Das Helfersyndrom ist heimtückisch, da es ja suggeriert, dass man alles für andere macht. Man opfert sich für die Gemeinschaft etc. auf. Das muss doch gut sein. Sehr oft leiden aber Angehörige darunter, womit es nicht mehr gut sein kann. Und irgendwann leidet auch der Betroffene selbst darunter.
Ja, es gibt keinen wirklich gesunden Ausgleich zwischen Nehmen und Geben. Weder auf der einen noch auf der anderen Seite, beide Extreme machen krank. Letztendlich ist das ja alles nur der verzweifelte Versuch, Anerkennung zu bekommen. Indem ich mich entweder erhöhe über andere (Egoismus) oder indem ich mich für andere aufopfere (Helfersyndrom, Altruismus). Beides macht zuverlässig irgendwann sehr krank, auf beide Seiten wartet ein böses Erwachen, allerdings. Aber es hat sicherlich auch seine tieferen Ursachen, weshalb es für viele Menschen so schwierig geworden ist, einen gesunden Mittelweg zu finden.
Über „gesunden“ Egoismus zu schreiben ist ein wenig gefährlich. Den es wird gerne uminterpretiert und Egoismus grundsätzlich als gut betrachtet. Wie man in der Gesellschaft ja nur allzu oft sehen kann. Hier wird überhaupt eine Menge in einen Topf geworfen.
Oh ja, das ist wohl wahr. Dieses Wort allein ist wohl auch kaum noch brauchbar. "Genug" davon zu besitzen in der Ellenbogengesellschaft gilt als "stark". Zu wenig als "schwach". Der Erfolg steht über allem und ist der Maßstab dafür, welchen Wert man besitzt. Hier ist schon das Grundübel zu sehen, meiner Meinung nach. Es wird stets gewertet, man muss sich wohl stets bewertet fühlen. Also tut ein jeder innerhalb seiner jeweils gewählten Strategie alles, um den möglichst besten Eindruck zu erlangen. Um letztendlich Liebe und Anerkennung darüber zu finden. Was aber so bestimmt nicht funktionieren kann, weil man so ja letztenlich nur eine aufgesetzte Rolle spielt, in der sich ein jeder verfängt. Es ist halt irgendwie sehr schwer, einfach nur authentisch zu sein. Sowohl Anteil zu nehmen bei anderen und zu geben, als auch seine eigenen Bedürfnisse im Blick zu behalten, was dann die Gefahr mit sich bringt, für egoistisch gehalten zu werden. Diejenigen, die den Egoismus und die Grandiosität als Mittel zur Anerkennung bevorzugen, die setzen Anteilnahme und Geben wiederum mit Schwäche gleich. So wie man es halt in der Sozialisation gelernt hat.
Durchsetzungsvermögen, Stärke und Macht, nur als Beispiele. Dabei hat jeder dieser Begriffe nichts mit Egoismus an sich zu tun. Stellenweise ja, grundsätzlich aber nicht zwingend. Das ist ein großes und weitverbreitetes Missverständnis.
Hm, bei solchen Begriffen wird es sicherlich sehr schwierig. Es wäre schön, diese Begriffe wertneutral sehen zu können. Aber ist das wirklich möglich? Das hängt doch auch sehr stark von den Prämissen ab, die in einer Gesellschaft gelten. Mit welchen Inhalten die Begriffe jeweils gefüllt werden. Wenn diese Begriffe mit einer Verantwortung verbunden werden, dann sind sie sicherlich nicht automatisch zu verurteilen. Dann kann auch ein Sinn dahinter stehen, von dem alle profitieren können. Ich denke, die gesellschaftlichen Prämissen stehen dem aber leider völlig entgegen. In einer Konkurrenzgesellschaft müssen die gefühlten Inhalte dieser Begriffe wohl ein verantwortungsvolles Handeln im Sinne aller Mitglieder einer Gesellschaft wohl eher ausschließen. Dass es auch anders geht, das beweisen ja durchaus verantwortungsvolle Führer, die diesen Begriffen durchaus entsprachen, die ihre Stärke aber gemeinnützig begriffen haben. Solche Führer hat es ja durchaus auch schon gegeben, Friedrich II. von Preußen, der alte Fritz zum Beispiel. Ich glaube aber, dass unsere Zeit und unsere heutige Kultur solche Führer, bei denen diese Begriffe nicht nur negativ besetzt wären, leider gar nicht mehr kennt.
Vielmehr gilt es das eigene Ego zu überwinden, um wirklich stark zu werden. Zum Beispiel hat ein charismatischer Mensch Macht über andere. Nutzt er diese Macht aber nur zu seinem Vorteil aus, verliert er dabei sein Charisma. Wird zum Egoisten und schließlich als arrogant gewertet.
Ja, das könnte man auch als ein Resonanzprinzip bezeichnen. Was man ausstrahlt, das kommt stets auch auf einen selbst zurück. Alles steht miteinander in Verbindung, jegliches Wirken findet im Außen die entsprechende Resonanz.
Ich gebe zu, dass dies Relativ lange dauern kann, bis ein ehemaliger Charismatiker als Egomane erkannt wird.
Ja. Hier ist ja vor allem die Vortäuschung falscher Tatsachen, die gelungene Manipulation sehr entscheidend. Wer es schafft, destruktiv zu wirken und sich dennoch als Gutmensch zu prästentieren, der kann eine ganze Weile bei seinem destruktiven Wirken unerkannt bleiben. Meines Erachtens leben wir auch gerade in einer Zeit, in der gerade die geschickte Manipulation ein sehr erhebliches Ausmaß angenommen hat. Vor allem die Entwicklung der Psychologie und der Medien hat dazu wohl auch erheblich beigetragen.
Natürlich wird nicht jeder Charismatiker wird zum Egomanen.
Charisma könnte meiner Meinung nach durchaus als ein Sinn des Lebens durchgehen. Denn um Charisma aufbauen zu können, muss man sich selbst erkennen und akzeptieren können. Man darf sich nicht nach vorne drängen, sondern kommt automatisch, kraft der eigenen Persönlichkeit, ins „Rampenlicht“ (wie immer das aussieht). Ist man sich seiner selbst bewusst, bemerkt dass das Umfeld. Denn man strahlt etwas aus, dass Egomanen nie können. Innere Ruhe und Frieden, Gelassenheit und Beherrschung.
Absolut da core!
🙂
Authentisch sein ohne sich zu verbiegen und sich auch selbst akzeptieren zu können, so wie man ist, mit allen Stärken und Schwächen, das strahlt mit Sicherheit auch sehr stark nach außen hin aus. Aber es wird einen ja nicht gerade leicht gemacht, dorthin zu kommen. Meines Erachtens gelingt das auch heute noch leider nur recht wenigen Menschen. Und die findet man vor allem höchst selten an den Schaltstellen der Gesellschaft, hier dominiert immer noch eher die Egomanie, hier findet man oft noch den narzisstischen Typus, was ja auch eine sehr lange Tradition hat. Ich hoffe vor allem auf das Fortschreiten der Aufklärung und auf den enormen Bildungszuwachs, der ja immerhin gerade in der jüngsten Zeit ganz enorm zugenommen hat.
Vor allem das Internet, die größte Bibliothek der Welt, macht heute vieles erst möglich, was ja zu früheren Zeiten noch völlig unmöglich gewesen ist. Eben auch mehr zu hinterfragen und sich selbst in Eigenregie zu informieren. Das ist ein Potential, das nicht zu unterschätzen ist, glaube ich.
😉
Viele Grüße
Traumatisierter