Hierzu muss ich noch was schreiben:
Und wenn ich dann erkenne, dass soziale Kontakte mich glücklicher machen, selbst wenn diese Kontakte vielleicht nicht den gleichen Wert auf mich legen wie sie auf mich und ich dann bedürftig wirke, dann darüber zu stehen und sich nicht darum zu scheren was andere denken - das ist für mich echter Stolz.
Früher habe ich auch so gedacht. Ich hatte mehrere Personen in meinem Umfeld, bei denen es mir absolut nichts ausgemacht hatte, dass meistens ich die treibende Kraft bei der Kontaktpflege war. Mir war es wichtig, diese Menschen zu sehen und Zeit mit ihnen zu verbringen. Ob der erste Schritt von mir oder von ihnen kam, war mir lange völlig egal.
Irgendwann wurde der Kontakt trotz meiner Aktivität immer weniger. Es kam immer öfter vor, dass ich anrief oder schrieb, nach einem Treffen fragte und solche Antworten bekam: "Du Zauberfee, sorry, ich bin gerade tierisch im Stress... kann ich mich in ein paar Wochen bei dir melden? Wir können gerne etwas ausmachen, sobald der Stress bei mir vorbei ist." Ich reagierte natürlich verständnisvoll, weil ich meinen Freunden keinen Druck machen und gerne die Zeit geben wollte, um sich vom Stress zu erholen. Aber dann verging Woche für Woche, ohne dass sich jemand bei mir meldete. In manchen Fällen vergingen sogar Monate ohne ein Lebenszeichen. Wenn ich mich dann wieder meldete, kam wieder das Gefasel vom niemals endenden Dauerstress und ähnlicher Bullshit. Und irgendwann musste ich mir anhören, dass ich viel zu hohe Erwartungen hatte, meine Freunde angeblich öfters mal zu Treffen "zwingen" würde und wir uns sicher nicht so oft gesehen hätten, wenn ich mich nicht immer wieder gemeldet und Vorschläge wegen Treffen gemacht hätte.
So ähnlich ging es mir auch mit Leuten, mit denen ich eine Weile öfters telefoniert und/oder gechattet habe, wenn der erste Schritt fast immer von mir kam. Irgendwann kamen Vorwürfe, dass ich den Leuten die langen Telefonate und Chatgespräche aufgezwungen hätte, obwohl sie das niemals wollten.
Was ich damit sagen möchte: Viele Menschen, die sich wenig bis gar nicht von sich aus melden und sich trotzdem auf irgendwelche Vorschläge einlassen, machen das nicht immer, weil sie große Lust darauf haben. Sie machen das oftmals, weil sie die andere Person nicht enttäuschen möchten und Angst vor Streit haben, wenn sie "Nein" sagen. Sie sagen "Ja", um Ärger zu vermeiden und tun so, als ob sie dasselbe wollen wie die aktive Person. Wenn sich eines Tages "was Besseres" bietet (in den meisten Fällen ein fester Partner), dann wird die aktive Person mit Ausreden wie Stress in die Warteschleife gepackt und fällt dann aus allen Wolken, wenn sie erfährt, wie es im Inneren der passiven Person wirklich aussieht.