Was Einzelfall schreibt, fällt bei mir auf fruchtbaren Boden. Vor allem beginnt die Gedankenführung immer differenzierter zu werden. Es ist wenig förderlich, eine körperliche Bestrafung gleich als unzulässig abzutun. Natürlich ist der Rohrstock oder auch jede Art der Züchtigung angst- oder furchteinflößend. Ich kenne dabei nur die Seite des Bestraften. Es gibt in meinem näheren Freundeskreis den Fall, daß ein adoptierter Junge den neuen Vater solange provozierte, bis er ihn übers Knie legte. Der Junge wollte das ausdrücklich, weil er dann seinen Schmerz, der aus der Herkunftsfamilie stammte, entspannen konnte. Das Thema ist also weit differenzierter als es oft in der Öffentlichkeit behandelt wird.
Was für mich indiskutabel ist, wenn Eltern aus einer Hilflosigkeit und einer Unterlegenheit aus egoistischen Motiven heraus auf die Kinder einprügeln, damit vermeintliche Stärke demonstrieren oder sadistische Triebe ausagieren. Kommt leider oft genug vor. Das hat alles nichts mit einer Bestrafung zu tun. Das andere Extrem ist in meinen Augen ist eine grenzenlose Toleranz. Woran orientiert sich das Kind ? Wie gut, daß mir Grenzen aufgezeigt wurden von meinen Eltern. Eine ganz wertvolle Qualität ist die Pünktlichkeit, sie wurde mir förmlich eingebleut. Dazu erinnere ich mich an den Fall, als ich mal ein paar Minuten zu spät nach Hause kam. Unsere Familie ging freitags ins Hallenbad zum Schwimmen. Mein Vater erwartete, daß wir uns alle spätestens um 18 Uhr in der Wohnung einfanden. Ich war an dem Freitag etwas mehr mit meiner Aufmerksamkeit bei meinen Kumpels, so daß ich wenige Minuten nach 18 Uhr erst nach Hause kam. Ich sah meinen Vater schon von der Straße aus am Fenster, dachte mir aber nichts dabei. Er wird doch wegen 3 Minuten keinen großen Zirkus machen ! Weit gefehlt. Kaum war ich in der Wohnung, kam mein Vater auf mich zu, griff mich am Genick an, drückte mich nach unten und legte mich übers Knie. Es war wie völlig selbstverständlich, ich "bezahlte" eben für 3 Minuten Verspätung. Es gab nie Schläge auf den Nackten. Das alles wäre eher übergriffig. Der Hintern bekam seine Portion Schläge, dann war gut und die Familie fuhr zum Hallenbad, als wäre nichts geschehen. Die Schläge sind emotional längst vergessen, was geblieben ist, ist ein gesundes Verhältnis zur Pünktlichkeit, eine Grundeigenschaft, um in meinem Beruf erfolgreich zu sein.