Hallo Dereinst,
danke schön auch nochmals für die sehr anregende Disskussion.
🙂
Oh ja, es ist nicht einfach. Das ist das Leben sonst meist auch nicht und gerade deshalb lohnt es sich sehr. Wenn man dann noch die Ernüchterung verkraften kann, dass, kaum hat man neue Erkenntnisse erlangt, gleich wieder neue Fragen auftauchen. Dies meine ich jedoch völlig positiv. Denn es macht das Ganze ja so irre spannend.
Stimmt, das ist auch ein wichtiger Punkt. Wenn wir wichtige und drängende Fragen haben, dann geht damit oftmals viel Ungeduld einher, man setzt sich unter Druck und möchte bei einem Ergebnis ankommen. Man wartet dann vielleicht sogar auf ein fest umrissenes Ziel, vielleicht auf eine Erleuchtung. Watzlawieck hat es ja in "Eine Anleitung zum Unglücklichsein" sehr treffend beschrieben. Erst wenn ich bemerke, dass es gar nicht ums Ankommen geht und dass es immer neue Fragen geben wird, dass man ohnehin nie "fertig" wird, dass neue Erkenntnisse ja auch sehr spannend sein können, dann habe ich ja auch erst eine ganz andere Einstellung zu den Erkenntnissen erlangt. Dann wird das Rationale auch nicht mehr so überbetont nach meiner Erfahrung, weil wir ja doch mehr oder weniger alle dazu neigen, rein rationale Lösungen zu finden, selbst für ganzheitliche Ansätze, die auch die Emotionen mit einschließen.
Es ist die Gewohnheit, die uns die Augen verschließt. So bequem sie auch ist, die Gewohnheit, so nützlich sie bei vielen Dingen sein kann, so störend kann sie sein wenn es um Menschen, deren Verhalten oder einfach uns Unbekanntem geht.
Ja, seitdem ich erkannt habe, wie entscheidend die Gewohnheiten bei uns Menschen doch sind, seitdem hinterfrage ich auch gerade die Gewohnheiten bei mir selbst viel mehr als früher. Und das hilft auch ungemein, über den eigenen Tellerrand zu sehen und auch neue, ungewohnte und nützliche Erfahrungen zu machen. 🙂
Man darf hier eben nicht einen kritischen Geist mit einem negativem, pessimistischem Denken verwechseln. Hinterfragen ist meiner Meinung ja auch eine Art des Perspektivenwechsels. Man macht sich einfach ein größeres, umfassenderes Bild von einer Sache. Schafft man das auch noch wertneutral, kommt man letztendlich ja trotzdem zu einer Wertung. Zu einer Besseren. Mangelhaftes Wissen ist oft auch durch mangelhaftes Interesse verursacht. Oder einer falschen Prägung, wie sie früher oft gängig war (… in unseren Kreisen macht man sich über XY Dinge keine Gedanken …). Obrigkeitsdenken usw.
Perfekt! Besser kann man es wohl kaum ausdrücken. Grenzen zu sprengen, das kann nach meiner Erfahrung sehr erhellend und wirklich spannend sein. Wenn es einen Hang zu einem dogmatisch geprägten Denken gibt, eben durch die Prägungen, dann verliert das mit einer gewissen Übung ja auch immer mehr an Bedeutung. Und das ist dann oft auch wirklich ein wirklich neues unbekanntes Freiheitsgefühl. Wertungen bekommen ja dann durchaus auch eine andere Bedeutung, es ist entlastend, sie nicht mehr so wichtig einzuschätzen, wie die Prägung es oftmals vorgibt.
Ganz wichtig ist ja auch, dass sehr viel mehr prägend wirkt, als man annimmt. Nicht nur direkte Prägung durch direkte erzieherische Maßnahmen, wie gemeinsam spielen oder schimpfen, sondern gerade auch die Dinge, die man nicht tut oder sagt. Kinder sind wie Schwämme und saugen alles auf. Selbst dann, wenn sie konzentriert spielen und Erwachsene sich in Hörweite unterhalten. Besuche im Einkaufszentrum, ein Spaziergang, Besuch von Bekannten etc. Trotzdem gibt es schon auch so etwas wie eine Vorprägung und Veranlagungen. Nicht alles ist beeinflussbar. Auch das muss man akzeptieren und eben das Beste daraus machen. Einfacher wird es dadurch leider nicht.
Ja, es geht nicht darum, einen komplett neuen Menschen aus mir zu machen und die frühen Prägungen gar auszumerzen. Das würde wohl auch geradewegs in eine schlimme Identitätskrise führen, diesen Anspruch zu haben.. Zumal man gerade hier mit negativen Wertungen sehr aufpassen muss, denn alles hat ja immer mehrere Perspektiven und das macht uns ja auch aus. Ich kann gerade dieses Wissen um die Lernfähigkeit der Kinder für mich nutzen und dafür sorgen, dass ich auch wieder durchlässiger werde für neue Erfahrungen. Wir sind oft ja nur festgefahren und trotzig geworden, weil wir meinen, bereits alles zu wissen. Ich denke, eine gewisse Offenheit und kindliche Neugier kann ich auch als Erwachsener immer noch durchaus erreichen, wenn ich das wirklich will. Ich kann es sogar üben, gerade der Umgang mit kleinen Kindern hat mir dabei schon oft geholfen. Wenn ich mich wirklich auf sie einlassen kann, dann kann das ungeheuer inspirierend wirken.
🙂
Es ist eine größere Veränderung nötig. Große Veränderungen brauchen Reifezeit. Beim Individuum ebenso wie bei Systemen. Es ist ja nie alles schlecht (oder gut). Es ist eine gewisse Selektion nötig. Strukturen müssen überwunden werden. Aber auch ich bin da sehr optimistisch, dass hier etwas im Laufen ist.
Ja, so sehe ich es auch. Deinen Blog finde ich übrigens sehr schön und interessant, ich werde ihn mir demnächst auch mal näher anschauen.
😉
Liebe Grüße
Traumatisierter