Hallo Nordrheiner,
ich bin mir nicht ganz sicher, ob du diesen Faden wirklich eröffnet hast, weil du etwas lernen möchtest oder weil du eher deinen Glauben 'an den Mann und an die Frau' bringen willst.
Ich, als Biologe und Atheist weiß, dass Neugier eine in fast allen Menschen schlummernde Eigenschaft ist. Daher 'im Zweifel für den Fadenersteller' - und ich antworte dir als jemand der sich 'von Berufswegen' mit der Evolutionstheorie befasst. Denn für Biologen hat Dobzhansky (ein russisch-US-am. Genetiker, Zoologe und Evolutionsbiologe) es sehr treffend formuliert: „nichts in der Biologie ist sinnvoll, außer im Lichte der Evolution betrachtet“
Damit wäre auch schon eine deiner Feststellungen beantwortet:
... können wir genauso forschen, wenn wir den Urknall und die Ursuppe als Ausgang allen Lebens ablehnen. ...
Bevor ich weiter auf deine Äußerungen eingehe einige sehr wichtige Bemerkungen (einige davon wurden schon erwähnt, aber da es wichtig ist, hier nochmal zusammengefasst):
Eine wissenschaftliche
Theorie ist etwas vollkommen anderes als der umgangsprachliche Begriff 'Theorie'. In der Wissenschaft beschreibt eine Theorie ein Bild oder ein Modell der Realität und erlaubt Voraussagen. Bevor in der Wissenschaft eine Hypothese eine Theorie wird muss einiges passieren.
Weiter muss strikt zwischen 'Evolution' und 'Evolutionstheorie' unterschieden werden. Evolution ist eine Tatsache, daran muss man nicht 'glauben'. Daran gibt es nichts zu bezweifeln, das ist keine Frage ob es die gibt oder nicht. Genauso wie Gravitation eine Tatsache ist. Wir können Evolution jeden Tag überall um uns herum beobachten.
Eine Evolutionstheorie - und die z.Z. gebräuchlichste ist die
Synthetische Evolutionstheorie beschäftigt sich mit den Mechanismen die bei der Entwicklung von Arten wirken. Darwin war übrigens nicht der erste, der sich damit beschäftigt hat. Vor ihm gab es schon längere Zeit etliche andere. Darwin war nur derjenige, der ein sehr schlüssiges Konzept entworfen hat und einige grundsätzliche Mechanismen beschrieb und diese auch in eigenen Experimenten getestet hat. Immerhin hat er sich den größten Teil seines Lebens damit beschäftigt. Trotzdem - Darwin lebte 1809-1882 und kannte z.B. die Forschungen von Mendel nicht. Auch sonst hat sich seither das ein oder andere in der Biologie getan.
🙂
Das zweite: die Evolutionstheorie hat nichts mit der Entstehung des Lebens zu tun. Damit beschäftigen sich die Biochemiker. Der entsprechenden Begriff dazu ist '
Chemische Evolution'.
Die biologische Evolution und die Evolutionstheorie beginnen mit der ersten Zelle der wir das Prädikat 'lebend' anheften.
Ein weiterer ganz wichtiger Punkt: in den Naturwissenschaften steht kein Fach für sich alleine. Physiker benutzen die Mathematik mit den Regeln die dort formuliert sind, Chemiker sind an die Eigenschaften der Atome die Physiker beschrieben haben 'gebunden' und erforschen die Wechselwirkungen. Biologen können nicht etwas behaupten, was physikalisch oder chemisch unmöglich ist. Erkenntnisse aus allen naturwissenschaftlichen Bereichen müssen aufeinander aufbauen, sich aufeinander beziehen. Sieh es als ein großes Haus an dem ständig weiter gebaut wird. Aber jeder Umbau, jeder Anbau muss mit allen anderen Teilen des Hauses korrespondieren.
Die Evolutionstheorie steht also in keiner Weise alleine da. Sie ist Teil der Welterklärung die die Naturwissenschaften uns liefern.
Und hier noch ein grundsätzlicher Unterschied zwischen 'Glaube' und 'Wissenschaft'. Der Glaube an einen Gott ist statisch, fest. Zumindest wird er von den Gläubigen in ihrem Leben so erfahren. Ihr Gott ist ewig, der Anfang und das Ende. Auch wenn die meisten Götter die die Menschen hatten schon lange wieder tot sind. In der Wissenschaft dagegen gibt es keine statischen und festen Dogmen. Es gibt Lehrmeinungen, die sich vielleicht eine Weile - auch wenn sie falsch oder unvollständig sein sollten halten, aber vom Prinzip her ist jeder in der Wissenschaft aufgerufen Theorien zu testen und sie zu widerlegen. Und das geschieht auch, jeden Tag. Wissenschaftler sind dauernd in Diskussion. Das tun sie via Veröffentlichungen in Fachzeitschriften, mit Kollegen auf Kongressen, in jedem Labor, weltweit.
nun zu einigen deiner Fragen, bzw. Statements:
...muss die Richtigkeit von Ursuppe oder Urknall aber nicht zwangsläufig stimmen, oder?
Der 'Urkall' ist eine wissenschaftliche Theorie der Astronomen/Physiker. Und doch, alle Ergebnisse und Erkenntnisse weisen in die Richtung, dass unser Universum aus einem Ungleichgewicht entstanden ist und sich mit einer sehr heftigen Expansion gebildet hat. Dazu gibt es inzwischen auch sehr viele Ergebnisse, die die 'Urknallhypothese' zur Theorie erhoben haben. Die 'Ursuppe' ist eine sehr ungenaue Beschreibung und trifft wahrscheinlich nicht die Bedinungen unter denen Leben entstanden ist. Hier sind Kompartimente und lipide Flächen wahrscheinlicher.
Meine Alternative, den Schöpfergott,...
Dein Schöpfergott ist - biologisch betrachtet keine Alternative. Daran kannst du glauben, aber das hat keinerlei biologische Basis. Davon abgesehen das 'Design' deines Schöpfergottes ist in vielen Punkten sehr schlecht durchdacht.
...Ich gehe bis auf weiteres davon aus, dass die Evolutionstheorien unbewiesen sind. Anderes erlaubt mir die Faktenlage nicht.
Hmm. Da mir nicht bekannt ist was deine Quellen für die 'Faktenlage' sind, ist es schwierig etwas dazu zu sagen
Das plötzliche fossile Erscheinen verschiedenster Tierstämme und vieler ihrer Untergruppen im Kambrium
ist 'Kambrium' ein biblisches Zeitalter?
Selektion wird ... behauptet, wurde aber noch nie nachgewiesen
ähm, doch, die ist und wird dauernd nachgewiesen. Bei jeder Züchtung von Tieren und Pflanzen wird die nachgewiesen. Auf den Galapagos ist die nachgewiesen, um die Arktis ist sie nachgewiesen, im Labor ist sie und wird sie nachgewiesen. ...
noch nie nachgewiesen, dass Information von Materie erzeugt wird.
ähm, doch, das ist und wird dauernd nachgewiesen. Nicht nur das, da wird mit gearbeitet. Z.B. werden Stücke DNA (Materie) die für Insulin kodieren (Information) in Zellen von Hefen eingeschleust und die produzieren dann das Insulin, das Menschen hilft ihren Diabetes zu behandeln.
...kann die Evolutionstheorie, ... die Frage „woher kommt die Information?“ Und damit "woher kommt das Leben?" nicht beantworten
Nein, ist auch nicht ihre Aufgabe, siehe oben. Da musst du dich mit Chemischen Evolution beschäftigen.
https://www.youtube.com/watch?v=-zHlfUU1WY0
was bedeutet es für Dich, wenn die Evolutionstheorie unbewiesen bleibt?
Die Evolutionstheorie ist nicht 'unbewiesen'. Es gibt überwältigend viele Belege. Wir können z.B. Voraussagen machen was bestimmte Gendefekte bedeuten, noch bevor ein Kind auf der Welt ist.
Wenn du wirklich ein guter Kreationist oder IDer werden willst Nordrheiner musst du dich noch ein bisschen besser in die Argumentation von Kreationisten einlesen. Ich geb dir mal ein paar Tipps: Auge; Irreduzibilität; Flagellum
Und noch eine Frage zum Schluss an dich:
Was wäre dir denn BEWEIS für die Evolutionstheorie?