen 15 Uhr zu einem Mittagsschläfchen ins Bett und wenn dann meine Mutter kam, hatte ich die A-Karte mich erstmal um sie zu kümmern.
Über die Zeit realisierte ich immer mehr, dass meine Mutter keine Grenzen akzeptiert. Und wenn sie Grenzen zustimmt, dann hintergeht sie diese später um ihren Willen zu kriegen.
Nach dem Tod meiner Großmutter, telefonierten meine Mutter und ich 2 mal die Woche und sie kam jeden Samstag zu Besuch. Vielfach habe ich betont, dass ich
nicht mehr will. Aber auch hier wieder Salamitaktik: Sie rief mit dem Vorwand vermeintlicher Notfälle zwischendurch an, auch während ich auf der Arbeit war. Die Notfälle waren: Ein Brief vom Sozialamt (den sie nicht 1 Tag später mit mir besprechen konnte...), Probleme mit technischen Geräten oder andere Ausreden.
Irgendwann telefonierten wir alle zwei Tage mehrere Stunden miteinander, obwohl ich das nicht wollte. Dann forderte sie tägliche Telefonate, angeblich "nur kurz damit ich weiß dass alles ok ist" und machte emotionalen Druck als ich nein sagte. Sie könne "tot auf dem Küchenboden liegen und niemand würde es merken". Sie wollte damals auch unbedingt bei mir einziehen, was sie immer und immer wieder erwähnte.
Viele werden sagen: Sag doch nein. Das habe ich auch immer wieder, aber auf ein nein von mir folgten endlose Diskussionen von ihr. Emotionaler Druck, Suiziddrohungen, Schuldzuweisungen etc. Vor allem rollte meine Mutter aber auch immer wieder die Vergangenheit auf, gab meiner Großmutter die Schuld für alles und wurde verletzend mir und anderen Verwandten gegenüber (im Grunde hasst sie ja alle).
Und lange Zeit fühlte ich mich in der Defensive, verteidigte dann meine Oma oder mich, nahm die Diskussion auf und sprach Stunden mit meiner Mutter. Natürlich ohne Ergebnis, zumal meine Mutter Dinge verdreht oder "vergisst". Ich habe nicht vergessen, dass meine Mutter mich bezichtigte sie beim Erbe betrogen zu haben. Sie leugnet das aber heute.
Es dauerte bis ich begriff: Reden, Grenzen und Argumente machen keinen Sinn.
Nur faktisches Handeln hilft. Nicht anrufe, nicht ans Telefon gehen, und bei Gesprächen nach einer bestimmten Zeit freundlich verabschieden und auflegen. Nichts anderes funktioniert!
Ich kann nicht sagen "ich habe heute nur 30 Minuten Zeit". Denn nach 30 Minuten beginnt meine Mutter dann zu diskutieren warum. Sie versucht damit meinen Grund abzuwerten, um meine Grenze anschließend auszuhebeln, nach dem Motto "
Das kann doch warten, Ist dir das etwa wichtiger als deine Mutter?".
Ich habe früher nicht verstanden warum ich mich immer so angespannt und gestresst mit meiner Mutter gefühlt habe, heute weiß ich es. Ich war immer in der Defensive. Ich musste mich immer rechtfertigen. Jedes Gespräch war eine Schlacht und jede Schlacht verlor ich. Und jedes mal bereitete ich mich besser vor, suchte mir passende Argumente, versuchte besser zu kämpfen. Heute weiß ich: Ein Narzist lebt von der Schlacht, selbst ein Streit ist für ihn emotionale Aufmerksamkeit.
Wenn jemand um 13 Uhr eingeladen ist und um 16 Uhr vor der Tür steht, öffne ich nicht mehr! Und keine Diskussion warum. Wenn ich nach 30 Minuten Telefonat das Gespräch freundlich beende, lasse ich mich nicht mehr auf eine Diskussion ein "warum". Nichts anderes funktioniert.