Ich hab Kirche auch immer nur mit Zwang verbunden. Meine erz-katholische Großmutter war für meine kirchliche Erziehung zuständig und sie hat mich ab dem Alter von 7 Jahren bis nach der Firmung jeden Sonntag gnadenlos in die Kirche gezerrt.
Traurig genug. Aber das ist der Fehler deiner Großmutter gewesen und nicht der der Kirche. Warum haben deine Eltern das überhaupt zugelassen, oder war deine Oma erziehungsberechtigt?
Mich hat niemand gezwungen, zum Gottesdienst zu gehen. Meine Mutter ging so gut wie nie hin, obwohl sie gläubig ist. Sie guckte lieber den Fernsehgottesdienst, egal, von welcher Konfession. Ich gehe zum Gottesdienst, weil und wenn es mir gefällt und ich das Bedürfnis danach habe. So war es auch früher schon. Ich gehe auch nicht jede Woche, wie es eigentlich geboten ist. Aber auch nicht nur an Weihnachten und Ostern wie so mancher Salonchrist, der es nur um der feierlichen Atmosphäre willen tut.
Ich fand es auch immer grauenvoll - ich hatte panische Angst vor jeder Beichte, die dem sonntäglichen Abendmahl vorausging, hatte Angst vor dem Pfarrer, hab gefroren und hatte - da ich vor dem Gottesdienst wegen dem sog. "Nüchternheitsgebot" nie frühstücken durfte - immer Hunger und Kreislauf-Probleme.
Die katholische Kirche empfiehlt zwar den regelmäßigen Empfang des Bußsakraments. Es ist aber niemand gezwungen, vor jedem Gottesdienst zu beichten. Dann gäbe es viel längere Beichtzeiten und die Leute würden vor den Beichtstühlen Schlange stehen. Habe ich noch nie beobachten können.
😀
Ich habe in meinem Leben ganze drei Male gebeichtet, zweimal als Kind und einmal freiwillig als Jugendliche im Rahmen eines Beichtgesprächs mit einem Franziskanerpater, zu dem ich großes Vertrauen hatte. Die meisten Katholiken gehen heute eh nur noch zu Bußgottesdiensten. Zur Beichte gehen eher die besonders Konservativen. So ist es bereits seit Jahrzehnten. Ich denke, das weißt du auch.
Das Nüchternheitsgebot gibt es - falls es überhaupt jemals existiert haben sollte - schon längst nicht mehr. Schon in meiner Kindheit - und ich gehe allmählich auf die 50 zu - hat mir nie jemand gesagt, ich dürfe vor der Kommunion nichts essen. Ich bin auch nicht ohne Frühstück zum Gottesdienst gegangen. Glaubst du ernsthaft, jeder Katholik, der etwa eine Abendmesse besucht, hätte den ganzen Tag über nichts gegessen und die Kirche würde das von ihm verlangen?!
🙄
Was du hier schilderst, sind Erfahrungen, die ich höchstens von meinen Eltern aus deren Kindheit in den 1920/30er Jahren (!), also lange vor dem II. Vatikanischen Konzil, erzählt bekam. Es wundert mich sehr, dass du all das als gerade mal 36-Jährige selbst erlebt haben willst...
Und ansonsten - es war jeden Sonntag dasselbe, immer die gleiche Leier der immergleichen Wörter - und es hat mich grenzenlos gelangweilt. 🙄
Mag sein. Mich aber (jedenfalls überwiegend) nicht. Vielleicht habe ich auch einfach nur Glück mit den Geistlichen in meiner Gemeinde gehabt. Vor allem aber mit Exerzitien (Besinnungstagen) für Jugendliche, die ich kurz vor dem Abi besucht habe und an die ich bis heute gern zurückdenke. Das war so ein Schlüsselerlebnis für mich. Spätestens seitdem sehe ich den Gottesdienst nicht mehr als Unterhaltungsveranstaltung an, die mir ein möglichst abwechslungsreiches, spannendes Programm bieten muss, damit ich hingehe. Wenn ich das will, bin ich bei Günter Jauch, Frank Elstner & Co. freilich besser aufgehoben.
😎