Hey Nordrheiner,
ich finde es gerade sehr spannend. Du sprichst von "künstlicher" Angst und ich von Angst als positives Gefühl, etwas was eher als Freund zu sehen ist als etwas, was einfach nur weg soll. Sicher ist Angst etwas, was als Dauerzustand echt sich nicht toll anfühlt und schwer zu verstehen ist dieses als positives Gefühl einzustufen. Widerstrebt sicher einige. Doch mit einem Freund, mit etwas, was ich nicht ablehne, kann ich besser umgehen, Habe mehr Ruhe, um nachzufühlen, nachzudenken, was will sie mir eigentlich sagen, wovor will sie mich warnen. Wenn sie aber Feind ist, will ich sie nur noch weg haben, kann nicht nachfühlen, kann nicht mehr nachdenken, kann gar nicht erkennen, ist es nun eine Warnung, wo ich irgendwie handeln muss und wenn wie.
Ein Beispiel, wenn jemand nachts aufwacht, weil der Atem blockiert ist, dann kommt auch die Angst. ich werde sterben. Doch wenn wenn diese Angst, dazu kommt und auch weg soll genau wie das nicht atmen können weg soll kann ich nicht mehr klar denken. Ist diese Angst begründet, werde ich gleich ersticken, was ist jetzt zu tun. Diese Person erlebt dies jede Nacht mehrfach, sie weiß sie wird nicht sterben, die Angst, ist die nun "künstlich" ist sie überflüssig? Ist es sinnvoll, nicht mehr auf diese Angst zu reagieren?
Sinnvoll ist in diesem Fall nur Ruhe bewahren, nicht aber diese Angst als überflüssig, als künstlich einzustufen. Denn sie sorgt dafür, nachzuschauen, ist es ernst, wird ein Arzt gebraucht oder kann sich darauf verlassen werden, dass es wieder einfach vorbei geht.
Weiteres Beispiel, jemand geht immer wieder einsame Strecken alleine, meist ohne Angst und ohne irgendwelche Bedenken. Aus irgendeinem Grund aber ist es dann eine zeit lang anders. Ist es eine Angst, die künstlich ist? Oder ist es vielleicht doch sinnvoll? Gibt es vielleicht doch einen Grund, warum sie berechtigt ist und es sollte eher überprüft werden, ob ihr nachgegangen werden sollte, um zu erkennen, was ihr Beruhigung bringen kann. Nicht abtrainieren, sondern lernen mit Ängsten, egal wo sie herkommen umzugehen. Ihr die Wichtigkeit geben, die sie hat oder einst hatte.
Genauso verfahre ich mit dem Gefühl von Einsamkeit. Das Gefühl als Freund zu sehen, der mir etwas mitteilen will.
Gefühle, egal welcher Art, mit ihnen zu leben, mit ihnen umzugehen ist eine Bereicherung. Mag sein, dass mir jetzt so manche Person an den Hals springen möchte. Doch Gefühle bereichern das Leben. Nichts mehr wahrnehmen, nichts mehr an Gefühlen zuordnen können, da fehlt etwas. Das Leben aber hat nicht nur Freude und Sonnenschein zu bieten. Es ist wie das Wetter, mal ist es schöner, manchmal ist es kaum zu ertragen. Doch leben kann nur wer, auch Freundschaft mit seinen Gefühlen schließt. Wer darauf vertraut, dass die Gefühle genauso einen Wandel vollziehen. wie alles. Das Wetter, das Wasser, die Tageszeiten. Wenn Gefühle keine Angst mehr machen, sie begrüßt werden, willkommen geheißen, dann ziehen sie sehr oft viel schneller, als wenn sie verdrängt werden sollen, sie ungewollt sind, weil sie haben ihren Sinn. auch sie zeigen uns etwas, etwas was uns fehlen könnte, etwas was uns gut tut. Sie sind da, um uns zu unterstützen das Leben zu meistern.
Ich weiß, wenn dies Menschen lesen, die gerade irgendwo festhängen, die gerade nicht wissen wo oben oder unten ist. Die in ihrem Fühlen festhängen, die einsam sind, die werden es verfluchen was ich da schreibe. Ich weiß die Menschen, die sich nichts mehr wünschen lieber jetzt als gleich etwas anderes wahrzunehmen, als z.B. Einsamkeit, als Angst, wo sie vielleicht selbst grad nicht wissen was es eigentlich ist, werden sich fragen, wie kann ein Mensch nur so was schreiben Angst und Einsamkeit als Freund zu begrüßen. Doch seit ich mit den Gefühlen so umgehe, sie da sein dürfen und ich mir die Zeit nehme ihnen eher mal nachzufühlen zu schauen wo es herkommt, ob es aus dem Hier und Jetzt oder etwas von Einst ist. Wenn es von Heute ist, frage, was wird gebraucht, oft ist schon dies eine große Erleichterung, eine Lösung zu suchen, statt es nur weghaben zu wollen.
Was ich, weil wenn Einsamkeitsgefühle präsent sind, auch das Gefühl auf keinen Fall mit anderen Menschen sein zu wollen hilft, ist dann in ein Cafe zu gehen und mir das im Cafe gemütlich zu machen. Dann bin ich unter Menschen und doch auch allein, oft aber ist es auch einfach gut in die Natur zu gehen oder auch nur feststellen, ja du bist allein. Manchmal auch zu betrauern immer allein gewesen zu sein, verlassen, im Stich gelassen ....
Aber meist langt inzwischen es zu bemerken. Doch Einsamkeit ist nicht gleich Einsamkeit und jedes dieser Gefühle braucht seine eigene Lösung, je nachdem, was als Quelle ausgemacht werden kann. Ein paar habe ich jetzt hier aufgezählt, längst nicht alle.