Also mit anderen Worten, du hälst dich für zu doof, um was dazuzulernen. Dann frage ich mich aber, wie du es bis in's Studium geschafft hast. Hast du dich da eingekauft? 😉
Ganz ehrlich, für mich sieht es im Moment danach aus, deine Ansprüche an dich selbst sind enorm hoch. Selbst wenn du kongnitiv nicht der Hellste wärst, und danach sieht es für mich im Moment nicht aus (zeigen ja schon deine Reflektiertheit und deine Beiträge), dann gilt doch, ein Mensch ist mehr wert als seine geistigen Fähigkeiten, oder findest du nicht? Warum vergleichst du dich nur nach oben, dadurch siehst du dich selber als geringer an und fühlst dich schlecht, ist doch klar.
Vergleiche dich doch mal mit denen, die viel weniger haben und viel weniger können. Das sollte das Bild doch einigermaßen relativieren? Die Voraussetzungen im Leben sind oft sehr unterschiedlich, das ist die Herausforderung an uns, damit umzugehen. Wenn du es schaffst, das als Aufgabe zu begreifen, dann verliert sich auch dein Opferdasein.
Als Beispiel: ich hatte beruflich eine Zeit lang mit Kindern an einer Förderschule zu tun. Studiert habe ich BWL, also was ganz anderes (übrigens auch dual, so wie du). Karriere habe ich bisher nicht gemacht, wollte ich auch nicht und dann waren da ja noch die Depressionen. Aus bestimmter Sicht hat mir die Arbeit bei den Kindern mehr gegeben, als jeder Bürojob zuvor. Und ich habe da sehr viel gelernt. Wenn du etwas weitergeben kannst, dann erledigen sich viele Probleme ganz wie von selbst, so meine Erfahrung.
Was genau studierst du eigentlich?
Mit Sicherheit kann ich gewisse Dinge und stelle mich vielleicht in ein schlechteres Bild als nötig. In dem Bewerberpool für dieses Duale Studium wurde ich ausgewählt. Was ich vielleicht kann ist folgendes. Mich beim ersten Kennenlernen gut verkaufen. Bei der Einladung zum Assessment-Center konnte ich so überzeugt wirken, dass ich einen guten Ersteindruck gemacht. Bei Diskussionen konnte ich gut mithalten und meine Meinung äußern. In der Präsentation, die auf Englisch zu einem Thema, in das man sich anhand von Quellen einarbeiten musste, zu halten war, konnte ich mich auch irgendwie gut verkaufen und wurde schließlich zum Abschlussgespräch eingeladen und mir wurde ein Angebot unterbreitet. Ich wundere mich selber, wie das geklappt hat. Also punkte ich eher mit der Art wie ich präsentiere und weniger mit dem Inhalt der Präsentation.
Generell stimme ich dir zu, dass ein Mensch mehr wert sein sollte als seine kognitiven Fähigkeiten. Aber wir urteilen hauptsächlich über einen Menschen anhand seiner kognitiven Fähigkeiten. Anhand diesen Fähigkeiten bin ich in der Lage richtige Dialoge zu führen und zu kommunizieren. Habe ich diese wiederum nicht, werde ich nicht als normal geistiger Mensch abgestempelt. Es ist normal, dass man sich mit denen vergleicht, die mehr haben. Und für mich relativiert es nicht, dass andere es "schlechter" haben.
Du hast es richtig gut zusammengefasst. Die Voraussetzungen sind unterschiedlich und wie soll man mit dieser Herausforderung umgehen? Dadurch, dass das Leben jedem andere Voraussetzungen bietet, macht es gerade erst extrem unfair. Ich weiß, dass außer Akzeptanz der eigenen Voraussetzungen und "Talente" nichts das Problem lösen wird. Ich sehe aber einfach keinen Weg, wie ich mit meinen gegebenen Voraussetzungen leben soll und sie "akzeptieren" soll. Wo liegt die Fairness im Leben? Wieso werden uns von Gott aus unterschiedliche Fähigkeiten gegeben? Warum gibt es Schwächere und Stärkere? Führer und Geführte? Und ich bin mir verdammt sicher, dass die Stärkeren und die "Führer" einfach diese Gene in die Wiege gelegt bekommen haben. Klar hat die Erziehung und die Umwelt einen Einfluss zusätzlich dazu, aber die Gene machen den Hauptteil und bestimmen schon von Grund auf wer du sein wirst im Leben. Wie es eben auch die Nummerologie besagt. Alles ist irgendwie schon vorgegeben.
Sehr interessant, dass du deine soziale Ader im Leben gefunden hast. Und sehr großen Respekt an dich dafür, dass du benachteiligten Kindern geholfen hast. Wie bist du in diese Depression gerutscht und wieder rausgekommen? Ich habe oft das Gefühl, dass Menschen, die eben auf der kognitiven Ebene anderen unterlegen sind, tendenziell mehr in Depressionen rutschen, weil sie die Gesellschaft als "schlecht" abstempelt und sie damit nicht klarkommen und wissen, dass man die Fähigkeiten sowieso nicht ändern kann. In welchem Sinne meinst du etwas weitergeben? Und wie soll sich mein Problem mit den kognitiven Fähigkeiten auflösen indem ich anderen etwas weitergebe? Das Problem besteht ja weiterhin. Oder meinst du, dass man dann aufhört über sein Leben zu reflektieren und das Problem zu verdrängen?
In welcher Branche bist du jetzt aktiv? Ich studiere auch BWL dual. Es ist auch mit Sicherheit ein interessantes Studium, doch ich merke, wie ich unter den ganzen "Führer"-Kommillitonen versinke. Die kommen mir alle intellektuell weit überlegen und ich fühle mich dadurch einfach Fehl am Platz. In Gruppendiskussionen kriege ich mein Maul nicht auf, weil ich Angst habe etwas Falsches zu sagen oder dass meine schwachen kognitiven Fähigkeiten zum Vorschein kommen und ich als Dumm abgestempelt werde. Und wenn ich anfange etwas zu sagen, dann ist es oft so, dass meine Gedanken sich verzetteln und ich dann den Faden in meinem Erzählen verliere.