Andreas900
Sehr aktives Mitglied
Ich verstehe ebenfalls die Argumentation, die diesem Thread zugrunde liegt, ich halte diese Denkweise aber für vollkommen falsch - und ironischerweise vor allem für die Menschen gefährlich, die bereits heute wenig haben.Grundsätzlich kann ich die Argumentation von @Amaliah nachvollziehen, ich habe es in meinem ersten Post geschrieben.
Allerdings stehe ich auch uneingeschränkt hinter den Aussagen von @kasiopaja und @Dunkle Prinzessin
In unserem „Sozialstaat“ ist einiges im Argen, das entbindet aber niemanden von der Pflicht, alles Mögliche zu tun, um seine Situation zu verbessern.
Wer krank ist und aus diesem Grund nicht arbeiten kann, muss von der Gesellschaft aufgefangen werden.
Wer nicht arbeiten möchte, hat aus meiner Sicht keinen Anspruch darauf.
Mitunter ist es schwierig, das auseinanderzuhalten, da sollte es „im Zweifel für den Angeklagten“ heißen.
Bedingungsloses Grundeinkommen ist prinzipiell, aus meiner Sicht, ein vernünftiger Gedanke.
Es wäre auch finanzierbar, wenn unser Sozialsystem umgestellt würde.
In den Genuss dürften aber nur die kommen, die im Arbeitsleben stehen oder bereit sind zu arbeiten.
Selbstverständlich, auch die, die nicht arbeiten können.
Richtig ist auch, dass der, der mehr leistet und/oder höhere Risiken eingeht mehr verdient.
Es wird keine ideale Lösung geben, da es immer Menschen geben wird, die diese torpedieren oder missbrauchen.
All diese "Umverteilung, Reichtum verbieten und Grundeinkommen" Diskussionen gehen von einem statischen Verteilkuchen aus. Also einer Geldsumme X, die konstant ist und die angeblich nur ungerecht verteilt sei. Die Logik: Man muss nur den bösen Reichen etwas wegnehmen und des Armen geben, dann ist alles besser.
Diese These ist grundfalsch.
Wohlstand und Geld in einer Gesellschaft sind variable Größen. Reichtum des Einen ist nicht automatisch Armut des Anderen. Man schaue hunderte Jahre zurück, wie arm Deutschland da im Vergleich zu heute war. Seit dem ist unsere Wirtschaft massiv gewachsen, technischer Fortschritt, Wohlstand, alles ist über hunderte Jahre immer besser geworden, auch und besonders für Menschen mit niedrigem Einkommen.
Wer Wohlstand als statischen Verteilkuchen ansieht, versteht imho nicht die wirtschaftlichen Zusammenhänge und die Gründe wie Wohlstand entsteht. Er versteht nicht Giralgeldschöpfung, Kreditsystem, Wertschöpfung, Wirtschaftlichkeit etc. Er versteht nicht die Funktionsweise von Angebot und Nachfrage. Er versteht nicht die Effektivität von Märkten. Er versteht nicht, dass es Konsequenzen hat und haben muss wenn man Geld irgendwo abschöpft.
Mein Lieblingsbeispiel ist der Immobilienmarkt, wo immer wieder Eingriffe gefordert werden.
Extrembeispiele gibt es aus der Sowjetunion und der DDR. Strikte Mietpreisbindungen und staatliche Kontrolle aller Immobilien sorgten augenscheinlich für günstige Mieten, bewirkten aber in der Konsequenz Mangelwirtschaft, Wohnungsnot, schlechter Zustand der Bausubstanz und einen Niedergang der Städte.
Im kleinen sehen wir das auch bereits in Deutschland. Der Mietendeckel in Berlin sorgte sorgte für einen Rückgang der Investitionen, Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen und verschärfte den Wohnraummangel.
Man kann Steuern erhöhen und umverteilen. Man kann Preise regulieren, Mindestlöhne, bedingungslose Grundeinkommen etc. schaffen, aber das alles hat immer einen Preis.
Es ist nie nur ein "Umverteilen", sondern hat immer gesamtwirtschaftliche Konsequenzen. Es kann zu schlechteren Wohnungen, schlechter Qualität von Waren, Mangel, sogar Hungersnöten führen.
All diese "Umverteilung, Reichtum verbieten und Grundeinkommen" Befürworter verstehen nicht, dass Geld erwirtschaftet werden muss. Dass der Verteilkuchen automatisch schrumpft wenn man Geld da wegnimmt, wo es etwas erwirtschaftet. Wie soll sich ein Unternehmer, der Morgen nicht mehr "reich" sein darf, dem Wettbewerb auf der Welt stellen? Wie soll er wirtschaftlich mit Amerikanern und Chinesen konkurrieren? Wie bekommt ein Unternehmen in Deutschland überhaupt noch Fachkräfte wenn man in Deutschland höhere Steuern zahlen muss als überall sonst? Welche Fachkraft, welcher Unternehmer, wer will da überhaupt noch in Deutschland sein?
Wer in in Deutschland investieren? Wer kauft, saniert und baut Wohnimmobilien?
Stand heute ist das alles ja schon problematisch und Deutschland eher auf dem absteigenden Ast.
Und wer zahlt am Ende immer den Preis? Die Armen. Die hausen dann in verfallenden Immobilien, erleben den Mangel in der Warenversorgung, Arbeitslosigkeit, Inflation und Niedergang.
Das ist die wahre Tragik: Gerade durch all diese "Umverteilung, Reichtum verbieten und Grundeinkommen" entsteht am Ende erst die Armut und Not. Jene, die naiv glauben damit Gerechtigkeit zu schaffen, sägen den Ast ab auf dem sie selber sitzen. Und am Ende sitzen sie in einer kommunistischen Armuts-Diktatur, die sich selber einredet, der Rest der Welt sei kapitalistisch und böse. Gemäß dem Motto der DDR "Vorwärts immer, rückwärts nimmer!"