Mir geht es ähnlich.
Ich habe zwar noch eine Schwester, aber die ist höchstwahrscheinlich psychisch schwer krank (seit mindestens 15 Jahren zeigt sie Anzeichen einer Psychose, wahrscheinlich Schizophrenie, kann aber mangels Krankheitseinsicht weder fachärztlich untersucht noch diagnostiziert, geschweige denn therapiert werden) und hasst mich, sodass wir keinen Kontakt mehr haben. Und das, obwohl ich mich von allen ihren Mitmenschen mit Abstand am meisten bemüht habe, dass sie professionelle Hilfe bekommt. 13 Jahre lang, immer wieder, vergeblich, bis ich es aufgeben musste, um nicht selbst daran zu zerbrechen. Wenn du in meinen früheren Beiträgen suchst, wirst du die traurige Geschichte an der einen oder anderen Stelle finden.
In vier Wochen wird unser Elternhaus versteigert, das sie allein bewohnt. Sie war nicht bereit, es bzw. ihren Erbanteil am Gesamtnachlass unserer vor 3 1/2 Jahren verstorbenen Mutter zu verkaufen, obwohl sie keinen Beruf und keinerlei Erwerbseinkommen hat und den Unterhalt und die Sanierung des Hauses daher in keiner Weise auch nur mitfinanzieren kann. Es ist nicht auszuschließen, dass sie im Zuge dessen Suizid begeht. Die Schwester meiner langjährigen Schulfreundin hat sich vor einem halben Jahr das Leben genommen (obwohl es objektiv betrachtet keinen "Grund" gab!). So fernliegend ist es also nicht, dass es bei meiner Schwester auch dazu kommen könnte.
Kontakte zu ein paar Verwandten und Freunden habe ich zwar, aber zu selten und unregelmäßig, als dass mir das ein Gefühl des "Aufgehobenseins", der Geborgenheit und Zugehörigkeit vermitteln könnte. Regelmäßige, häufige Kontakte habe ich nur im beruflichen Umfeld und zu drei weiteren Menschen in meinem privaten Umfeld.
Ganz schwierig zu beantworten, wie man damit umgeht. Für mich ist der Glaube eine gewisse Hilfe, teilweise auch die berufliche Einbindung. Da mir aber niemand garantieren kann, dass ich dem dortigen Stress bis zum normalen Rentenalter gewachsen bin - zeitweise zweifle ich sehr daran, je nach Stresssituation -, kann ich auch aus dem Beruf keine endgültige Sicherheit schöpfen. Eine gewisse Sicherheit besteht bei mir aber immerhin finanziell auch für den worst case einer dauerhaften Arbeitsunfähigkeit. Ansonsten habe ich mich bis zu einem gewissen Grad damit abgefunden, ein "suboptimales" Leben zu führen. Bemüht habe ich mich weiß Gott genug, aber man kann gewisse glückliche Fügungen, die einem vom Schicksal nicht vergönnt sind, nun mal nicht erzwingen.
Ein paar Dinge, wie die Natur, Urlaubsreisen, Freude an der Musik und an Tieren, ab und zu mal ein nettes Ereignis - Kinobesuch, Konzert, Verwandtenbesuch, Feiertage, Wochenenden - bleiben einem ja noch. Froh kann man auch sein, solange man einigermaßen gesund ist und nicht jeden Cent umdrehen muss.
Weitere Ideen wären: Tagebuch führen, Telefonseelsorge anrufen, Therapie machen, hier den Austausch im Forum pflegen, um nicht völlig zu vereinsamen.
Ein sehr interessanter und wohltuender Thread übrigens!