Hallo Pessimist, ich habe vor vielen Jahren genau so gedacht wie du.
Ich hatte mir mein Leben hart erkämpft, war von Babyalter an schwerst mißhandelt und mißbraucht worden. Dadurch war meine Psyche und mein Körper kaputt. Erst mit 26 Jahren konnte ich mich daraus befreien.
2 Jahre war ich in der Geschlossenen, weil ich jede Gelegenheit genutzt habe, von dieser Welt zu gehen.
Doch irgendwann begriff ich, dass da noch mehr ist auf der Welt, allem voran meine beiden Kinder, die in die Hölle von damals reingeboren wurden und mit meinem ''Ausbruch'' verschwunden waren. Sie waren 4 und 6 Jahre alt als ich sie damals das letzte mal sah.
Irgendwann in diesen 2 Jahren kam zu mir durch, dass die zwei mich brauchen, sollte ich sie jeh wieder finden.
Ich hatte nichts gelernt, das durfte ich nicht. So stand ich dann mit 28 Jahren in einer fremden Stadt, immer noch psychisch schwer krank, aber lebenswillig. Ich bezog Sozialhilfe und war erst einmal unendlich dankbar, dass es sowas für mich überhaupt gab. Hatte tatsächlich keine Ahnung gehabt von unserem sozialen System in Deutschland. Die Täter hielten es nicht für nötig, mir davon zu erzählen.
Ich hatte die Täter angezeigt und sie wurden tatsächlich auch verurteilt. Genau 14 Tage nach der Urteilsverkündung fand ich durch Zufall meine Kinder wieder. Immer noch psychisch krank, doch ganz klar darüber, dass ich mein Leben nicht in Sozialhilfe verbringen möchte.
Ich machte bei der VHS eine Zulassungsprüfung für ein Hochschulstudium, musste dann aber damit warten, weil meine Kinder durch die Entführung ins Ausland und alles was sie bis dato erleben mussten, ebenfalls eine schwere Zeit hatten und meine volle Aufmerksamkeit benötigten. So entschloss ich mich, neben der Z.-Prüfung regulär Abitur im Fernstudium zu machen. Nebenher machte ich viel Therapie. Dort wurde ich sehr bestärkt in meinem Wunsch, Psychologie zu studieren.
Mit 35 Jahren hatte ich mich und meine Kinder endlich soweit, dass wir ein relativ normales Leben führen konnten. Aber ich war mittlerweile eben 35 Jahre alt. Studienbeginn wäre mit 36 Jahren frühestens gewesen, mit 41 Jahren, mit Pech 42 Jahren ein Diplom, dann ca 3-5 Jahre Zusatzausbildung, welches natürlich alles irgendwie auch finanziert werden müsste, dann frühestens mit 45, 46 Jahren als Berufsanfänger... Ich war einfach zu alt geworden.
Ich entschied mich für eine Ausbildung zur Ergotherapeutin und stellte sehr schnell fest, das ist meine Passion.
Nach drei Jahren Ausbildung bekam ich sofort einen Job und zwei Jahre später machte ich eine eigene Praxis auf. Mir ging es gut, meinen Kindern ging es gut und die Praxis lief bestens.
5 Jahre später hat mich meine Herkunftsfamilie ausfindig gemacht... Psychoterror vom feinsten, selbst vor meinen Patienten machten die nicht halt... Sie schlugen mir die Knie kaputt. Zusätzlich durch die frühen Mißhandlungen sind ein Großteil meiner anderen Gelenke angeschlagen bis defekt. Ich habe Dauerschmerzen, selbst mit starker Schmerzmedikation kann ich die Schmerzen nur zu einem gewissen Grad kontrollieren. Zusätzlich habe ich dissoziative Bewegungsstörungen und natürlich hat der ganze psychische kram mich auch wieder.
Ich bin dann da weg, hab meine Praxis aufgegeben und dachte, ich fang irgendwo neu an. Ich hatte es ja schonmal geschafft, ich weiß ja wie es geht. Ich gab mit 6 Wochen... Dann weitere 6 Wochen, dann 3 Monate, 6 Monate, ein Jahr... irgendwann fragte ich meine behandelnde Ärztin, ob ich jemals wieder arbeiten könne. Ich wollte kein wischiwaschi, sondern ein klares ja oder nein. Sie sagte sie sehe das nicht, also müsse sie mit Nein antworten.
Da stand ich dann, 2½ Jahre nach meinem Zusammenbruch. Noch ging laufen, aber nur eingeschränkt. Jetzt, 13 Jahre später habe ich das akzeptiert. Ich lebe und ich habe ein entsprechend lebenswertes Leben. Ich würde lieber in meiner Praxis arbeiten, aber ich habe akzeptiert, dass das nicht mehr geht. Ich mache hier zuhause aber viel, was mich erfüllt.
Ich werkel so das ganze Jahr vor mich hin und es kommen ganz schöne Sachen dabei zustande. Diese Sachen verkauft eine Freundin für mich 1x im Jahr auf dem Weihnachtsmarkt. Der Erlös wird komplett gespendet. Die freudigen Augen zu sehen von den Nutznießern meiner Basteleien ist wunderschön und bereitet mir viel Freude. Und diese Freude, plus der Freude über meine Familie, meine Tiere und meinem Zuhause ist heute das, was für mich wichtig ist.
Ja, ich habe schmerzen. Ja, wenn nix mehr geht sitz ich im Rollstuhl und ja, ich kann in meinem Beruf nicht mehr arbeiten. Aber es gibt noch sooo viel mehr.
Ich wünsche dir, dass du das irgendwann auch erfahren kannst.
Sorry für den langen Text, aber ich wollte dur zeigen, dass viel möglich ist und es immer auch einen guten Grund für etwas Optimismus gibt.