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Wie kann es weiter gehen?

G

Gelöscht 58773

Gast
Hallo,

ich weiß ehrlich gesagt gar nicht wie ich anfangen soll, weil ich so viel auf dem Herzen habe. Ich habe in nahezu allen Lebensbereichen Probleme und auch wenn ich viele Werkzeuge kenne, wirken sie nicht, oder ich traue mich auch nicht sie einzusetzen, weil ich auch Probleme mit Veränderung habe, wohl mehr als der Durchschnitt. Und irgendwie möchte sich in mir auch nichts verändern und ich weiß den Grund nicht.

Und ich weiß immer noch nicht wo ich anfangen soll.

Also eigentlich hatte ich große Hoffnungen für die nächste Zeit. Ich habe mich aus einer sehr schwierigen Lebenslage befreit, die mir sehr viele Ressource abverlangte. Ich möchte darauf aber nicht näher eingehen. Auf jeden Fall lebe ich jetzt wieder ohne Druck von außen alleine, in meiner eigenen Wohnung. Und ich fühle mich so frei wie noch nie und bin so stark gefangen wie eh und je.

Letztes Jahr im Sommer war ich in einer psychosomatischen Klinik für 4-5 Wochen. Der Aufenthalt wurde "abgebrochen", weil mein Therapeut in Urlaub ging und es am klügsten war zu gehen. Ich sollte auch meinen Umzug regeln, da er sehr wichtig war und dann wieder zurück kommen. Ich bin aber nicht zurück gekommen, weil mir mein Therapeut mit einer Aussage kam, mit der ich nicht umgehen konnte. Ich kann es nicht mehr wortwörtlich aufsagen, aber für mich kam es als "Sie machen dann das was ich möchte dann beenden wir den Aufenthalt". Das war für mich wieder zu viel Druck. Und ja, es stimmt, ich habe immer sehr viel aber und erstmal lehne ich sehr vieles ab. Inzwischen zweifle ich auch in dieser Sache an mir, ob ich denn überhaupt wirklich was ändern möchte, oder mich nur selbst anlüge. Und ehrlich gesagt, kann ich es mir nicht beantworten, vllt möchte ich was ändern und die ganzen Methoden sind wirklich nichts für mich, mir fehlt einfach was, oder ich schlage alles aus, weil ich gar nichts ändern möchte.

Was kann ich sonst noch sagen, über die Klinik? Ja, ich habe viel theoretisches gelernt, hauptsächlich im Umgang mit anderen Menschen. Wenn mir das denn wenigstens was bringen würde, denn ich habe keinen Umgang mit anderen Menschen. Aber gut, vllt für die Zukunft. Ich habe das Programm und alles mitgemacht, ich habe nette Menschen kennen gelernt, ich wurde angenommen, die Leute haben Zeit in mich investiert und sich um mich gekümmert. Eine hat sich sogar in mich verliebt. So schlimm kann ich also gar nicht sein. Das ist eigentlich auch gar nicht das Problem. Ich komme eigentlich überall gut an, außer in meiner Kindheit war ich noch nie Außenseiter, wenn ich denn irgendwann mal zu Kontakt "gezwungen" werde. Die Klinik war also alles in allem positiv für mich. Und jetzt kommt das Problem. Obwohl ich eigentlich alles recht positiv fand, die Leute nett waren, ich viel gelernt habe und was weiß ich noch, berührt es mich nicht. Ich habe kein Bedürfnis wieder hinzugehen, obwohl nichts schlechtes passiert ist. Ich habe kein Bedürfnis die Leute wieder zu sehen, obwohl ich mit einigen noch sporadisch Kontakt habe.

Und da kommen wir auch zu dem nächsten Problem, den Menschen. Mit denen komme ich nämlich nicht zurecht. Die meisten Menschen haben für mich eine Art mit der ich nicht klar komme. Viele, der Großteil, fast alle würde ich sogar behaupten, haben eine sehr schlechte Reflexion. Ich bin ja wieder in meine alte Stadt gezogen und habe Kontakt zu einigen Leuten aufgenommen mit denen ich damals zu tun hatte. Ich wollte einfach mal wissen, wie ich mit ihnen klar komme, jetzt wo ich selbst gewachsen bin, viel mehr Wissen habe. Und das Problem ist, gar nicht. Ein Kollege hat ständig gearbeitet, fühlte sich müde usw. Als ich sagte, er solle doch weniger arbeiten, sonst würde er krank werden "Man lebt nur einmal". Ständig hat er während der Autofahrt wegen anderen rumgeflucht und hat wohl nie mal hinterfragt, ob es denn normal ist, ob er denn dagegen mal was tun könnte. Ständig hat er sein Müll aus dem Fenster geworfen, als würde ihn gar nichts interessieren. Als ich mal mit seiner Mutter Pilze sammeln fuhr und sie mich fragte, ob ich denn arbeiten gehe, meinte ich, dass ich ich erwerbsunfähig bin, kam die Antwort "Ja, das ist ja auch ok, du bist ja Deutscher, du darfst arbeitslos sein". Wenn ich sowas höre, dann... bin ich zu sensibel? Inzwischen sind auf jeden Fall alle Kontakte wieder eingestellt, ich musste für mich einfach feststellen, dass ich mit solchen Menschen mein Leben nicht teilen möchte. Und auch wenn ich das Gefühl habe, dass die große Mehrheit solcher Menschen so tickt, ist das gar nicht so wirklich mein Problem. Denn irgendwie kann ich auch mit der anderen Sorte nichts anfangen. Ich habe kein Bedürfnis andere Menschen kennenzulernen und ich habe auch keine Fähigkeit Bindungen mit ihnen einzugehen. Vllt verlange ich auch einfach zu viel und diese Bindung kommt eben erst nach sehr langer Zeit. Wenn ich aber zum Beispiel hier im Forum sehe wie sich die Leute umeinander kümmern, wie herzlich sie sind, wie sie sich für andere interessieren, dann fühle ich mich einfach falsch. Es gibt in meinem Leben keinen Menschen der mir was bedeutet. Zumindest nicht bewusst. Gedanklich ganz sicher, da gibt es einige, aber so vom Gefühl her. Ich kann bis heute nicht beantworten ob das denn eher normal ist oder nicht. Das spielt auch keine Rolle, es schadet mir selbst, dass ich weiß, dass ich so bin.

Dann kommen wir auch zum nächsten Punkt. Wie gesagt, bin ich total alleine. Ich habe weder Familie und von meinen Freunden habe ich mich komplett abgewendet und das finde ich auch gut so. Selbst wenn ich jemanden kennenlernen würde, würde das wohl im Sand verlaufen, weil ich eben keine Bindungen zu Menschen habe, bzw auch in der Regel Angst vor ausnahmelos allen. Vllt hängt das zusammen, dass ich Menschen nicht vertrauen kann. Ich habe absolut keine Ahnung wie ich in diesem Bereich weiter verfahren soll.

Naja, finanziell ist sowieso alles... ich glaube das ist der unwichtigste Part, weil ich nichts verlieren kann zurzeit. Ich wollte mal zur Schuldnerberatung, aber die Angst verhindert das. Ja ja, zwingen, ich weiß.

Naja, beruflich ist auch nichts. Ein Ziel in der Psychosomatik war es auch Ziele zu haben, wenn ich denn zurück komme. Welch Ironie, ich hatte ja dann eins. Ja gut, hab ich natürlich nicht gemacht. Ich habe eher Wünsche als Ziele. Wobei ich mir da jetzt noch nicht sicher bin, ob denn ein unerreichbares Ziel ein Wunsch ist, oder ein Ziel bleibt. Gesund zu werden und glücklich zu sein wäre natürlich ein Ziel. Auch wäre es ein Ziel einen Job zu finden bei dem ich ausreichend verdiene und Spaß habe. Ich halte nur alles für unrealistisch im Moment. Von einer psychischen Gesundheit bin ich noch weit weg und darüber nachzudenken den Rest meines Lebens täglich 8 Stunden arbeiten zu MÜSSEN. Also versteht mich nicht falsch, ich bin nicht faul und ich würde eigentlich schon gern arbeiten, aber das ist mir gedanklich einfach zu viel. Ich bin stellenweise schon mit meinem Sport, einkaufen, Wohnung saubermachen und Esse kochen überfordert. Jetzt soll ich noch täglich 8 Stunden arbeiten und ich muss wenn ich nicht kann. Also ich komme damit nicht klar. Ich könnte mir 4-6 Stunden für 2-3 Tage in der Woche vorstellen und selbst das würde mich noch überfordern. Ja ich weiß. Im Idealfall hat man auch Spaß an seinem Job, nette Kollegen und das macht das ganze viel einfacher und das Geldverdienen wird nebensächlich. Fällt bei mir aber weg, weil ich eigentlich nichts wirklich Spaß habe und Menschen sind für mich ja eher ein Hindernis als sonst was. Ich wüsste auch ehrlich gesagt gar nicht was ich werden wollen würde. Also ich weiß, dass ich nicht viel Geld brauche, also ich möchte lieber mehr Zeit und weniger Geld haben. Wenn man aber Leidenschaft hat, fällt die Zeit auch wieder weg. Ich bin sehr interessiert in Physik, eigentlich so ziemlich alle Naturwissenschaften, wenn ich irgendein Gebiet nennen müsste, in dem ich einigermaßen Leidenschaft und Interesse haben, dann das. Aber ein Physikstudium zu schaffen halte ich eher für einen Traum, da fehlen mir wohl die Kenntnisse. Es war eigentlich geplant, dass ich nächstes Wintersemester mit Ingenieurswissenschaften für regenerative Energien anfange, da hätte ich was für den Kopf und würde was für die Umwelt tun, die mir wichtig ist. Aber da gibt es so viele Hürden und fehlende Leidenschaft diese überwinden zu wollen, bzw zu können. Ich müsste wohl nebenher arbeiten, ich muss 3 Monate ein Vorpraktikum machen und wieder unter Menschen. Also beruflich ist alles eher Traum als Ziel, weil ich mich in der Verfassung fühle ein Studium zu schaffen.

Und sonst? Auch wenn ich mich im Leben verloren fühle und eigentlich das Gefühl habe, dass ich hier nichts verloren habe, ist mir meine Gesundheit doch wichtig. Erstens hat man nur eine, zweitens hoffe ich, dass sich diese Überzeugung noch ändern kann und drittens fände ich es dumm mir zusätzliches Leid zu erzeugen, indem ich meine eigene Gesundheit nicht respektiere. Ich ernähre mich recht gesund, so gesund wie es die finanziellen Möglichkeiten eben hergeben. Mit dem Rauchen habe ich auch vor 2 Jahren aufgehört und sportlich bin ich auch aktiv, wobei das Joggen jetzt seit 3 Monaten pausiert hat, ich das aber wohl bald wieder aufnehmen und wenn das doch nicht geht, spätestens im Frühling. Ansonsten mache ich regelmässig meine Gymnastik, wobei ich mir jetzt mal 1 Woche Auszeit gegönnt habe. Ich halte meine Wohnung sauber, koche regelmässig. Ja, das wars. Ich würde mich gerne sportlich noch ausweiten, würde gerne Fahrradfahren, alleine, quer durch die Wildnis, aber dazu fehlt mir das Geld und das Ziel ist auch eher ein Wunsch. Fitnessstudio war ebenfalls mal eine Überlegung oder irgendein Kampfsport, aber dazu fehlen mir auch die finanziellen Mittel, also muss ich das auch fallen lassen. So wirklich Spaß hab ich auch am Sport nicht, ich zwinge mich halt regelmässig, es tut mir ja auch gut, die Depressionen sind schon besser geworden. Das ist wohl auch die einzige Motivation, dass ich weiß, dass es theoretisch für mich gut ist, fühlen tue ich das kaum. Ich lese sonst noch, meistens Sachbücher, eben über Naturwissenschaften, oder auch psychologisches. Alle 3 Wochen gehe ich zur Bibliothek, das ist auch so ziemlich das einzige wofür ich raus gehe. Außer zum Einkaufen. Wobei ich das Lesen jetzt auch wieder vernachlässigt habe, aber ich habe echt keine Lust mich immer zu zwingen. Ja, das wars auch schon. Zu 97% bin ich Zuhause.

Ich habe angefangen Therapeuten anzurufen und hatte schon ein Vorgespräch, bei dem ich abgelehnt wurde. Ich würde mich ja gar nicht ändern wollen, weil ich nicht mehr zurück in die Klinik bin und meine Verhaltenstherapie (vor ca 2-3 Jahren) abgebrochen habe, weil es mir zu schlecht ging und sie mir auch nicht wirklich was gebracht hat. Ich solle doch zu meinem alten Therapeuten gehen, der könne mir helfen, der kennt mich ja auch. Ich spiele mit dem Gedanken, inzwischen bin ich ja auch gewachsen, habe mehr Wissen. Keine Ahnung was ich davon halten soll. Ich finde es stimmt nicht, es hatte seine guten Gründe, aber vllt bilde ich mir nur ein und es waren keine guten Gründe. Ich habe echt keine Ahnung mehr. Ich werde langsam weiter machen, aber wir wissen ja alle, vor Ende diesen Jahres wird das nichts geben.

Wie vllt schon zu lesen. Ich bin einfach überfordert, ich weiß nicht mehr was richtig und was falsch ist, im Bezug auf mich, vllt denke ich einfach zu viel über mich nach, aber das ist ja auch kein Wunder. Täglich versuche ich mich zu verstehen und stoße auf immer mehr Fragen und weiß nicht mehr was ich antworten soll. Mir fehlt einfach ein Spiegel, ein erfahrener ehrlicher Spiegel. Keiner der meint er sei professionell und hat selbst keine Ahnung. Mir fehlt einfach so viel. Einen Sinn, Gefühle, Menschen und Ziele.

Wie schon gesagt, das Leben an sich ist Zufall, es hat keinen Sinn, da bin ich pragmatisch. Das heißt aber nicht, dass man sich keinen geben kann. Gefühle, ja, kann ich ja nicht zwingen. Weinen wäre mal wieder schön, aber ich glaube die positiven wären mal viel cooler. Aber die kommen wohl, wenn überhaupt, erst wieder mit einer Therapie. Bis dahin muss ich leider ein Kopfmensch bleiben, mit dem Rest was mir geblieben ist. Zum Großteil halt Angst. Und das Thema Menschen habe ich ja erwähnt. Ich kann eher ohne sie, als mit ihnen, bin aber gleichermaßen einsam und die Ziele sind ja eher Wünsche.

Ich finde es erstmal gut, dass ich diesen Beitrag, der ja jetzt auch ziemlich lang geworden ist, nicht einfach wieder lösche, weil ich mir denke, dass ich die Antworten doch eh kenne die kommen werden und es sowieso belanglos ist.

Ich hoffe ihr könnt mir irgendwas sagen. Denn ich kann es nicht mehr, mir fehlen neue Ideen. Ständig mit sich selbst zu reden, da kommen oft keine neuen Sichtweisen.

Danke
 

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Rosafee

Aktives Mitglied
Aus deiner Beschreibung lese ich heraus, dass du in einer Depression steckst.

Diese Depression verändert deine Sicht auf deine Lebenssituation so sehr, dass du nichts Positives mehr erkennen kannst, dass du nicht mehr in der Lage bist, Zukunftsperspektiven zu erkennen.

Dir sollte klar sein, dass das, was du fühlst, nicht die Realität ist. Du siehst alles durch eine dunkle Brille.
Es geht jetzt darum, diese dunkle Brille abzusetzen und wieder die hellen, bunten Farben zu sehen.

Wenn du das verstehst, hast du schon den ersten Schritt getan. Arbeite daran, Schritt für Schritt diese dunkle Brille abzulegen. Sei dir gewiss, dass deine Welt hell und freundlich ist.

Ich vermute, dass du durchaus in der Lage wärst, Physik zu studieren und mit Menschen zu kommunizieren.
Man muss jedoch die Ziele nicht gleich so hoch stecken. Man kommt auch mit kleinen Schritten stetig voran.
Das Ziel ist immer der nächste Schritt.

Geh raus in die Natur. Die Natur ist eine große Kraftquelle.

Geh vorsichtig auf Menschen zu. Erkenne, dass es nicht nur starke, harte und ablehnende Menschen gibt, sondern auch schwache, leidende, die deine Zuwendung brauchen und dankbar annehmen.

Sei gut zu dir selbst.


Man kann es alleine schaffen, aber professionelle Hilfe würde diesen Prozess mit Sicherheit beschleunigen. Suche den Therapeuten, der zu dir passt.

Ich wünsche dir alles Gute. Gib niemals auf, es lohnt sich.
 
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