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Wie geht man damit um, keine Familie zu haben?

Gott habe ich kennen- und lieben gelernt. Leider fehlt mir momentan eine gute Gemeinde. (Aber auch das ist eine andere eigene Geschichte.) Das wäre wahrscheinlich ein gutes Standbein. Danke, dass du mir das noch einmal bewusst gemacht hast. Wenn ich meinen Umzug hinter mir habe, kann ich mich bestimmt darum kümmern.

Danke für deine Antwort. 🙂

Prima. Wenn ich Dir helfen kann, schreib mich per PN einfach zu gegebener Zeit an.
LG, Nordrheiner
 
Mir sind zwei Sachen, an dem was du schreibst aufgefallen: Zum einen, dass Du du sehr hohe Ansprüche an den Begriff "Freund" stellst und zum anderen, dass Du gerade lernst oder lernen willst, dich selbst zu lieben.

Die Selbstliebe und Freunde zu haben sind zwei Sachen, mit denen ich mich auch beschäftige. Also, ich bin ziemlich überzeugt davon, dass es nur wenige, wenn überhaupt Menschen gibt, die es nicht wert wären, sich mit ihnen anzufreunden und nicht im Sinne von Kumpel, sondern Freund. Man ist nur manchmal sehr in seinen eigenen Vorstellungen gefangen, was so einen Freund auszumachen hat - wie er sein soll. Ich persönlich polarisiere auch gerne. Habe einen Moralkodex, der mich aber häufig unfrei macht und hinter dem vielleicht auch Angst steht.

Oft ist es auch so, dass man mit sich selbst auch so streng ist, wie mit den anderen, sogar notwendigerweise. Da kommt dann die Selbstliebe ins Spiel - also ich arbeite gerade daran, mir immer wieder klarzumachen, dass ich nichts leisten muss, um der Selbstliebe würdig zu sein (der Nordrheiner würde jetzt von Gott sprechen, der uns alle lieb hat). Wenn das gelingen würde, könnte ich ja vielleicht auch etwas weniger streng mit den anderen sein.

Ich denke außerdem, dass Liebe zu geben, nichts anderes heißt, wie der Selbstliebe würdig zu sein. Und praktisch würde das bedeuten in Vorleistung zu gehen. Immer wieder neue Anläufe zu nehmen und zu versuchen den Menschen ihre Schönheit zu entlocken.

Ich hoffe da sind jetzt nicht so viele Gedankensprünge drin. Vielleicht könnte es ja lohnend sein, dich an der ein oder anderen Stelle zu hinterfragen. Mir bringt das manchmal was.
 
Mir geht es ähnlich.

Ich habe zwar noch eine Schwester, aber die ist höchstwahrscheinlich psychisch schwer krank (seit mindestens 15 Jahren zeigt sie Anzeichen einer Psychose, wahrscheinlich Schizophrenie, kann aber mangels Krankheitseinsicht weder fachärztlich untersucht noch diagnostiziert, geschweige denn therapiert werden) und hasst mich, sodass wir keinen Kontakt mehr haben. Und das, obwohl ich mich von allen ihren Mitmenschen mit Abstand am meisten bemüht habe, dass sie professionelle Hilfe bekommt. 13 Jahre lang, immer wieder, vergeblich, bis ich es aufgeben musste, um nicht selbst daran zu zerbrechen. Wenn du in meinen früheren Beiträgen suchst, wirst du die traurige Geschichte an der einen oder anderen Stelle finden.

In vier Wochen wird unser Elternhaus versteigert, das sie allein bewohnt. Sie war nicht bereit, es bzw. ihren Erbanteil am Gesamtnachlass unserer vor 3 1/2 Jahren verstorbenen Mutter zu verkaufen, obwohl sie keinen Beruf und keinerlei Erwerbseinkommen hat und den Unterhalt und die Sanierung des Hauses daher in keiner Weise auch nur mitfinanzieren kann. Es ist nicht auszuschließen, dass sie im Zuge dessen Suizid begeht. Die Schwester meiner langjährigen Schulfreundin hat sich vor einem halben Jahr das Leben genommen (obwohl es objektiv betrachtet keinen "Grund" gab!). So fernliegend ist es also nicht, dass es bei meiner Schwester auch dazu kommen könnte.

Kontakte zu ein paar Verwandten und Freunden habe ich zwar, aber zu selten und unregelmäßig, als dass mir das ein Gefühl des "Aufgehobenseins", der Geborgenheit und Zugehörigkeit vermitteln könnte. Regelmäßige, häufige Kontakte habe ich nur im beruflichen Umfeld und zu drei weiteren Menschen in meinem privaten Umfeld.

Ganz schwierig zu beantworten, wie man damit umgeht. Für mich ist der Glaube eine gewisse Hilfe, teilweise auch die berufliche Einbindung. Da mir aber niemand garantieren kann, dass ich dem dortigen Stress bis zum normalen Rentenalter gewachsen bin - zeitweise zweifle ich sehr daran, je nach Stresssituation -, kann ich auch aus dem Beruf keine endgültige Sicherheit schöpfen. Eine gewisse Sicherheit besteht bei mir aber immerhin finanziell auch für den worst case einer dauerhaften Arbeitsunfähigkeit. Ansonsten habe ich mich bis zu einem gewissen Grad damit abgefunden, ein "suboptimales" Leben zu führen. Bemüht habe ich mich weiß Gott genug, aber man kann gewisse glückliche Fügungen, die einem vom Schicksal nicht vergönnt sind, nun mal nicht erzwingen.

Ein paar Dinge, wie die Natur, Urlaubsreisen, Freude an der Musik und an Tieren, ab und zu mal ein nettes Ereignis - Kinobesuch, Konzert, Verwandtenbesuch, Feiertage, Wochenenden - bleiben einem ja noch. Froh kann man auch sein, solange man einigermaßen gesund ist und nicht jeden Cent umdrehen muss.

Weitere Ideen wären: Tagebuch führen, Telefonseelsorge anrufen, Therapie machen, hier den Austausch im Forum pflegen, um nicht völlig zu vereinsamen.

Ein sehr interessanter und wohltuender Thread übrigens!
 
Zuletzt bearbeitet:
Aber irgendwann erkennt selbst der sturste Sturkopf, und der energiegeladenste Energiker (^^) , dass sich eine Betonmauer selbst mit der härtesten Stirn nicht einrennen lässt. Und das empfinde ich eigentlich als noch viel schlimmer, als das sie - so seltsam sich das anhört - einfacherweise tot wären. Das macht für mich alles noch tragischer und unfairer. Der Gedanke, dass ich meine Familie nicht retten konnte. Der Gedanke, warum gerade ich so eine Familie bekommen habe. Der Gedanke, nicht gerechtfertigt sagen zu dürfen, das ich keine Familie habe. Mich deswegen erklären gar rechtfertigen zu müssen.
Damit sprichst du mir sehr aus der Seele, was die Problematik mit meiner Schwester betrifft.
 
Hallo,

wünsche dir alles Gute und hör immer auf dein Herz 🙂
Außerdem nur so als Anmerkung: Die Seele weis was ihr fehlt und dass kann manchmal auch weh tun, aber dass macht jeder einmal mit. Bei manchen ist es die Liebe die fehlt ... Auch Menschen die glücklich sind und bei denen alles im Leben perfekt läuft, merken aufeinmal dass was fehlt. Ich will damit sagen, dass es wichtig ist sein Leben bewusst zu leben und sich zu vergewissern, was einem im Leben wichtig ist und was nicht. Also wo die wahren Werte im Leben sind und auch wie man lebt und wie man mit anderen umgeht. Viele Menschen scheinen das zu übersehen.
 
Das ist sehr schwer. Ich habe keine Familie mehr, da meine Mutter an Alzheimer erkrankt ist und nicht mehr weiß wer ich bin. Mein Bruder verstarb an Silvester 2014 unerwartet während einer Narkose im Krankenhaus- mein Vater ist ein geldgieriger böser Mensch und meine Schwester will nichts mehr von der Familie wissen und hat sich abgewendet. So musste ich mit der Trauer allein zurecht kommen (mein Vater hat nicht mal um seinen Sohn getrauert!) und habe es verdrängt. Nur heute- als ich am Grab meines Bruders war, habe ich geweint- auch während der Fahrt nach Hause. Ich fühle mich unendlich traurig und leer.
Ich lebe völlig zurückgezogen und verliere selbst die Menschen, welche ich mal kennengelernt habe- durch Krebs oder andere Dinge. Es zieht sich wie ein roter Faden durch mein leben- alles was ich jemals so sehr liebte- stirbt- ob Mensch oder Tier.... Jetzt will ich niemanden mehr kennen lernen, aus Angst wieder nur Verluste zu erfahren.
 
Hallo.... Ich kann was ihr geschrieben habt, sehr nachvollziehen. Ich bin zwar älter, aber habe vor nicht allzu langer Zeit meine Mama verloren. Sie war meine letzte Familienangehörige und nachdem ich sie zum Schluss gepflegt habe, war unser Verhältnis enger denn je. Nun ist niemand mehr da, dem ich mich vorbehaltlos anvertrauen und mit dem ich teilen kann. Ich arbeite tagsüber, aber trotzdem fehlt sie mir jede Minute des Tages, jeden Tag quälen mich die Selbstvorwürfe... Ich weiß einfach nicht mehr weiter. Bei allem was ich mache, frage ich mich, wofür ich es überhaupt mache. Um dem zu entrinnen, gehe ich oft schon abends um 7 ins Bett, um die einsame Zeit zu verschlafen. Bis die Alpträume kommen... bis der morgen kommt... bis die Arbeit beginnt. Im Beruf mache ich meinen Job, aber im privaten Bereich bekomme ich nichts mehr gebacken... warum auch... für wen... Ich fühle mich wie am Ende der Fahnenstange, denn meine Mama hat mir alles beigebracht, nur nicht, ohne sie zu sein...
 
Hallo Lanassir,
Ich wollte dich anschreiben,weil
Dein Leben ähnlich verläuft wie meines.Die Mutter zu verlieren,bedeutet, dass es mit der wahren Liebe vorbei ist.Mein Leben ist sinn-und freudlos geworden.Obendrein plagen mich Schuldgefühle,da ich ja nicht immer die brave Tochter war.
Meine Mutter ist vor knapp 2 Jahren gestorben.Sie war zwar schon sehr alt,aber gerade wegen der langen Zeit,die wir miteinander verbracht haben,war die Bindung noch enger.Ich habe sie ein paar Jahre gepflegt und sie war zum Schluss mein Baby.
Ich lebe nur noch in der Vergangenheit und meine Gedanken drehen sich im Kreis.
Ich bin auch ohne Angehörige.
Ich vermisse Mama unendlich.
Die Zeit heilt keine Wunden,sie verändern nur den Schmerz.
Du stehst nicht alleine damit deiner Verzweiflung.
Mir hat es etwas geholfen zu beten.
Beten ,dass die Seelen ins Licht kommen und dass es ihnen gut gehen soll.
Ich bin der Meinung,dass die Seelen unserer Mütter bei uns sind und uns beistehn.
Eines Tages werden wir und wiedersehn auf einer anderen Ebene.
Ich grüsse dich ganz herzlich,
Paula66
 
Hallo,

könntest du dir vorstellen mit älteren Personen in einem Haushalt zu wohnen?

Dann hätte ich folgende Vorschläge: Gibt es bei dir in der Nähe eventuell so etwas wie Mehr-Generationen-Wohnen? Teilweise suchen ältere Menschen auch WG-Mitbewohner.

Ansonsten suchen ältere Menschen, aber auch junge Menschen, oft Unterstützung im Alltag. Was meinst du, wie viele Menschen sich freuen würden, wenn jemand sich ab und zu per Telefon meldet oder zum Kuchen essen vorbeikommt. Es gibt schließlich auch (alte) Menschen, die nie eine Familie hatten oder ihre Familie verloren haben.

Du kannst bei der Caritas fragen, ob sie Kontakt zu solchen Personen herstellen können. Kannst es auch mal bei "nebenan.de" versuchen. Vielleicht triffst du dann bei Veranstaltungen jemand nettes aus der Nachbarschaft. Wäre doch schön.

Ich wünsche dir alles Gute!
 

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