Die Frage ist, ob man das überhaupt kann, und ob daran die eigene Haltung so viel ändern kann. Das erzählen einem all diese Gurus nämlich gerne, dass man es selbst in der Hand hätte. Warum sonst sollte man auch ihre Bücher, Seminare etc. kaufen? Wenn sie einem sagen würden, so wie du bist und wie die Welt ist, mit deinen Fähigkeiten wirst du im Leben nicht viel mehr erreichen können, als du heute schon hast - warum sollte ihnen irgendjemand was abkaufen. Sie verkaufen ja Träume. Und dass sich am System, am Staat, am Rahmen was ändern lässt, ist ja nicht glaubhaft. Daher bleibt den Gurus nur die Aussage übrig: Es liegt an dir, und ich sag dir, wie du es machen musst. Natürlich stimmt das ein Stückweit, dass es an einem selber liegt, aber nur ein Stückweit, und dieser Punkt wird von diesen Gurus (und nach meinem Gefühl in deinem Beitrag) überstrapaziert.
Als Realist kann man einschätzen, ob man fähig ist, in der Lage ist, eine Firma zu gründen, und ob die Rahmenbedingungen dafür stimmen. Ein Pessimist versäumt vielleicht eine Chance dazu. Und ein übertriebener Optimist gründet und ist nach kurzer Zeit pleite, weil die Voraussetzungen nie gestimmt haben, er aber meinte (oder von Gurus eingeredet bekam), er könne das große Ding drehen.
Natürlich geht es immer auch um die Einstellung, aber wie gesagt wird dieser Punkt gerne überstrapaziert. Ein Informatiker verdient nun mal in der Regel besser als eine ungelernte Reinigungskraft, Einstellung hin oder her. Und er kann sich auch eher selbständig machen. Dieses jeder-kann-es-schaffen ist einfach Quatsch bzw. Träume verkaufen, die meisten haben gar nicht die Voraussetzungen dazu, seien es Bildungs-, Fähigkeiten-, finanzielle oder soziale Voraussetzungen.
Bildung wird überschätzt. Das richtige Mindset wird unterschätzt.
Was habe ich in der Schule gelernt? Mathematik, Deutsch, Erdkunde, Physik, viel Theorie. Vorbereitet auf den Berufsalltag oder auf mein Leben war ich Null.
Rückblickend hätte ich mir mehr Praxis gewünscht. Was nützt es mir die dritte Ableitung zu bilden, die Luv Lage bei Bergen zu kennen oder die Bodenschätze Südamerikas?
Warum hat man nicht mal gezeigt wie man ein Unternehmen gründet? Wie man einen Mietvertrag macht oder wie man Geld anlegt?
Auch aus dem Elternhaus kommt sowas nicht. Man wird in einen "sicheren" Beruf gedrängt. Zentrum der Erziehung ist es meist keine Fehler zu machen. Fehler geben auch in der Schule schlechte Noten.
Welches Mindset erhalten Schüler? ->
Eigne dir viel theoretisches Wissen an, probiere nichts neues, meide die Praxis, meide Verantwortung, mache bloß keine Fehler, erlerne einen 08/15 Job und arbeite bis zur Rente oder du tot bist.
Ich habe 13 (!) Jahre gelernt und Abi gemacht mit einem Leistungs(!)kurs Wirtschaftswissenschaften. Ich habe sowas wie die Konjukturzyklen gelernt und durfte am Planspiel Börse mitmachen. Das hat mir nichts gebracht. Schlimmer noch: Nach dem Sparkassen-Planspiel Börse war ich fest davon überzeugt, dass Aktien Zockerei seien, denn so war das Spiel aufgebaut.
Ich hatte nach der Schule auch keinen Mut, sondern ich habe wie es mir Lehrer, Eltern und Großeltern geraten haben einen "sicheren Bürojob" gesucht. Ich habe mich auch nicht getraut mein Geld selber anzulegen.
Im Internationalen Vergleich haben die Deutschen eine extrem schlechte finanzielle Bildung und sie haben in allen Bereichen wenig Mut oder Eigeninitiative. Kaum ein westlichen Land, in dem so laut nach staatlicher Fürsorge gerufen wird. Ich kann nicht für alle sprechen, aber ich hätte mir von unserem Bildunssystem nicht nur theoretisches Wissen sondern Praxis und Mindset gewünscht. Mut, Motivation und die Freiheit durch Fehler zu lernen.
Wenn man davon ausgeht, dass die Aktien in nächster Zeit 40% an Wert verlieren, dann ist es doch kein schlechter Tipp, umzuschichten in Cash/Anleihen. Sobald die Aktien 40% an Wert verloren haben, kannst du sie ja dann wieder kaufen (zurück umschichten). Wenn du Anleihen für soo gefährlich hälst, dann nimm halt Cash, was vermutlich Festgeld bedeutet.
Theoretisch ja. Praktisch ist das Umschichten selten erfolgreich. An der Börse gibt es das Sprichwort
"Hin und her, Taschen leer" Die meisten Anleger schaffen es nicht die Werteinbrüche vorausszusehen. Es sind sogenannte "schwarze Schwäne", also Ereignisse, die für jeden vollkommen unerwartet kommen - oder hättest du mit Corona gerechnet? ^^
Google trifft aber eine Deflation. Eine anhaltende Krise / Depression wird den Wert eines Unternehmens, das v.a. von Werbung lebt, hart treffen. Damit dezimierst du dein Vermögen auch. Für die allermeisten Unternehmen deines Mixes gilt dasselbe. Geld / Anleihen verlieren ihren Wert nur dann, wenn es in dieser Zeit zum großen Crash kommt. Und selbst dann muss z.B. ein Währungsschnitt ja nicht bedeuten, dass das Geld völlig wertlos wird. Es kann ja auch ein Schnitt sein, bei dem man 60% des Wertes behält. Soviel wie ein Aktienindex, der um 40% gefallen ist.
Richtig. Deflation, Wirtschaftskrisen etc. können Unternehmensgewinne schmälern oder sogar zu Pleiten führen. Aber wie gesagt selbst unter Berücksichtigung aller Krisen sind Unternehmen die beste Anlage mit über 6% Rendite. Im worst case muss man Wirtschaftskrisen eben nur aussitzen.
Anleihen hingegen bringen dir wenn alles gut läuft derzeit um die 0%. Das ist bereits die Idealbetrachtung! Würdest du mir dein Geld geben wenn ich sage:
Wenn alles gut läuft, kriegst du es zurück. Wenn es schlecht läuft kriegst du nur 60%? 😀
Ich verstehe immer noch nicht, was man mit 80 Jahren mit einer Millionen Euro soll, wenn man nach einer durchschnittlichen Lebenserwartung von ~78 Jahren schon 2 Jahre tot ist.
😕
Die Rechnung muss jeder selber für sich machen. Es geht mir ja nur darum zu zeigen, was möglich ist. Man kann in Bausparverträge und Lebensversicherungen investieren und hat vielleicht zum Rentenantritt 20.000 € oder man investiert das selbe Geld in renditestarke Dinge und hat 50.000 €.
Es muss nicht Reichtum sein -wie ich gerne provokativ sage- Es geht um das Nutzen von Chancen. Um Mut. Um das Ausbrechen aus festen indoktrinierten Regeln, dass Aktienmärkte Zockerei seien oder man im Leben bloß nie Fehler machen dürfe.
Wer überdurchschnittliche Erfolge will, darf nicht tun, was der Durchschnitt einem rät. Wer Wohlstand will, darf nicht handeln wie Oma, Sparkasse und Freunde es einem raten.