natürlich reduziere ich den Menschen nicht nur auf sein Gebiß, aber viele Menschen vergessen halt, dass sie nix Besonderes sind, sondern ein Teil der Natur, nichts was darüber steht oder sie besser macht als Tiere. Tier ist für mich kein abwertender Begriff, sondern einfach ne Klassifikation.
Für mich bemisst sich der Wert eines Erziehungsmodells an dem Maß seines Erfolgs und Funktionalität..ich interessiere mich halt für diese Themen und bastle mir aus verschiedenen Theorien so meine eigene Sache...wie das glaube ich jeder tut außer denen denen es eher darum geht Kinder aus Prestigegründen od.ä. zu haben, die sich aber nicht wirklich für ihre Kinder als Person interessieren.
Völlig gleichwertig würde ich Erziehungsmodelle nicht bezeichnen..es gibt da überall bessere und schlechtere Modelle und sogar welche die Scheisse sind wie das Modell der antiautoritären Erziehung z.B...
Und es gibt Menschenbilder und Naturauffassungen, die scheisse und haarsträubend sind, z.B das der Zeugen Jehovas oder anderer Sekten, Scientologen, z.T in einigen Punkten das Christentum oder fundamentalistische Glaubensrichtungen etc. Und es gibt Menschenbilder, die ungünstig und in einigen Punkten auch ein wenig gefährlich sind wie das des deutschen Idealismus, der das allgemeinvölkische Menschenbild (leider) bis heute stark mitgeprägt hat demzufolge der Mensch sowas wie die Spitze einer evolutionären Kette darstellt und der Mensch aus der Natur rausragt und sich über sie hinausentwickelt hat, eher Kulturwesen ist, dass bereits alles drauf hat als Naturwesen und der Mensch ist von Natur aus gut etc......Folge dieses Bildes: Hybris, massive Naturzerstörung...und zu wenig Investment in bessere Erziehungssysteme...
Daher kann ich mich auf keinen Fall deiner Meinung anschliessen, dass alle Menschenbilder gleichwertig sein sollten..so tolerant wäre ich da nun doch nicht und würde erstmal genau hinschauen wie ein Menschenbild im Einzelnen so aussieht.
DAS vollkommen realistische Menschenbild können wir eh nicht erkennen..kein Mensch kann das, denn wir alle agieren mit einem blinden Fleck auch in Bezug auf die Selbstbeobachtung und uns allen entgeht immer ein Teil dessen was wir sind und was uns ausmacht. Das einzige was wir machen können ist lebenslang fleißig Aspekte sammeln und versuchen ein einigermaßen funktionierendes Potpourri zusammenzustellen....Meines ist ne Mischung aus anthroposophischen, wissenschaftlichen (biologischen, psycholog. anthropol. etc.) und auf Erfahrung und Praxis bestehenden Ansichten und Menschenbildern und ich denke schon, dass die Wissenschaft den Horizont ein wenig erweitern kann und zwar soweit, dass man ganz gut mit der Natur des Menschen (wie auch immer sie bis ins Einzelste aufallen möge) zurecht kommen kann.
Ich denke schon dass Bildung und ein gewisses Maß an wissenschaftlicher Aufgeklärtheit in der Erziehung wichtig sind. Dazu muss man auf gar keinen Fall nen Doktortitel haben, sondern einfach ein wenig Interesse haben und hier und dort mal ein wenig rumlesen oder mit anderen diskutieren...das reicht an sich oft schon.
Grundsätzlich hast du irgendwie eine ungünstige ANTI-Haltung und missverstehst einiges..auch aus der Wissenschaft...es geht hier zwar um eine Art Konditionierung aber bei Menschen läuft das schon etwas anders ab als bei Tieren, zwar sehr ähnlich aber mit kleinen Unterschieden...bei Menschen nennt man das Prinzip z.B Erziehung...in dem Wort ziehen steckt ja schon drin, dass das was mit Formung zu tun hat, die z.T auch ne gewisse Konditionierung ist. Z.B Schlafrituale sind ja auch sone Art Konditionierung...wenn das Abendlied gesungen wird wissen ganz kleine Kinder Bescheid und werden fast automatisch müde...(jedenfalls in den meisten Fällen...Ausnahmen bestätigen die Regel). Ne gewisse Struktur (= hier: das Abendlied) hat auf den Menschen also nen gewissen erwünschten Effekt....was soll daran denn so schlimm sein und warum wertest du das so ab? Es geht ja nicht darum kleine Kinder per Glöckchen zum Sabbern zu bringen...sondern eher um andere Sachen und klar hat JEDES Erziehungsmodell auch Belohnungs-Sanktionsstrukturen...denn sonst würde es nicht funktionieren.....Wenn das so wäre und alle Menschen von Natur aus koopererativ und lieb und moralisch und gerecht etc. wären könnten wir die Gesetze und Strafen für Regelverstösse (im Maximalfall: Verbrechen) ja abschaffen. Menschen sind von Natur aus sozial angelegt, aber diese Fähigkeiten müssen natürlich auch weiter gefördert und gefordert werden und wie die Soziobiologen festgestellt haben funktionieren wir egoistisch wobei einige (Dawkins, dem ich kritisch ggü stehe) dabei sogar soweit gehen von egoistischen Genen zu sprechen und wie die recht brutale und gewaltgeprägte Menschheitsgeschichte zeigt sind Menschen weissgott keine Kuscheltiere, die ganz ohne Regeln und Strafsysteme auskommen.
Oder denkst du ala Zeugen Jehovas das der Tag und das Paradies auf Erden kommen wird da alle Menschen friedlich vereint mit allen Naturwesen Seite an Seite leben?? Träum weiter!
In Familien wo keine oder zu wenig Struktur da ist ist das für die Kids ganz schrecklich, sie leiden genauso wie die Erwachsenen darunter, denn sie wurden alleingelassen und schweben im regellosen anarchistischen Raum und wissen nicht wo vorne und hinten ist, haben keine Orientierung und das macht sie aggressiv und aufmüpfig. Damit meine ich nicht die gelegentlich auftauchenden Trotzphasen, die ja eher Testphasen sind aber in eine Dauerphase übergehen, wenn die Eltern da nix gegenhalten können und auch keine ausreichende Basisstruktur da ist.
Kinder, die niemanden haben der ihnen zeigt, wo es langeht und was richtig oder falsch und gut oder schlecht ist, sind verloren und verhalten sich auch so. Aggressives Verhalten (Sachen kaputtmachen etc.) ist ein Schrei nach Grenzen und Regeln. KInder finden Regeln an sich nicht schlimm...zeigen meiner Erfahrung nach durchaus Einsicht zur Notwendigkeit...meine kleine Nichte schluckt ohne weiteres eine Bestrafung mit Fernsehverbot...noch...macht da kein Gezeter oder Geschrei oder jammert lange rum, sondern zeigt Einsicht und fügt sich da...was mit einem gewissen Grundvertrauen zu tun hat dass ihre Eltern (oder Tante) gerecht ist und nicht willkürlich straft od.ä..sondern dass das Hand und Fuß hat.
Ich denke grundsätzlich ist das Menschenbild ein wichtiger Punkt. Für mich sind Menschen keine Wesen die über der Natur stehen, sondern mitten drin und den gleichen Gesetzen und Funktionsschemata folgen wie andere Tiere. Auf dieser Basis erzieht man ja auch...nur auf ein klein wenig ndere Art und Weise wie einen pawlowschen Hund, der ja nur ein Experiment war um nach diesen Funktionsschemata zu fahnden.. und diese Fahnung passierte nur aus einem einzigen Grund: um zu gucken wie die Natur und auch ein stückweit Tiere und Menschen funktionieren...dabei geht es letztlich darum zu versuchen die Natur allgemein und auch die unsozialisierte Natur des Menschen ausreichend zu beherrschen, denn ganz ohne Strukturen (z.B einen Staat mit Gesetzen und Polizei, Legislative, Judikative und Exekutive) herrscht mit hoher Wahrscheinlichkeit Anarchie und Mord und Totschlag, Chaos. Das gleiche gilt im Kleinen für Familien...auch dort herrscht Anarchie und Chaos wenn Kinder regieren und die Eltern nicht in der Lage sind beherrscht ein wenig zu herrschen um "den Laden" am Funktionieren zu halten. Menschen sind soziale Wesen und unsere Gesellschaft ist hierarchisch strukturiert, sprich es gibt immer und so ziemlich überall Chefs, Leute die bestimmen wie es läuft und andere die folgen. Das gleiche Prinzip herrscht in Familien..entweder die Eltern haben für eine gewisse Zeit das Sagen oder die Kids, womit die jedoch oft reichlich überfordert sind und es dann ausartet, Chaos ausbricht. Kinder die in ihrer Kindheit nicht lernen auch zu folgen und sich einzufügen werden es im Leben, ggf. im Beruf schwer haben. Auch dort gibt es Belohungs- und Bestrafungsstrukturen: wer gut funktioniert hat Erfolg und kommt an Kohle ran, wer nicht fliegt raus und ist arm.
In der Familie ist es dann gut, Kinder auf diese Realitäten vorzubereiten und ihnen das Ursache-Wirkung-Schema zu vermitteln...Belohnung ist ja an sich nichts anderes als Positiverstärkung...indem sich ein Kind erwartungsgemäß verhält wird es belohnt, verhält es sich gegen die Regeln kommt es zu Sanktionen..ohne eine solche Struktur gäbe es keinen Lerneffekt.
Sogar in Märchen gibt es ja dieses Belohnungs-Sanktionschema..vgl. u.a. Glücksmarie und Pechmarie etc. Ob man will oder nicht, ich denke diese Struktur ist ein Anthropologikum oder auch ein Naturgesetz..wer sich wider die Regeln der Natur verhält stirbt, wer sich daran hält überlebt und manchmal sogar glücklich 😉 Übertragen auf unsere Kultur haben nur die Erfolg, die sich auch hier an die Spielregeln und Gesetze halten, diejenigen die zu aufmüpfig sind werden scheitern. Regeltrainierte Kinder haben es im Leben einfach leichter und wer sein Kind wirklich liebt, der setzt auch Grenzen und fordert und fördert anstatt zu verwöhnen.
Auf jeden Fall ist es ein evolutionärer und auch gesellschaftlicher Vorteil die Regeln zu kennen und zu wissen worauf es im Leben und auch in der Kindererziehung ankommt.