Hallo Quo Vadis,
Ja, mein Problem ist, dass ich tatsächlich viel Potenzial in ihm sehe - weil ich ihn ja auich anders erlebt hab. Als ich vor der Ehe schwach war, hat er mich gestützt ... und wir hatten auch viele schöne gemeinsame Erlebnisse.
Und ich kann die Fakten schlecht als Realität anerkennen, weil mein Mann immer und immer wieder betont hat, dass er das doch alles auch so will wie ich ... dass er nur noch etwas Zeit braucht ... oder ihn irgendwas grad hindert ... usw.
Das sind zunächst entweder Gründe, oder Ausreden, was seine Verhaltensweisen angeht. Da kannst Du maximal/ hättest Du maximal nachfragen ( können), was genau ihn hindert.
Und wenn er die Hinderungsgründe genannt hat, und Du ihn dabei unterstützen konntest , und es passiert immer noch nichts... nun... dann frage Dich besser, wie Du das sehen sollst, was er sagt...
Also - tatsächlich vermisse ich ihn. Mein Wunsch war, dass wir das Gute, was wir haben, ausbauen. Er sagte, er will das auch - tat aber immer etwas anderes. Ich weiß also nicht, woran ich bin. Wenn er mir gesagt hätte: "Ich will dich nicht, und ich will mich nicht um das Kind kümmern.", dann hätte ich etwas, womit ich umgehen könnte. Er sagte aber immer das Gegenteil, tat es nur nicht.
Das wiederholt den gerade beschriebenen Abschnitt: Worte und Taten sind hier sehr unterschiedlich - von ihm.
Messe den Menschen lieber an seinen Taten, statt seinen Worten.
Ich versuche schon, mich mehr auf seine Taten zu besinnen und mich daran zu orientieren - und ich bin nun schon weit weniger enttäuscht ... aber ich hab so lange so viel Kraft in diese Beziehung gesteckt ... irgendwie möchte ich es vom Gefühl her nicht alles hinschmeißen, obwohl mein Verstand sagt, dass das das einzig Richtige für mich und das Baby ist.
Das Chaos dauert noch länger an, in Dir. Wer gibt schon leichtfertig eine schöne Illusion auf, und zieht Bilanz, dass unter dem Strich die Beziehung anders verlaufen ist, als die schöne Illusion?
Zur Frage, was sich bis Juli ändern sollte (aber sicher nicht wird): wenn er einfach nur beginnen würde, fairen Kontakt zu mir bzw. eher zu unserem Kind zu haben, wäre ich zufrieden ... kleine Schritte in Richtung "Verantwortung für das eigene Kind übernehmen" ... Aber ich weiß aus meiner Erfahrung, dass sich da nichts tun wird ... vielleicht in ein paar Jahren ... vielleicht ist er zur Einschulung dann wenigstens dabei. Es tut weh, dass er diese schöne Zeit mit dem Kleinen verpasst. Aber es ist seine Entscheidung ... daran bin ich nicht schuld, dafür bin ich nicht verantwortlich.
Scheint mir ein bisschen so, als würdest Du dein Handeln hinterfragen, so in der Art: "Wenn ich ihm nur noch eine weitere, kleine Chance gebe; wenn ich ihm und seinen Worten nur noch einmal vertrauen werde... dann ändert er sich vielleicht... und alles war nicht ganz umsonst..."
Sollte das so sein, dann siehst Du die Verantwortung für das bisherige Beziehungsergebnis stark bei Dir. Da es auf Dich ankommt, dass Du ihm immer wieder Chancen gibst.
Da Du selbst betonst, dass es seine Entscheidung sei, hast Du zumindest auch die Erkenntnis in Dir, dass es nicht so stark auf Dich ankommt, wie Du dir teils wünschen würdest.
Die Beziehung ist immer ein Produkt von 2 Menschen und deren Verhaltensmustern. Und diese sind oft durch das Elternhaus und ihre Vergangenheit geprägt.
Fakt ist aber nach wie vor: ganz gleich welche Vergangenheit jmd. hatte - wenn in Deinem Fall das Ergebnis so aussieht, dass er sich nicht ändert, dann ist es so. Und ob die Vergangenheit schön oder weniger schön war, nützt für das Ergebnis aktuell nichts.
Gäb noch die Möglichkeit Verständnis für seine Vergangenheit ( evtl. sofern diese schlimm gewesen wäre) zu haben; das würde dazu führen können, dass Du ihm noch mehr Zeit einräumst & noch mehr warten würdest. Ändert aber immer noch nichts daran, dass er selbstverantwortlich bleibt.
Und an dem bisherigen Ergebnis Eurer Beziehung ändert sich auch nichts, wenn Du innerlich Verständnis für seine Vergangenheit hast.
Fakt ist: es sind Deine Interessen auf der Strecke geblieben. Das sollte klar sein und bleiben. Alles andere führt Dich von Deinen Interessen weg.
Die Vorstellung "wenn er dies... das..ändern würde, dann..." sind die Idealvorstellungen Deiner Interessen. Aber die Realität ist ganz anders. Das sollte Dir klar bleiben.
Vielleicht kann ich die Realität auch schwer akzeptieren, weil ich bisher immer meine Ziele erreicht habe ... weil das das erste Mal in meinem Leben wäre, wo ich mich damit zufrieden geben müsste, dass jemand anderes mein Leben zu einem großen Teil bestimmt hat - und es in eine Richtung gelenkt, in die ich es nicht führen wollte.
Damit wird Dir vielleicht schon etwas mehr klar.
Wenn Du sagst, dass jmd. anderes Dein Leben zu einem großen Teil bestimmt hat ( nicht mitbestimmt, sondern bestimmt schreibst Du), dann hast Du die ganze Zeit (vermutlich) Deine eigenen Interessen nicht gelebt.
Das es Dir da schwerfallen dürfte, Dir selbst einzugestehen, dass Deine eigenen Interessen für die Zeit x auf der Strecke blieben, leuchtet mir ein.
Die Erkenntnis, dass Du es zugelassen hast, dass er da so seine Sichtweisen und Verhaltensweisen eingebracht hat; und Deine Interessen auf der Strecke geblieben sind, ist sicherlich unangenehm.
-> Die Alternative zu diesen Sichtweisen und Erkenntnissen ist das Bedauern und das Hoffen, und "nur noch eine Chance" geben.
Inhaltlich werde immer wieder ähnliches schreiben, bei ähnlichem Inhalt Deinerseits.
Das allerdings er Dein Leben mitbestimmen konnte, wird daran liegen, dass Du es zugelassen hast. Das ist eben auch ein Eingeständnis. Es kann ja nur jmd. Macht über einen anderen haben, wenn dieser es zulässt.
Auch dieses Eingeständnis, dass es Deine Eigenverantwortung gewesen ist, die Du ihm gegenüber dann aufgegeben hast, wird keine schöne Erkenntnis sein.
Anderenfalls, wenn Du diese Erkenntnis nicht für Dich annimmst, rennst Du permanent im Kreis ( gedanklich).
Dann läg es an ihm, dass er soviel Macht in der Beziehung hatte. Du wärst ohnmächtig gewesen, und kannst es alles nicht fassen. Es würde nun nur noch an ihm liegen, dass es Dir etwas besser ginge.
Sobald Du anerkennst, dass Du selber Deinen Eigenanteil in der Beziehung hattest, ihm die Macht zu geben in Deinem Leben zu bestimmen, wird es Dir später besser gehen können.
Weil es dann ein Eingeständnis ist, dass Du die Verantwortung für die Beziehung übernimmst, in der Form, dass es Deine Entscheidung war: ihm die Macht zu bestimmen zu geben.
Und sobald Du innerlich wieder zu der Sichtweise kommen kannst, dass Du etwas in der Beziehung auch selbst entschieden hast ( die Verantwortung ihm zu übertragen, wie ich das lese), kommst Du auch wieder zu dem Bewusstsein, dass Du die Verantwortung und Entscheidung in Deinem Leben jetzt auch - nach wie vor- selbstständig tragen und entscheiden kannst.
Und das gänzlich , ohne auf ihn und seine Taten zu warten.