Ich sehe das so: Bspw. Primavera ist ihren Glauben Treu. Sprich sie geht nicht "Fremd". Sie würde aber gerne Fremd gehen, weil sie weiß sie ist willkommen.
Ganz so ist es nicht. Ich persönlich sähe eigentlich keinen Grund, nicht am protestantischen Abendmahl teilzunehmen, wobei ich dann allerdings im Hinterkopf hätte, dass es kein Ersatz für die Eucharistiefeier nach katholischem Verständnis ist. Das Brot hätte für mich in dem Moment nicht dieselbe Bedeutung wie in der katholischen Messe (insofern würde ich auch nach meinem eigenen Verständnis nicht "fremdgehen", sondern wäre meinem eigenen Glauben dann trotzdem treu). Selbst das ist aber meines Erachtens aus Sicht der Amtskirche bedenklich, weil es nach außen so wirken könnte, als ob ich mich eher mit dem protestantischen Abendmahlsverständnis identifizieren würde als mit dem meiner eigenen Kirche. Daher auch mein Gewissenskonflikt.
Lieber wäre mir eine Haltung meiner Kirche, aus der heraus Katholiken am protestantischen Abendmahl teilnehmen dürfen, sofern sie sich diees Unterschiedes bewusst sind und gegenüber den Gemeindemitgliedern nicht so tun, als ob sie evangelisch wären. Das sind Dinge, die ich wirklich nur mit einem katholischen Theologen klären könnte. Gestern hat mich die Einladung zu sehr überrrascht, als dass ich spontan hätte entscheiden können, sie anzunehmen. Aber ich hätte einfach gern in jeder Beziehung die volle Gemeinschaft mit den Christen der anderen Konfession erlebt, weil es viel mehr Gemeinsames als Trennendes zwischen uns gibt.
Immerhin hat Sigi erkannt, dass mich nicht innere Verbohrtheit, sondern eine intensive Beschäftigung mit theologischen Fragen, für die ich mich immer interessiert habe, zu meiner Entscheidung bewogen hat. Hätte ich grundsätzlich Probleme mit dem Glauben anderer Konfessionen, würde ich wohl kaum aktiv an der Gestaltung eines protestantischen Gottesdienstes teilnehmen und auch nicht so vieles entdecken, was mir an dem Glauben und der Gottesdienstgestaltung (insbesondere den Predigten, dem Liedgut) sogar besser gefällt als in meiner Kirche. Und ich hätte auch sicher nicht die anschließende Einladung der protestantischen Christen zum Kaffeetrinken nach dem Gottesdienst angenommen und mich nett mit dem Vikar und anderen Gemeindemitgliedern unterhalten. So eine Einladung ist mit der zum Abendmahl, bei dem es um die intimsten Glaubensinhalte der jeweiligen Konfession geht, nun mal nicht vergleichbar. Und ich bin dafür, dass Katholiken und Protestanten im Interesse der Ökumene möglichst viel gemeinsam machen, wo es irgend möglich ist. Das fördert auch ein vertieftes gegenseitiges Verständnis. Erzwungene Gleichmacherei, ohne nachzudenken, fördert die Ökumene nur vordergründig, aber nicht wirklich.
Andere hier denken gar nicht nach, haben keine Ahnung von der Bibel, null Ahnung von katholischen und protestantischen Glaubensinhalten und bilden sich trotzdem ein, sie könnten hier abfällige Bewertungen über Leute abgeben, die ihren Glauben ernst nehmen und gleichzeitig den Glauben anderer Menschen respektieren.
Ich kann das Thema erst heute Abend weiter vertiefen. Jedenfalls möchte ich dir, abendtau, für deine respektvolle Haltung und dein Bemühen um Verständnis ausdrücklich danken.:blume: Du bist der erste Atheist hier im Forum, der mit Gläubigen so respektvoll und tolerant umgeht, wie ich es auch von von etlichen Atheisten gewohnt bin, die mir im realen Leben tagtäglich begegnen.
Einen herzlichen Dank außerdem an Sigi für das Bemühen, meine Entscheidung nachvollziehbar zu erläutern.:blume: