Warum immer töten? Wie wäre es mit Kastration? Oder geht das bei Rudeltieren nicht gut?
Den Gedanken finde ich interessant... aber das ist anscheinend keine Option, die ernsthaft in Betracht gezogen wird. Ich habe mal versucht, mich dazu zu belesen, und diesen Text hier gefunden:
"In Bezug auf die Regulierung der Wolfspopulation kämen zum einen chemische oder operative Me-
thoden der Kastration in Betracht. Diese beeinflussen das Individuum hormonell, was starken Ein-
fluss auf das Rudel und die Rangordnung hätte und voraussichtlich mit extremen Auseinanderset-
zungen der Tiere untereinander einhergehen würde.
Im Hinblick auf eine medizinische Sterilisation der Fähen und Rüden liegen keine Erkenntnisse dazu
vor, welche gesundheitlichen Auswirkungen diese auf die Tiere haben könnte und welchen Einfluss
diese auf das Territorialverhalten hätte.
Allen Maßnahmen gemein ist, dass das richtige Individuum bzw. die richtigen Individuen gefangen
werden müssten. Die bisherigen praktischen Erfahrungen haben gezeigt, dass dieses nicht einfach
ist. Es dürfte sich voraussichtlich um einen Tierversuch handeln. Es liegen keine Erkenntnisse dazu
vor, wieviel Prozent der Population entsprechend unfruchtbar gemacht werden müssten, um den
gewünschten Effekt zu erzielen."
Quelle:
https://www.landtag-niedersachsen.de/drucksachen/drucksachen_19_02500/01001-01500/19-01407.pdf
Dann komm mal auf die Veranstaltungen gegen den Wolf. Da heißt es :''Der Wolf muss weg''. Und genau so meinen die es auch. Da werden die wildesten Storys erzählt, von Wölfen die vor Kindergärten aiftauchen und über Spielstraßen wandern, auf Friedhöfen Menschen in die Hände beißen etc.pp. Dabei stimmt da nichts von. Das ist Stimmungmache gegen den Wolf.
Beeinflußung der Stimmung durch Populistische Meldungen, Meinungen gegen den Wolf.
Kann man auch in Deutschland auf jeder Veranstaltung erleben wo es um den Wolf geht.
Statt sich darum zu kümmern wie man am besten mit dem Wolf leben kann, kommen immer wieder so Sprüche wie "wer braucht schon den Wolf", der gehört nicht hier her und soweiter".
Deshalb sollte mehr Aufklärung stattfinden!
Die Angst vor dem Wolf ist immer noch stark verbreitet.
Unsere Märchen sprechen da doch eine deutliche Sprache!
Es gibt mittlerweile etliche Berichte und auch Videoaufnahmen von Begegnungen mit Wölfen, die sich Menschen gegenüber nicht sehr scheu verhalten, sowie von Wölfen in Ortschaften oder in deren direkter Nähe. Denkt ihr wirklich, dass "nichts davon stimmt"? Das halte ich für sehr unwahrscheinlich. Und ich finde es absolut nachvollziehbar, dass Menschen besorgt sind, die sowas erleben.
Trotzdem ist die Akzeptanz in der Bevölkerung aber doch derzeit (noch) recht hoch. Auch Interessenverbände von Jägern, Bauern, Schäfern usw. fordern meines Wissens nicht, dass Wölfe in Deutschland wieder ganz verschwinden sollten. Sondern sie sprechen sich für eine Regulierung aus, so dass es weniger Konflikte mit Menschen gibt, der Wolfsbestand aber nicht gefährdet ist. Und dafür gibt es ja auch durchaus gute Argumente... insofern sehe ich darin überhaupt keine Stimmungsmache.
Ich beziehe mich auf Unfälle!
Was hat das dann mit tierschutzgerecht zu tun?
Es gibt immer wieder Wildunfälle.
Dein Gedanke war doch, dass durch Wildunfälle der Wolfsbestand reguliert würde. Überzählige Tiere würden dann also nicht erschossen... sondern kämen ohnehin unter die Räder. Sie würden sich aber doch erstmal weiter vermehren... dementsprechend mehr Unfälle gäbe es. Deshalb meine Frage, ob du das für tierschutzgerechter (im Sinne von
Tierleid vermeidend) hältst. Bei der Jagd wird immerhin versucht, die Tiere so schnell und schmerzlos wie möglich zu töten. Bei Wildunfällen dagegen sterben sie häufig nicht schnell, sondern laufen verletzt davon und gehen qualvoll zugrunde. Was soll daran besser sein?
Bei einer geringen Population fällt es dann mehr auf wenn welche bei einem Unfall sterben!
Lach, die Vermehrungsrate ist bei den beiden Tierarten auch etwas höher!
Die Vermehrungsrate von Wölfen ist auch nicht zu verachten: Anfang des Jahrtausends gab es ein Rudel und den ersten Nachwuchs in Deutschland, und im letzten Monitoringjahr, gut 20 Jahre später, wurden 1339 gesichert nachgewiesene Individuen registriert - mit der Dunkelziffer kann man also wohl von derzeit 1500 bis 2000 Tieren in Deutschland ausgehen. Ganz schön erfolgreich, würde ich sagen. ^^ Zudem führt die Lebensweise der Wölfe auch nicht zu einer besonders hohen Gefährdung durch den Straßenverkehr. Und sie sind clever. Es werden also mit Sicherheit nicht so viele Wölfe überfahren, dass der Bestand ohne weitere Regulierung auf einem gemäßigten Level bleibt... das ist vollkommen utopisch.
Grundsätzlich ist der Wolf auch unbejagt ein sehr scheues Tier.
Woher weißt du das? Woher sollen die Erfahrungswerte für eine solche Aussage stammen? Ein derart geschütztes, unbehelligtes Leben wie aktuell in Deutschland konnten Wölfe noch nie führen, seit es Menschen gibt. Noch nie hatten sie weniger zu befürchten, wenn sie Menschen begegnen. Also warum sollten sie scheu sein und bleiben? Das ist doch unlogisch. So ein Verhalten ist ja nicht für immer festgelegt und unveränderlich... es beruht vor allem auch auf den Erfahrungen, die die Tiere machen. Und gerade Wölfe sind ja kluge, lernfähige, anpassungfähige Tiere. Ihnen wird mit Sicherheit auffallen, dass von den Menschen, denen sie heutzutage begegnen, überhaupt keine Gefahr ausgeht. Und ich halte es für ziemlich wahrscheinlich, dass sie dementsprechend dann auch ihr Verhalten ändern werden (bzw. die Verhaltensänderung bereits begonnen hat).
Da es, aber leider auch fehl geleitete Tierschützer gibt kam es schon vor, dass diese Menschen Wölfe angefüttert haben und damit die scheu vor Menschen reduziert haben. Das ist dann gefährlich!
Ja, das ist gefährlich. Aber trotz aller Aufklärung und auch trotz Strafen wird es immer Menschen geben, die sowas tun. Das muss man also einfach auch einkalkulieren.
Wie kommst Du auf die Idee, dass es in Deutschland jemals tausende von Elchen und Bären geben sollte???
Weil du Elche und Bären im Zusammenhang mit Wölfen nanntest - und von Letzteren gibt es nun mal bereits, grob geschätzt, bereits an die 2000 Individuen in Deutschland.
Da regelt die Natur schon einiges selbst.
Interessante Vorstellung... ich bin mir gerade unsicher, ob ich das live erleben möchte oder lieber doch nicht.
🙂
Wie gesagt, wir sind hier nicht in Alaska. Das mit der Selbstregulation von Populationen derart großer und gefährlicher Wildtiere wird hier nicht funktionieren.
Lach, den Luchse siehst Du nicht als problematisch an!
Gegen den Luchs wurde auch noch nie so eine Front aufgezogen wie gegen die Wölfe.
Da der Luchs auch Einzelgänger ist und sich still verhalten, fallen die viel weniger auf wie Wölfe, die auch mal heulen!
Genau, Luchse sind Einzelgänger - und u.a. deshalb auch weniger gefährlich als im Rudel lebende und jagende Wölfe. Sie sind kleiner und leichter als Wölfe. Ihre Beute sind hauptsächlich Kleintiere, Nagetiere, Kaninchen... maximal Rehe. Sie leben in größeren Waldgebieten und entfernen sich kaum von dort. Sie sind nicht solche Opportunisten wie Wölfe... weitaus weniger konkurrenzfähig und erfolgreich in Reproduktion und Verbreitung. Trotz Unterstützung durch wiederholte Ansiedlungsprojekte seit den 1970er Jahren gibt es derzeit in Deutschland etwa 200 Luchse. Das ist ein himmelweiter Unterschied zu Wölfen...
Wir leben in einem hochindustrialisierten Land. Unsere Volkswirtschaft hängt von Fahrzeugbau, Maschinenbau und chemischer Industrie ab, nicht von Schafen. Heißt, wir können hier Wölfe leben lassen, wenn wir es denn wollen.
Was es braucht, ist ein gesellschaftlicher Konsens, dass Artenvielfalt mit großen Carnivoren ein Wert ist.
Das wollen wir doch mehrheitlich auch. Der Konsens existiert. Nur machen diese großen Carnivoren eben diverse Probleme... übrigens nicht nur den Menschen und ihren Nutztieren, sondern auch hinsichtlich der Artenvielfalt:
Mufflons fallen immer häufiger Wölfen zum Opfer, eine Population im Norden ist komplett verschwunden. Ursache ist vor allem das eigenartige Fluchtverhalten.
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Deshalb ist es in meinen Augen nur folgerichtig, dass man sich überlegt, wie viele Wölfe es in Deutschland geben sollte und wie man den Bestand am besten regulieren kann. Denn wenn man das nicht macht, wird es bald zu viele Wölfe hier geben - damit zu viele Probleme - und damit auch eine schwindende Akzeptanz für diese Tiere in der Bevölkerung. So weit sollte man es lieber gar nicht erst kommen lassen, finde ich.