In der Zeit 2002 – 2020 kam es "weltweit" zu unter 500 Wolfsangriffen auf Menschen.
Ca. 25 endeten dabei tödlich.
Auch wenn es nicht viele Vorfälle sind - sie beweisen aber, dass Wölfe sich mitnichten immer von sich aus unaggressiv Menschen gegenüber verhalten. Darunter sind nämlich auch einige Fälle, in denen die Wölfe Menschen schlichtweg als Beute betrachtet und aktiv angegriffen haben.
Was ja auch logisch ist. Wölfe sind Raubtiere, und Menschen passen ziemlich genau in ihr Beuteschema. Es wäre eher sehr verwunderlich, wenn sie sich anders verhalten würden.
Ich rechne jetzt nicht die Quote für Deutschland aus. 🙂
Es macht auch keinen Sinn, daraus eine Quote für Deutschland auszurechnen, denn die Bedingungen in den allermeisten Regionen, in denen Wölfe leben, sind ja ganz andere. Sie werden dort bejagt und können sich daher generell nicht vor Menschen sicher fühlen. Ihr Verbreitungsgebiet beschränkt sich hauptsächlich auf weitläufige Naturräume, in denen wenige Menschen anzutreffen sind, so dass Begegnungen schon per se selten sind. In der Nähe menschlicher Ansiedlungen werden Wölfe in aller Regel nicht geduldet, sondern konsequent davon ferngehalten, überwiegend, indem sie unverzüglich getötet werden. Ebenso, wenn sie sich über Nutztiere hermachen. In von Menschen stärker geprägten und dichter besiedelten Gegenden sowieso. Solche Maßnahmen haben natürlich zur Folge, dass Menschen und Wölfe nicht oft zusammentreffen, und dass Wölfe sich Menschen gegenüber - unter solchen Bedingungen! - in der Regel scheu verhalten.
Und jetzt vergleich das doch bitte mal mit Deutschland. Hier dürfen sich Wölfe momentan ausbreiten, wie sie wollen. Vollkommen ungehindert und ungefährdet.
Wenn Nutz-/Haustiere gerissen werden oder keine ausreichende Distanz zu Menschen gewahrt wird, muss erst umständlich geprüft und festgestellt werden, ob es wirklich ein Wolf war und um welches Tier genau es sich handelt, bis es dann in Einzelfällen, vorausgesetzt, es lässt sich genügend sicher ermitteln, nach etlichen Wochen oder Monaten eventuell "entnommen" werden darf... ob das gelingt, ist dann noch die andere Frage. Bis dahin hat ein auffälliger Wolf aber die Gelegenheit zu weiteren Übergriffen und zur Weitergabe seiner Erfahrungen an Rudelmitglieder und Nachkommen. Dass das keine geeignete Methode sein kann, Wölfe wirksam und dauerhaft dazu zu bringen, ausreichende Distanz zu wahren, ist wohl offensichtlich.
Dennoch ist auch in Deutschland bisher wenig passiert. Stimmt. Aber woran liegt das - und kann man wirklich davon ausgehen, dass das so bleibt?
Dabei muss man berücksichtigen, dass es in Deutschland ja noch nicht sehr lange eine nennenswerte Anzahl an Wölfen gibt.
Bis 2004 gab es überhaupt nur ein Rudel, in unmittelbarer Nähe der polnischen Grenze; erst 2005 entstand ein zweites Rudel.
2010/11 waren es sieben Rudel - sechs davon immer noch in der Lausitz, eines östlich von Magdeburg. Zusammen mit Paaren und Einzelwölfen etwa 70 Tiere. Inklusive geschätzter Dunkelziffer von etwa 20 bis 30 Prozent vielleicht
90 Individuen.
Dann nahm das Ganze langsam Fahrt auf:
2015/16:
47 Rudel, 21 Paare, 4 territoriale Einzeltiere. In 45 Rudeln wurde Reproduktion nachgewiesen, insgesamt wurden 177 Welpen bestätigt (4 Rudel überschreiten Bundeslandgrenzen).
Die territorialen Wölfe kamen in 7 Bundesländern vor:
Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen.
Grob geschätzt, macht das 380 Tiere - plus Dunkelziffer ca.
470 Individuen.
2020/21:
159 Rudel, 38 Paare, 22 territoriale Einzeltiere. In 153 Rudeln wurde Reproduktion nachgewiesen, insgesamt wurden 575 Welpen bestätigt (18 Rudel überschreiten Bundeslandgrenzen).
Die territorialen Wölfe kamen in 10 Bundesländern vor:
Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen.
In etwa also 1200 Tiere - plus Dunkelziffer ungefähr
1500 Individuen.
2022/23 (vorläufige Zahlen):
184 Rudel, 48 Paare, 22 territoriale Einzeltiere. In 169 Rudeln wurde Reproduktion nachgewiesen, insgesamt wurden 636 Welpen bestätigt (17 Rudel überschreiten Bundeslandgrenzen).
Die territorialen Wölfe kamen in 12 Bundesländern vor:
Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen.
Macht ca. 1400 Tiere - inklusive Dunkelziffer ist man bei etwa
1750 Individuen.
Wobei ich für diese Berechnung angenommen habe, dass ein Rudel im Durchschnitt aus 7 Tieren besteht... was nach dem, was ich dazu gelesen habe, eher noch niedrig geschätzt ist. Es ist also überhaupt nicht übertrieben, von einer derzeitigen Gesamtzahl von rund 2000 Wölfen in Deutschland auszugehen. Und es ist auch nicht übertrieben, in absehbarer Zeit eine flächendeckende Verbreitung und einen fünfstelligen Bestand des Wolfes in Deutschland zu erwarten.
Wir werden also in Deutschland erst in den letzten Jahren mit einer wirklich nennenswert großen Anzahl an Wölfen konfrontiert. Und auch erst in den letzten Jahren hat die Anzahl an Nutztierschäden und Berichten von sich wenig scheu verhaltenden Wölfen stark zugenommen.
Unter diesen immer zahlreicher werdenden Wölfen wird der Prozentsatz derjenigen Tiere, die Menschen noch als gefährlich erlebt haben, dementsprechend scheu sind und diese Erfahrung auch an ihren Nachwuchs weitergeben, mit fortschreitender Zeit immer geringer. Und der Prozentsatz der Tiere, die Menschen als harmlos, gleichzeitig aber interessant erleben, weil sich in ihrer Nähe allerlei Fressbares finden lässt, und dies den Jungtieren beibringen, wird immer größer. Zudem werden die wolfsgeeigneten Reviere knapper, die Konkurrenz um Nahrung stärker, der Anpassungsdruck steigt.
Was das mit einiger Wahrscheinlichkeit zur Folge haben wird, lässt sich doch leicht absehen. Und dann wird eben auch klar, dass der bisherige Umgang mit der Rückkehr der Wölfe nach Deutschland gründlich überdacht und angepasst werden muss. Was auch passieren wird, da bin ich sicher.
Wer Angst vor Wölfen hat, sollte sich damit auseinandersetzen, wie er richtig reagiert, wenn
er einen trifft. Das dürfte ja nicht so schwierig sein. Vor einem Wildschwein hätte ich wesentlich
mehr Angst. Aber das trägt ja auch keinen Mythos wie der ach so böse Wolf herum
Wildschweine sind mit Sicherheit auch nicht ungefährlich. Sagt ja auch keiner.
Aber Wildschweine sind keine
Raubtiere. Anders als bei Wölfen muss man bei ihnen
mit absoluter Sicherheit nicht einkalkulieren, dass sie einen Menschen oder ein Tier, mit dem der Mensch gerade unterwegs ist, für eine leckere Mahlzeit halten könnten. Sie können daher kein Interesse daran haben, sich ihnen initiativ zu nähern, sie auszukundschaften, ihnen hartnäckig zu folgen, auszutesten, wie wehrhaft sie sind usw.. Einfach, weil sie keinen Vorteil davon haben. Einen Grund zum Angriff haben sie nur, wenn sie sich bedroht fühlen, man ihnen und ihrem Nachwuchs zu nahe kommt, sie beim Fressen stört, vertreiben will oder Ähnliches. Und da sie groß, kräftig und entsprechend selbstbewusst sind, ist ihre Reizschwelle da nicht allzu hoch und ihre Zündschnur eher kurz... das räume ich gerne ein. ^^
Trotzdem sind sie aber mit Wölfen nicht zu vergleichen. Nicht, weil Wölfe "böse" wären - sondern weil es sich um sehr unterschiedliche Tierarten mit unterschiedlicher Lebensweise handelt.