Lieber Nordrheiner,
wird dir eigentlich einmal bewusst, dass Du ständig polarisierst. Du polarisierst zudem nicht nur im Dialog zwischen Glaubenden und Nichtglaubenden, sondern auch im innerchristlichen Dialog, in dem Du immer wieder munter festzustellen meinst, wer sich da Christ nennen könne und wer nicht.
Die Bezeichnung "Christ" unterliegt keiner gesetzlich festgelegten Definition. Also kann jeder für sich zu einer Definition kommen, die ggf. konträr zu der Definition anderer Menschen steht. Auch darüber kann man diskutieren bzw. sich austauschen und sollte es auch.
Das ist ärgerlich, zumal Du auch theologisch Dinge munter durcheinander wirfst, Fakten zueinander in Verbindung setzt, die so gar nicht zueinander gehören.
Mir fehlt es da für das Nachvollziehen Deiner Ansicht an einem Beispiel, wo ich "Fakten zueinander in Verbindung setze, die so nicht zu einander gehören." Bei dem nachfolgenden Text von Dir sehe ich jetzt nicht, inwieweit wir da unterschiedlicher Meinung sind. Oder als Frage formuliert: Siehst Du da Unterschiede zwischen Deinem und meinem Verständnis?
Ich habe bereits früher einmal darauf hingewiesen, dass wir es auf den ersten Seiten der Bibel mit zwei Schöpfungsgeschichten zu tun haben, zwei sehr unterschiedlichen, die des Jahwisten nämlich und die priesterschriftliche. Gleichwohl stehen sie nebeneinander, obwohl zwischen ihren Entstehungsdaten ein paar hundert Jahre dazwischen liegen.
In beiden spielt, wie sollte es anders sein, Gott eine Rolle. Zur Sinnfrage lesen wir da Erstaunliches: "Seid fruchtbar und mehret euch!" Und weiter: "Sie waren beide nackt und schämten sich nicht."
Das Moralisieren, die Unterscheidung zwischen Gut und Böse ist, das wirst Du wissen, nicht von Anbeginn grundgelegt, sondern es ist paradoxerweise die Folge ihres Genusses vom Baum der Erkenntnis. "Ihr werdet wissen, was gut und böse ist."
So lange der Mensch ähnlich unbefangen leben konnte, wie es Tiere heute noch tun, gab es für ihn diese Entscheidung nicht. Er lebte gewissermaßen in kindlicher Unschuld, und da hatte eine moralingetränkte, gar über die Errettung entscheidende Einstellung überhaupt keinen Platz. Die Ehe als Institution, so wie wir sie heute kennen, entstand sehr viel später.
Der Sinn des Lebens, und all das, mit dem wir Neuzeit-Menschen diese Frage belasten und beschweren, hatte da überhaupt keinen Platz. Er lebte und tat, was diesem Leben diente, bestellte und bebaute seinen Garten und sorgte für das Weiterbestehen seines Geschlechts.
Erst in dem Moment, in dem er die Frage stellte "Sollte Gott wirklich gesagt haben?" und ergo nach der Frucht der Erkenntnis griff, katapultierte er sich aus dem Paradies. Da verliert er seine kindliche Unschuld. Übrigens ein Vorgang, der sich in der Bildung des Gewissens bei jungen Menschen ähnlich und im Zeitraffer-Tempo wiederholt.
Vieles, was da in biblische Texte hineininterpretiert wird, ihnen auslegend beigefügt wird, ist interessengesteuert, etwa die Rolle von Mann und Frau.
Selbst Jesus, auf den Du immer wieder Bezug nimmst, predigte das "Sorge nicht, lebe!" Und ich bitte dich, wenn denn das "Evangelium" die frohe Botschaft ist, von der wir als Christen immer wieder reden, dann muss diese auch erkennbar sein und die Menschen zu einem Leben in Freiheit und Erfüllung befähigen.
Ich bin wahrlich kein Anhänger des Papsttums und ich sehe für die Instanz des Papstes keinen biblischen Beleg, aber einen Vorteil hat es. Da redet einer für alle. In vielen anderen Kirchen und religiösen Gemeinschaften gibt es "kleine Päpste", die genau wissen, was Kinder zu tun haben, Frauen und auch Männer. In der Regel jedoch begründen sie eine höchsteigene Dominanz und ihre eigene Machtstellung. Und das ist mindestens genauso unbiblisch, soll doch der Mensch nicht über den Menschen herrschen.
Burbacher