Das du beleidigst wirst, finde ich auch nicht in Ordnung. Kritische Blicke auf die von dir erzählten Geschehnisse finde ich aber wichtig.
Er hat Freiheiten, trifft seine Freunde, geht seinen Hobbys nach und wir versuchen auch, Verständnis für ihn aufzubringen.
Freunde treffen und seinen Hobbys nachzugehen, ist in diesem Alter elementar wichtig. Es formt den Charakter, das soziale Miteinander und die emotionale Intelligenz. Verständnis euerseits sehe ich allerdings weniger.
Was ich allerdings nicht teilen kann, ist die Darstellung, dass mein Sohn völlig haltlos sei
Vielleicht kannst du nochmal in Ruhe nachdenken, was einem 13-15-Jährigen Halt geben kann. Meiner Meinung nach ist es das Zuhause, die Schule, der gewohnte Freundeskreis, das Haustier und eine zugewandte Mutter. Was ja vor der neuen Beziehung mit deinem Partner alles vorhanden war. Nun hast du Schwangerschaftsprobleme, der zugesagte Kurzurlaub musste ausfallen, wieder zu Lasten des Sohnes und alles hat sich geändert für ihn. Wo empfindest du da Halt für einen 15-Jährigen?
dass mein Verlobter ihn einfach grundlos körperlich angegangen hätte. Die Situation ist eskaliert und beide haben sich falsch verhalten.
Dein Verlobter hätte sich in beiden gewaltsamen Übergriffen zurück halten MÜSSEN. Er ist erwachsen, sollte seine Impulskontrolle im Griff haben und vom Kopf her anderes entscheiden. Oder willst du mir weiß machen, dass dein Verlobter sich vor dem Übergriff deines Sohnes schützen musste?
Ich bin mir sicher, dass dein Sohn sehr sehr wütend ist. Alles ist ihm genommen worden (Zuhause, Schule, Freunde, Kater), dann kommt noch ein Kerl daher, der sich als Ersatzvater aufspielt, du fällst ständig aus wegen der Schwangerschaft und ich denke, er weiß, dass du nicht mehr seine emotionale Zuflucht bist.
Das bedeutet aber nicht, dass ich jede Entscheidung, die wir getroffen haben, grundsätzlich für falsch halte.
Weißt du, Erwachsene treffen Entscheidung aus ihrer erwachsenen Sicht. Ich will dir das Gefühl für DICH auch nicht absprechen. Aber ich bin mir sicher, dass die Entscheidungen in erster Line zwischen dir und deinem Partner gefallen sind. Oder war der Sohn von Beginn an bei allen Entscheidungen zu einem Drittel beteiligt?
Ja, ich benutze „aber“ häufig, weil ich versuche, verschiedene Seiten einer Situation darzustellen. Für mich bedeutet das nicht automatisch, dass ich das, was davor gesagt wurde, wieder zurücknehme.
Das "aber" ist immer ein Totschlagargument und viele schalten dann automatisch ab im Hirn, "Aber"-Diskussionen sind sinnlos, siehe hier:
https://karrierebibel.de/ja-aber/
Dein Sohn sagt, ich fand es ungerecht, dass ich wegen einer 4 nicht zum Skaten darf. Du sagt, ja
aber du musste lernen, die Konsequenzen zu tragen. Was lernt dein Sohn daraus? Es hat keinen Sinn, mit dir zu reden.
Ich muss stärker darauf achten, ihm nicht nur zu erklären, warum Entscheidungen getroffen wurden, sondern auch mehr zuzuhören und seine Gefühle besser wahrnehmen.
Nein, du müsstest ihm erst einmal zuhören und seine Bedürfnisse in eure Entscheidungen einbeziehen. Die Erklärungen, warum über seinen Kopf hinweg entschieden wurde, kannst du dir sparen. Sie ändern ja nicht eure Entscheidungen.
Er hatte selbst gesagt, dass er nicht gelernt hatte, weil ihm Fortnite wichtiger war. Die Note war eine 4.
Meine Güte, er ist 15, mitten in der Pupertät. Natürlich will er mit Freunden zocken, am Handy hängen oder Skateboard fahren. Hast du in dem Alter nur gelernt, dich nie gegen deine Eltern aufgelehnt und warst das bravste Mädchen auf der Welt?
Sei froh, dass er nicht irgendein Mädel geschwängert hat, das sind alles Jungssachen, die aber auch für das geistige Reifen wichtig sind. Revolution gegen dich als Elternteil ist ebenso ein wichtiger Bestandteil des Erwachsenwerdens, des Abnabelns.
Was die Situation mit meinem Verlobten betrifft: Dass ein Erwachsener in einem Konflikt anders reagieren muss, ist klar und wurde auch angesprochen. Aber die Situation war nicht einseitig und begann nicht ohne Vorgeschichte.
Liebe Blauregen, solange du nicht verstehst, dass es ein himmelweiter Unterschied ist, ob ein Jugendlicher schubst oder ob ein erwachsener Mann sich daraufhin aufbaut und ihn an die Wand drückt. Das ist GEWALT! Es geht hier nicht um kleine Kinder in der Sandkiste, wo der eine schreit: Der hat aber angefangen.
Für mich hat dieses Schubsen deines Sohnes eher den Anschein, dass er sich in die Ecke gedrängt fühlte, sein pupertierendes Hirn keinen anderen Ausweg fand angesichts seiner gefühlten Ungerechtigkeit. Du solltest es in der Gesamtheit sehen: Verlust des Zuhause, andere Schule die er nicht wollte, Freunde weg, Kater weg, alles wegen eines Mannes, der sich vor ihm aufbäumt und Mama weg, die ihn nicht beschützt. Pure Verzweifelung sehe ich da bei deinem Sohn.
Ich meine damit, dass auch ich als Mensch neben meiner Rolle als Mutter eine Partnerschaft führn und eine gemeinsame Zukunft gestalten darf. Das schließt meinen Sohn nicht aus.
Das ist dir doch auch von Herzen gegönnt. Trotzdem bist du dir nicht bewusst, dass dein Sohn sehr wohl ausgeschlossen wird.
Mich würde interessieren: Was kann ich jetzt konkret anders machen, damit mein Sohn wieder mehr Vertrauen fasst und sich wieder als wichtiger Teil der Familie fühlt? Welche Schritte würdest du aus deiner Sicht empfehlen, die wirklich im Alltag umsetzbar sind?
Puh, hier wirds schwierig. Weil ich nicht weiß, inwieweit deine Sohn schon emotional dicht gemacht hat.
Ich würde nur zu zweit, also Du und dein Sohn ein sehr ehrliches Gespräch führen. Zuallererst würde ich mich aus ganzen Herzen um Entschuldigung bitten. Dass Entscheidungen fielen, die ihn immer benachteiligt haben, aus deiner Sicht wolltest du zwar das Beste, aber hast ihn irgendwie überhört. Ich würde sagen, dass du merkst, dass er sich zurückzieht und dir das sehr weh tut. Du ihn aber verstehen kannst, dass er glaubt, dass die ganzen Entscheidungen gegen ihn waren. Du würdest jetzt erst erkennen, dass du Fehler gemacht hast und es jetzt besser machen möchtest.
Dann sprecht darüber, dass Hausarrest eine dumme Idee war und auch mit einer gewaltvollen Erziehung einher geht. Daher möchtest du ein neues System mit ihm gemeinsam kreieren. Du machst dir Sorgen, weil er hier und da mal schludderig beim Lernen ist und das u.U. seine weiteren Chancen beeinträchtigen. Findet also Zeiten fürs Lernen (eher niedrig ansetzen) und Zeiten fürs Zocken und Freunde treffen. Hausarrest ist von der Erziehungsmethode ab sofort ausgeschlossen. Sage ihm, dass er Verantwortung für sich und sein Handeln übernehmen kann, weil er jetzt soweit ist.
Sage nicht mehr "aber", wenn du deine Gründe anführen willst. Sage, ja ich verstehe deinen Standpunkt, ich versuche jetzt zu erklären, welche Sicht ich habe. Lass ihn ausreden und höre auch, was er hinter den Worten sagen will.
Dann musst du unbedingt mit ihm über die Übergriffe deines Verlobten sprechen. Du solltest deinem Sohn sagen, dass du in der Situation falsch reagiert hast. Du hättest deinen Verlobten zurück halten MÜSSEN und dich vor deinen Sohn stellen müssen. Auch hierfür ist eine explizite Entschuldigung fällig. Und dann bitte kein: ja aber du hast zuerst geschubst! Er weiß selbst, dass das nicht richtig war. Es geht in diesem Gespräch nicht um weitere Schuldzuweisungen, sondern um Verständnis für die Gefühlswelt deines pupertierenden Sohnes. Und anzuerkennen, dass ihr vieles falsch angegangen seid.