Es tut mir sehr leid, was Dir und Deiner Partnerin alles widerfahren ist, der Verlust eines Kindes ist dabei sicherlich der schlimmste Verlust, den man durchleben muss. Jedes Leben, das zu früh beendet wird, ist eine riesige Last.
Und jeder Mensch verarbeitet Trauer anders.
Manche schaffen es schnell wieder in einer Normalität zu landen, andere nie und der Rest irgendwo dazwischen.
Du könntest versuchen, nochmal regelmäßigere Begleitung zu haben und vor allem in den guten Phasen Dich intensiv damit zu beschäftigen und nicht dann, wenn der Abwärtsstrudel Dich bereits wieder im Griff hat. Das funktioniert nicht bei unmittelbarem Eintritt des Trauerfalls, aber in der z Folgezeit habe ich damit gute Erfahrungen gemacht. Ich habe zwar kein Kind verloren, aber sehr plötzlich und ohne jegliche Vorwarnung, geliebte Menschen und davon nicht nur einen, die alle viel zu früh aus dem Leben gerissen wurden.
Ich habe die Trauerarbeit immer als ein Farbenspiel empfunden, wo anfänglich nur tiefstes schwarz war, kamen dann winzige Punkte, erst grau, dann allmählich farbig, die alle für ein Stück Loslassen standen (schwarz weg) und für gute Erinnerungen (Farben). In den dunklen Momenten brauchte ich immer Einsamkeit und Stille. Nur meine Tränen und meinen Atem. Reden darüber und Verarbeitung ging nur in hellen Momenten.
Daher mein Rat, ob Du eine regelmäßigere Begleitung/Gruppe finden kannst und speziell in den guten Zeiten dorthin gehst, weil dann Wege einem deutlich klarer erscheinen und umsetzbar, als in den dunklen Phasen, die einfach nur weh tun. Die dunklen Phasen bleiben, aber manchmal ist es dann nur eine Träne, die kullert, weil es einen kleinen Auslöser gab, es zieht einem aber nicht mehr den Boden unter den Füßen weg.
Beide zusammen solltet ihr versuchen, die Ursachen in Eurer Partnerschaft zu finden, die die wechselseitigen Belastungen mit auslösen, die dann in die Extremsituationen führen. Deine Partnerin muss lernen, dass sie Dich nicht verliert, wenn Du mal rausgehst aus Diskussionen, die ihr Ziel längst unterwegs verloren haben und sich im Kreis drehen. Das kostet beide unendlich viel Kraft in diesem Moment.
Nicht umsonst “schläft man oft über Dinge”, weil Gedanken zur Ruhe kommen und dann der Weg klar erscheint.
Sie muss lernen, dass jeder Mensch - sie selbst auch - Zeit für sich alleine braucht, um sich selbst wahrzunehmen und zu verstehen. Jeder hat einen Raum, in den er gehen kann (muss kein Zimmer sein, kann es aber sein, je nach Wohnsituation) und den niemand sonst dann betritt.
Ich gehe immer in die Natur, einfach aus dem Grund, weil ich dort alles lassen kann und die Natur keine Meinung über mich hat, mich nicht ab- oder bewertet, mich einfach mich sein lässt.
Eine Idee hätte ich noch: vielleicht würde sich eine Kinder-Onkologie oder ein Kinderhospiz über einen Vorleser, einen Märchenerzähler, einen Spielepartner (Karten, Mensch ärgere Dich nicht,…) freuen, der einmal die Woche ein bisschen Zeit mit den Kindern verbringt und etwas Freude verbreitet. Das könnte auch eine positive Herausforderung sein und Dir, auch durch Kontakt mit Eltern, noch wieder andere Sichtweisen mitgeben.
Ich wünsche Euch beiden Kraft für Euch und Eure Kinder und mehr positive Momente.