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Wölfe siedeln sich wieder an..

Ich wollte nur den Widerspruch hervorheben, Hunde müssen im Park an der Leine gehalten werden oder einige müssen gar einen Maulkorb tragen und der Wolf (das Urtier) darf frei wildern.
Maulkorb ist dann Vorschrift, wenn der Hund jederzeit unkontrolliert über andere Hunde oder über Menschen herfallen kann. Und Parks in denen sich Menschen aufhalten, Jogger durchlaufen, Kinder spielen (und alle wollen keine Hundekacke im Gras!) sind nun mal keine Hundelaufwiesen. Landwirtschaftliche Flächen übrigens genausowenig, weil Hunde mit ihrem Kot Krankheitserreger übertragen können, die bei Rindern z.B. Fehlgeburten und Unfruchtbarkeit hervorrufen.
Auch in Wäldern haben wildernde Hunde nichts verloren. Wer seinen Hund nicht ernähren kann oder will, soll sich keinen anschaffen oder ihn ins Tierheim geben.

Wenn Wölfe von Menschen gefüttert werden, trauen sie sich auch näher heran. Hat dann was mit dem Fehlverhalten der Menschen zu tun und dem Wolf ist da keine Schuld zuzuweisen.
Zum "anfüttern" reicht schon, wenn Spaziergänger, Touristen, Waldarbeiter oder andere Waldgänger Lebensmittelabfälle hinterlassen oder illegal Müll im Wald entsorgen, auch so lernt der Wolf, Menschengeruch mit Futter zu assoziieren.
 
Nur sollte man sich klar machen, dass es nicht einen einzigen auch nur ansatzweisen Angriff von Wölfen auf den Menschen gibt. Auch nicht, wenn die Tiere mal durch ein Dorf laufen.
Klar wird es Wolfsbegegnungen geben und gibt es auch jetzt schon. Man sollte es auch richtig einordnen, denn es gab bisher keinen Angriff von einem Wolf auf einen Menschen in Deutschland.
Ja, bisher. Es ist ja auch noch nicht so lange her, dass Wölfe sich in Deutschland ausbreiten und seitdem die Erfahrung machen, von Menschen überhaupt nichts befürchten zu müssen. Wieso geht ihr davon aus, dass sie auch unter diesen neuen Bedingungen dauerhaft zurückhaltend bleiben würden... ohne einen guten Grund dafür zu haben?

Ich denke der Reiz für den Wolf war eher nicht der Mensch sondern der Hund und zwar nicht als Beute sondern als Artverwandter (Vermutung meinerseits).
In dem Video zeigt der Wolf Neugier und keinerlei aggressives Verhalten. Es scheint auch so, dass der Wolf auf seinem Weg gestört wurde, denn in dem Video ist zu sehen, dass der Wolf nachdem queren des Weges auch gleich weiterzog.
Der Wolf zeigt deutliches Interesse und hat offensichtlich keine Angst, sondern nähert sich der Frau mit ihrem Hund mehrfach bis auf eine ziemlich kurze Distanz. Und auch, wenn er schließlich abzieht... er lernt dabei doch: "Ok, diese komischen Gestalten sind harmlos... wenn ich Bock hab, kann ich mir die bei nächster Gelegenheit auch noch mal genauer ansehen".

Willst Du mich da absichtlich Missverstehen?
Wildunfälle können passieren, wenn Wildtiere Strassen queren. Das hat doch nicht mit einer beabsichtigten reduzierung des Wolfsbestand zu tun.
Es ist traurig für jedes Tier das im Strassenverkehr umkommt. Aber es ist einfach Fakt, dass solche Unfälle passieren!
Ich verstehe nicht so ganz, was dir an meiner Antwort unklar ist. Aber egal - man braucht nicht weiter darüber zu diskutieren, denn allein Wildunfälle werden den Wolfsbestand sicherlich nicht auf einem genügend niedrigen Level halten.

Der Wolf ist von Natur aus eher scheu.
Das ist eine Tatsache die auch ausreichend bewiesen ist.
Na, bisher behauptest du das nur. Wo sind denn die Beweise? 🙂

Mir fällt spontan kein großes, kräftiges, erfolgreiches Raubtier ein, das in seinem Lebensraum keine ernstzunehmenden Feinde/Konkurrenten hat... aber trotzdem "von Natur aus" Scheu vor Menschen zeigen und vor ihnen Reißaus nehmen würde. Warum sollte ein Löwe, Tiger, Leopard oder Bär denn auch Angst vor so einem jämmerlich schwachen Wesen wie einem unbewaffneten Menschen haben? Das macht doch überhaupt keinen Sinn. Und ich wüsste nicht, wieso der Wolf da mystischerweise eine Ausnahme darstellen sollte...

Wie kommst Du auf den Gedanken, dass eine Selbstregulierung nicht funktionieren sollte?
Es ist doch allgemein bekannt, dass die Natur da schon reguliert. Nahrungsangebot, Krankheiten usw.!
Naja, irgendwie funktioniert sie natürlich. ^^ Ich meinte: Sie wird nicht auf eine Art und Weise funktionieren, die genügend menschliche Bewohner desselben Lebensraums als zumutbar ansehen. 🙂
 
Bis zu einer tatsächlich notwendigen Regulierung des Wolfbestandes wird noch einige Zeit ins Land ziehen.
Sollte sie überhaupt mal notwendig sein!?!?!
In den allermeisten Forderungen ist auch nicht von einer tatsächlichen Regulierung die Sprache, sondern die gezielte Entnahme von auffällig gewordenen Einzeltieren.
Nein, gezielte Entnahmen auffälliger Tiere gibt es ja jetzt schon. Das soll zukünftig schneller bewilligt und umgesetzt werden. Außerdem geht es aber auch darum, die Anzahl der Wölfe gezielt zu steuern. Und ich denke, eine solche Regulierung wird auch ziemlich bald kommen. Die Europäische Kommission hat sich ja bereits dafür ausgesprochen, den Schutzstatus herabzusetzen:


Eine solche Herabstufung von "streng geschützt" zu "geschützt" hätte u.a. auch zur Folge, dass eine Bejagung leichter möglich wäre. Und mein Eindruck ist, dass es in Deutschland dann nicht mehr allzulange dauern wird, bis das in die Tat umgesetzt wird.

Du verleugnest einiges in deinem Beitrag das einfache Tatsachen sind und stellst sie dann auf Grund deines Gefühls in Frage.
Äh, nein. (Das tust eher du, scheint mir... 😉)

Du schätzt es anders ein wie ich und das ist auch dein gutes Recht!
Schauen wir was die Zukunft bringt!
👍 🙂
 
In der Zeit 2002 – 2020 kam es "weltweit" zu unter 500 Wolfsangriffen auf Menschen.
Ca. 25 endeten dabei tödlich.
Auch wenn es nicht viele Vorfälle sind - sie beweisen aber, dass Wölfe sich mitnichten immer von sich aus unaggressiv Menschen gegenüber verhalten. Darunter sind nämlich auch einige Fälle, in denen die Wölfe Menschen schlichtweg als Beute betrachtet und aktiv angegriffen haben.

Was ja auch logisch ist. Wölfe sind Raubtiere, und Menschen passen ziemlich genau in ihr Beuteschema. Es wäre eher sehr verwunderlich, wenn sie sich anders verhalten würden.

Ich rechne jetzt nicht die Quote für Deutschland aus. 🙂
Es macht auch keinen Sinn, daraus eine Quote für Deutschland auszurechnen, denn die Bedingungen in den allermeisten Regionen, in denen Wölfe leben, sind ja ganz andere. Sie werden dort bejagt und können sich daher generell nicht vor Menschen sicher fühlen. Ihr Verbreitungsgebiet beschränkt sich hauptsächlich auf weitläufige Naturräume, in denen wenige Menschen anzutreffen sind, so dass Begegnungen schon per se selten sind. In der Nähe menschlicher Ansiedlungen werden Wölfe in aller Regel nicht geduldet, sondern konsequent davon ferngehalten, überwiegend, indem sie unverzüglich getötet werden. Ebenso, wenn sie sich über Nutztiere hermachen. In von Menschen stärker geprägten und dichter besiedelten Gegenden sowieso. Solche Maßnahmen haben natürlich zur Folge, dass Menschen und Wölfe nicht oft zusammentreffen, und dass Wölfe sich Menschen gegenüber - unter solchen Bedingungen! - in der Regel scheu verhalten.

Und jetzt vergleich das doch bitte mal mit Deutschland. Hier dürfen sich Wölfe momentan ausbreiten, wie sie wollen. Vollkommen ungehindert und ungefährdet.

Wenn Nutz-/Haustiere gerissen werden oder keine ausreichende Distanz zu Menschen gewahrt wird, muss erst umständlich geprüft und festgestellt werden, ob es wirklich ein Wolf war und um welches Tier genau es sich handelt, bis es dann in Einzelfällen, vorausgesetzt, es lässt sich genügend sicher ermitteln, nach etlichen Wochen oder Monaten eventuell "entnommen" werden darf... ob das gelingt, ist dann noch die andere Frage. Bis dahin hat ein auffälliger Wolf aber die Gelegenheit zu weiteren Übergriffen und zur Weitergabe seiner Erfahrungen an Rudelmitglieder und Nachkommen. Dass das keine geeignete Methode sein kann, Wölfe wirksam und dauerhaft dazu zu bringen, ausreichende Distanz zu wahren, ist wohl offensichtlich.

Dennoch ist auch in Deutschland bisher wenig passiert. Stimmt. Aber woran liegt das - und kann man wirklich davon ausgehen, dass das so bleibt?

Dabei muss man berücksichtigen, dass es in Deutschland ja noch nicht sehr lange eine nennenswerte Anzahl an Wölfen gibt.

Bis 2004 gab es überhaupt nur ein Rudel, in unmittelbarer Nähe der polnischen Grenze; erst 2005 entstand ein zweites Rudel.

2010/11 waren es sieben Rudel - sechs davon immer noch in der Lausitz, eines östlich von Magdeburg. Zusammen mit Paaren und Einzelwölfen etwa 70 Tiere. Inklusive geschätzter Dunkelziffer von etwa 20 bis 30 Prozent vielleicht 90 Individuen.

Dann nahm das Ganze langsam Fahrt auf:

2015/16:
47 Rudel, 21 Paare, 4 territoriale Einzeltiere. In 45 Rudeln wurde Reproduktion nachgewiesen, insgesamt wurden 177 Welpen bestätigt (4 Rudel überschreiten Bundeslandgrenzen).
Die territorialen Wölfe kamen in 7 Bundesländern vor:
Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen.
Grob geschätzt, macht das 380 Tiere - plus Dunkelziffer ca. 470 Individuen.

2020/21:
159 Rudel, 38 Paare, 22 territoriale Einzeltiere. In 153 Rudeln wurde Reproduktion nachgewiesen, insgesamt wurden 575 Welpen bestätigt (18 Rudel überschreiten Bundeslandgrenzen).
Die territorialen Wölfe kamen in 10 Bundesländern vor:
Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen.
In etwa also 1200 Tiere - plus Dunkelziffer ungefähr 1500 Individuen.

2022/23 (vorläufige Zahlen):
184 Rudel, 48 Paare, 22 territoriale Einzeltiere. In 169 Rudeln wurde Reproduktion nachgewiesen, insgesamt wurden 636 Welpen bestätigt (17 Rudel überschreiten Bundeslandgrenzen).
Die territorialen Wölfe kamen in 12 Bundesländern vor:
Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen.
Macht ca. 1400 Tiere - inklusive Dunkelziffer ist man bei etwa 1750 Individuen.

Wobei ich für diese Berechnung angenommen habe, dass ein Rudel im Durchschnitt aus 7 Tieren besteht... was nach dem, was ich dazu gelesen habe, eher noch niedrig geschätzt ist. Es ist also überhaupt nicht übertrieben, von einer derzeitigen Gesamtzahl von rund 2000 Wölfen in Deutschland auszugehen. Und es ist auch nicht übertrieben, in absehbarer Zeit eine flächendeckende Verbreitung und einen fünfstelligen Bestand des Wolfes in Deutschland zu erwarten.

Wir werden also in Deutschland erst in den letzten Jahren mit einer wirklich nennenswert großen Anzahl an Wölfen konfrontiert. Und auch erst in den letzten Jahren hat die Anzahl an Nutztierschäden und Berichten von sich wenig scheu verhaltenden Wölfen stark zugenommen.

Unter diesen immer zahlreicher werdenden Wölfen wird der Prozentsatz derjenigen Tiere, die Menschen noch als gefährlich erlebt haben, dementsprechend scheu sind und diese Erfahrung auch an ihren Nachwuchs weitergeben, mit fortschreitender Zeit immer geringer. Und der Prozentsatz der Tiere, die Menschen als harmlos, gleichzeitig aber interessant erleben, weil sich in ihrer Nähe allerlei Fressbares finden lässt, und dies den Jungtieren beibringen, wird immer größer. Zudem werden die wolfsgeeigneten Reviere knapper, die Konkurrenz um Nahrung stärker, der Anpassungsdruck steigt.

Was das mit einiger Wahrscheinlichkeit zur Folge haben wird, lässt sich doch leicht absehen. Und dann wird eben auch klar, dass der bisherige Umgang mit der Rückkehr der Wölfe nach Deutschland gründlich überdacht und angepasst werden muss. Was auch passieren wird, da bin ich sicher.

Wer Angst vor Wölfen hat, sollte sich damit auseinandersetzen, wie er richtig reagiert, wenn
er einen trifft. Das dürfte ja nicht so schwierig sein. Vor einem Wildschwein hätte ich wesentlich
mehr Angst. Aber das trägt ja auch keinen Mythos wie der ach so böse Wolf herum
Wildschweine sind mit Sicherheit auch nicht ungefährlich. Sagt ja auch keiner.

Aber Wildschweine sind keine Raubtiere. Anders als bei Wölfen muss man bei ihnen mit absoluter Sicherheit nicht einkalkulieren, dass sie einen Menschen oder ein Tier, mit dem der Mensch gerade unterwegs ist, für eine leckere Mahlzeit halten könnten. Sie können daher kein Interesse daran haben, sich ihnen initiativ zu nähern, sie auszukundschaften, ihnen hartnäckig zu folgen, auszutesten, wie wehrhaft sie sind usw.. Einfach, weil sie keinen Vorteil davon haben. Einen Grund zum Angriff haben sie nur, wenn sie sich bedroht fühlen, man ihnen und ihrem Nachwuchs zu nahe kommt, sie beim Fressen stört, vertreiben will oder Ähnliches. Und da sie groß, kräftig und entsprechend selbstbewusst sind, ist ihre Reizschwelle da nicht allzu hoch und ihre Zündschnur eher kurz... das räume ich gerne ein. ^^

Trotzdem sind sie aber mit Wölfen nicht zu vergleichen. Nicht, weil Wölfe "böse" wären - sondern weil es sich um sehr unterschiedliche Tierarten mit unterschiedlicher Lebensweise handelt.
 
Auch wenn es nicht viele Vorfälle sind - sie beweisen aber, dass Wölfe sich mitnichten immer von sich aus unaggressiv Menschen gegenüber verhalten. Darunter sind nämlich auch einige Fälle, in denen die Wölfe Menschen schlichtweg als Beute betrachtet und aktiv angegriffen haben.

Was ja auch logisch ist. Wölfe sind Raubtiere, und Menschen passen ziemlich genau in ihr Beuteschema. Es wäre eher sehr verwunderlich, wenn sie sich anders verhalten würden.
Was soll man darauf argumentieren? Jeder weiß, dass ein Wolf ein Raubtier ist. Allerdings gibt es eben auch verschiedene Arten von Wölfen. Und man muss eben auch das Umfeld betrachten, indem Wölfe leben.

Wir könnten auch über Raubvögel sprechen, über Bären. Aber die Gefahr, dass du durch einen Menschen verletzt wirst, ist enorm höher, als durch einen Wolf. Im Grunde tendiert die Wolfsgefahr derzeit "fast" gegen Null. Wo sind denn die durch die Wölfe produzierten Opfer? In was für Zahlengrößen bewegen wir uns
da? Was ist der Unterschied zwischen Verhältnismäßigkeit und Hysterie?
Also eine Landstraße ist da wesentlich gefährlicher, wenn du dir mal die plattgefahren Tiere anschaust.
Menschen natürlich eingeschlossen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Es macht auch keinen Sinn, daraus eine Quote für Deutschland auszurechnen, denn die Bedingungen in den allermeisten Regionen, in denen Wölfe leben, sind ja ganz andere. Sie werden dort bejagt und können sich daher generell nicht vor Menschen sicher fühlen. Ihr Verbreitungsgebiet beschränkt sich hauptsächlich auf weitläufige Naturräume, in denen wenige Menschen anzutreffen sind, so dass Begegnungen schon per se selten sind. In der Nähe menschlicher Ansiedlungen werden Wölfe in aller Regel nicht geduldet, sondern konsequent davon ferngehalten, überwiegend, indem sie unverzüglich getötet werden. Ebenso, wenn sie sich über Nutztiere hermachen. In von Menschen stärker geprägten und dichter besiedelten Gegenden sowieso. Solche Maßnahmen haben natürlich zur Folge, dass Menschen und Wölfe nicht oft zusammentreffen, und dass Wölfe sich Menschen gegenüber - unter solchen Bedingungen! - in der Regel scheu verhalten.
Es gibt für Deutschland keine Quote. Die würde sich bei annähernd Null bewegen. Was ich übrigens
ja auch ausgedrückt habe.
Da es unterschiedliche Wolfsarten gibt, sind solche Verallgemeinerungen etwas irreführend. Nur meine
Meinung.
 
Im Grunde tendiert die Wolfsgefahr "fast" gegen Null.
Zukünftig, wenn der Umgang mit dem Wolf so bleibt wie bisher? Hm... das glaube ich nicht.

Ich kann da schlecht eine konkrete Zahl nennen. Und sicherlich sind alle möglichen anderen Gefahren trotzdem noch viel wahrscheinlicher. Aber von "gegen Null" würde ich in diesem Zusammenhang jedenfalls nicht reden.
 
Auch wenn es nicht viele Vorfälle sind - sie beweisen aber, dass Wölfe sich mitnichten immer von sich aus unaggressiv Menschen gegenüber verhalten. Darunter sind nämlich auch einige Fälle, in denen die Wölfe Menschen schlichtweg als Beute betrachtet und aktiv angegriffen haben.

Was ja auch logisch ist. Wölfe sind Raubtiere, und Menschen passen ziemlich genau in ihr Beuteschema. Es wäre eher sehr verwunderlich, wenn sie sich anders verhalten würden.


Es macht auch keinen Sinn, daraus eine Quote für Deutschland auszurechnen, denn die Bedingungen in den allermeisten Regionen, in denen Wölfe leben, sind ja ganz andere. Sie werden dort bejagt und können sich daher generell nicht vor Menschen sicher fühlen. Ihr Verbreitungsgebiet beschränkt sich hauptsächlich auf weitläufige Naturräume, in denen wenige Menschen anzutreffen sind, so dass Begegnungen schon per se selten sind. In der Nähe menschlicher Ansiedlungen werden Wölfe in aller Regel nicht geduldet, sondern konsequent davon ferngehalten, überwiegend, indem sie unverzüglich getötet werden. Ebenso, wenn sie sich über Nutztiere hermachen. In von Menschen stärker geprägten und dichter besiedelten Gegenden sowieso. Solche Maßnahmen haben natürlich zur Folge, dass Menschen und Wölfe nicht oft zusammentreffen, und dass Wölfe sich Menschen gegenüber - unter solchen Bedingungen! - in der Regel scheu verhalten.

Und jetzt vergleich das doch bitte mal mit Deutschland. Hier dürfen sich Wölfe momentan ausbreiten, wie sie wollen. Vollkommen ungehindert und ungefährdet.

Wenn Nutz-/Haustiere gerissen werden oder keine ausreichende Distanz zu Menschen gewahrt wird, muss erst umständlich geprüft und festgestellt werden, ob es wirklich ein Wolf war und um welches Tier genau es sich handelt, bis es dann in Einzelfällen, vorausgesetzt, es lässt sich genügend sicher ermitteln, nach etlichen Wochen oder Monaten eventuell "entnommen" werden darf... ob das gelingt, ist dann noch die andere Frage. Bis dahin hat ein auffälliger Wolf aber die Gelegenheit zu weiteren Übergriffen und zur Weitergabe seiner Erfahrungen an Rudelmitglieder und Nachkommen. Dass das keine geeignete Methode sein kann, Wölfe wirksam und dauerhaft dazu zu bringen, ausreichende Distanz zu wahren, ist wohl offensichtlich.

Dennoch ist auch in Deutschland bisher wenig passiert. Stimmt. Aber woran liegt das - und kann man wirklich davon ausgehen, dass das so bleibt?

Dabei muss man berücksichtigen, dass es in Deutschland ja noch nicht sehr lange eine nennenswerte Anzahl an Wölfen gibt.

Bis 2004 gab es überhaupt nur ein Rudel, in unmittelbarer Nähe der polnischen Grenze; erst 2005 entstand ein zweites Rudel.

2010/11 waren es sieben Rudel - sechs davon immer noch in der Lausitz, eines östlich von Magdeburg. Zusammen mit Paaren und Einzelwölfen etwa 70 Tiere. Inklusive geschätzter Dunkelziffer von etwa 20 bis 30 Prozent vielleicht 90 Individuen.

Dann nahm das Ganze langsam Fahrt auf:

2015/16:
47 Rudel, 21 Paare, 4 territoriale Einzeltiere. In 45 Rudeln wurde Reproduktion nachgewiesen, insgesamt wurden 177 Welpen bestätigt (4 Rudel überschreiten Bundeslandgrenzen).
Die territorialen Wölfe kamen in 7 Bundesländern vor:
Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen.
Grob geschätzt, macht das 380 Tiere - plus Dunkelziffer ca. 470 Individuen.

2020/21:
159 Rudel, 38 Paare, 22 territoriale Einzeltiere. In 153 Rudeln wurde Reproduktion nachgewiesen, insgesamt wurden 575 Welpen bestätigt (18 Rudel überschreiten Bundeslandgrenzen).
Die territorialen Wölfe kamen in 10 Bundesländern vor:
Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen.
In etwa also 1200 Tiere - plus Dunkelziffer ungefähr 1500 Individuen.

2022/23 (vorläufige Zahlen):
184 Rudel, 48 Paare, 22 territoriale Einzeltiere. In 169 Rudeln wurde Reproduktion nachgewiesen, insgesamt wurden 636 Welpen bestätigt (17 Rudel überschreiten Bundeslandgrenzen).
Die territorialen Wölfe kamen in 12 Bundesländern vor:
Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen.
Macht ca. 1400 Tiere - inklusive Dunkelziffer ist man bei etwa 1750 Individuen.

Wobei ich für diese Berechnung angenommen habe, dass ein Rudel im Durchschnitt aus 7 Tieren besteht... was nach dem, was ich dazu gelesen habe, eher noch niedrig geschätzt ist. Es ist also überhaupt nicht übertrieben, von einer derzeitigen Gesamtzahl von rund 2000 Wölfen in Deutschland auszugehen. Und es ist auch nicht übertrieben, in absehbarer Zeit eine flächendeckende Verbreitung und einen fünfstelligen Bestand des Wolfes in Deutschland zu erwarten.

Wir werden also in Deutschland erst in den letzten Jahren mit einer wirklich nennenswert großen Anzahl an Wölfen konfrontiert. Und auch erst in den letzten Jahren hat die Anzahl an Nutztierschäden und Berichten von sich wenig scheu verhaltenden Wölfen stark zugenommen.

Unter diesen immer zahlreicher werdenden Wölfen wird der Prozentsatz derjenigen Tiere, die Menschen noch als gefährlich erlebt haben, dementsprechend scheu sind und diese Erfahrung auch an ihren Nachwuchs weitergeben, mit fortschreitender Zeit immer geringer. Und der Prozentsatz der Tiere, die Menschen als harmlos, gleichzeitig aber interessant erleben, weil sich in ihrer Nähe allerlei Fressbares finden lässt, und dies den Jungtieren beibringen, wird immer größer. Zudem werden die wolfsgeeigneten Reviere knapper, die Konkurrenz um Nahrung stärker, der Anpassungsdruck steigt.

Was das mit einiger Wahrscheinlichkeit zur Folge haben wird, lässt sich doch leicht absehen. Und dann wird eben auch klar, dass der bisherige Umgang mit der Rückkehr der Wölfe nach Deutschland gründlich überdacht und angepasst werden muss. Was auch passieren wird, da bin ich sicher.


Wildschweine sind mit Sicherheit auch nicht ungefährlich. Sagt ja auch keiner.

Aber Wildschweine sind keine Raubtiere. Anders als bei Wölfen muss man bei ihnen mit absoluter Sicherheit nicht einkalkulieren, dass sie einen Menschen oder ein Tier, mit dem der Mensch gerade unterwegs ist, für eine leckere Mahlzeit halten könnten. Sie können daher kein Interesse daran haben, sich ihnen initiativ zu nähern, sie auszukundschaften, ihnen hartnäckig zu folgen, auszutesten, wie wehrhaft sie sind usw.. Einfach, weil sie keinen Vorteil davon haben. Einen Grund zum Angriff haben sie nur, wenn sie sich bedroht fühlen, man ihnen und ihrem Nachwuchs zu nahe kommt, sie beim Fressen stört, vertreiben will oder Ähnliches. Und da sie groß, kräftig und entsprechend selbstbewusst sind, ist ihre Reizschwelle da nicht allzu hoch und ihre Zündschnur eher kurz... das räume ich gerne ein. ^^

Trotzdem sind sie aber mit Wölfen nicht zu vergleichen. Nicht, weil Wölfe "böse" wären - sondern weil es sich um sehr unterschiedliche Tierarten mit unterschiedlicher Lebensweise handelt.

Wildschweine greifen aber wesentlich öfter auch Menschen an und nicht selten mit tödlichem Ausgang für den Menschen.
Wölfe haben etwas von Scharfschützern, sie verfolgen dich in einem Abstand vieler Kilometer und ziehen den Kreis im enger bis sie vor einem stehen. Scharfschützen verfahren in gewisser Weise ähnlich.
 

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