Bist du mit deiner Mutter schon mal in den direkten Konflikt gegangen, ihr gesagt, was du nicht gut findest, was du nicht möchtest etc.?
Du schenkst ihrer Gedankenwelt sehr viel Aufmerksamkeit, ist mein Eindruck.
Es gab
zu Lebzeiten meiner Großmutter mehrere Situationen, in denen meine Mutter und ich offen Konflikte hatten.
An eine Situation erinnere ich mich gut: Meine Mutter wollte, dass meine Oma ihr die Fliesen im neuen Haus verlegt. Damals war meine Oma bereits 80 und eine künstliche Herzklappe. Das Gespräch endete indem ich meine Mutter anschrie, "sie soll einmal was im Leben selber tun und ob sie wolle, dass die Oma bei der Arbeit stirbt"
Nach dem Tod meiner Großmutter gab es den ersten Konflikt bereits beim Erbe als meine Mutter behauptet ich hätte etwas aus dem Schließfach gestohlen. Damals verhielt ich mich aber beschwichtigend, weil ich keinen juristischen Erbstreit wollte und meine Mutter schließlich murrend den Mund hielt.
Es dauerte dann nochmal einige Jahre, in denen meine Mutter unseren Kontakt immer weiter forcierte. Bis zu einem Punkt, an dem sie
täglich Telefonate wollte. Sie setze mich emotional unter Druck und es fielen Sätze von ihr wie "Nachher liege ich tot auf dem Küchenboden". Damals hatte ich zum Glück die Chance das mit meinem Hausarzt zu besprechen, der mir als erster neutraler Dritter bewusst machte, dass meine Mutter mich emotional erpresst. Auf Raten meines Arztes habe ich meiner Mutter das Ultimatum gestellt: Entweder einmal die Woche Kontakt oder garnicht.
Ich habe meiner Mutter über die Zeit mehrfach gesagt, dass ich mich eingeengt, unter Druck gesetzt und emotional erpresst fühle, insbesondere von ihren Suiziddrohungen. Ich habe ihr dutzende Male gesagt, dass ich normale Gespräche und keine politische Hetze will, dass ich nicht ständige Wiederholungen ihres Leides will ..... und und und.
Das Ergebnis von praktisch allen Gesprächen waren Rechtfertigungen, narzistische Schuldzuweisungen, auch mir gegenüber und am Ende Tränen meiner Mutter.
Ja, ich beschäftige mich sehr mit meiner Mutter, aber tatsächlich weniger als früher und nur selektiv. Gerade jetzt schreibe ich etwas mehr, weil ich inzwischen realisiert habe wie meine Mutter tickt. Das möchte ich für mich verarbeiten, auch damit ich die Distanz wirklich einhalte.
Konfliktgespräche haben keinen Sinn. Im Gegenteil. Sie bestärken meine Mutter in ihrer narzistischen Opferrolle. Ihr ganzes Selbstbild lebt davon, dass sie ein "schweres Leben hat" und alle Menschen böse zu ihr sind, auch ich.