Sehe ich nicht so. Ich tue etwas, um zu überleben.
Flucht ist Rückzug. Und Rückzug ist ein Teil des Kampfes.
Bei dem Seminar in dem es eben darum ging sich selbst zu schützen, wenn jemand wirklich gewalttätig auf einen zu kommt. Es wird empfohlen sich zurückzuziehen und der Gewaltakt im Vorfeld auszuweichen.
Ich habe früher sehr oft gekämpft, wollte nicht aussehen als könne ich mich nicht erteidigen, vielleicht aber war es auch so etwas wie Training für den Notfall. Bis ich irgendwann registrierte, dass ich im Kampf keinen Schmerz wahrnahm. Jedoch die Kraft extrem anwuchs. Ich kämpfte von da an weniger. Ich suchte andere Wege der Auseinandersetzung und des Kräftemessens. Es war noch im jugendlichem Alter. Doch wäre ich im Notfall, wenn ich das Gefühl hätte, es würde um Leben oder Tod gehen, jederzeit den Kampf bis zum Ende führen, das schwor ich mir. Aber eben nur, wenn es absolut keinen anderen, besseren Weg gibt, dies zu vermeiden.
Ich halte Flucht für was gutes, aber es setzt auch vorraus eine Situation im Vorfeld zu analysieren und einen guten Weg sich dem Kampf zu entziehen zu finden. Es setzt aktives Handeln vorraus und einen klaren Kopf....
Das finde ich S****. Sorry, wenn ich das so deutlich sage. Aber damit stellst Du Ressourcen in Frage. In der Traumatherapie arbeiten wir aber gerade mit genau diesen Ressourcen.
Wenn das jemand kann, in seine innere Welt fliehen, ist das eine unglaubliche Stärke. Das ist ein Mensch, der stark visualisieren kann. Diese Fähigkeit kann man einsetzen, um zum Beispiel gegen Flashbacks Strategien zu entwickeln.
Danke Tuesday, ich bleib hier gerade hängen. Kann nicht genau sagen an was, aber irgendwie scheint es mir eine wichtige Aussage und irgendwie scheint mir da etwas dran zu sein.
Aber wieso stark visualisieren?
Ich habe viel mit Multiplen Persönlichkeiten zu tun. Personen spalten sich in Situationen ab, in denen das Kind (das muss unter fünf Jahren sein, um das erste Mal spalten zu können) in einer lebensbedrohlichen Situation ist. Das könnte sich in diesem Moment auch entscheiden zu sterben. Das ist eine unglaubliche Überlebenskraft. Das ist ziemlich genial!
Ich kenne Multiple, die haben nicht nur ein Mathegenie unter ihren Persönlichkeiten sondern auch noch drei Personen, die zusammen fünf Sprachen fließend sprechen. Viele kommen mit zwei Stunden Schlaf aus. Und ich kenne keinen Multi, der nicht auf die eine oder andere Weise gelernt hat, Kompromisse einzugehen.
Ich denke Komprommisse sind da auch sehr wichtig,oft auch überlebenswichtig, da sonst das Chaos herrscht und das ist dann nicht so toll. Das heißt einigen, damit es zu leben geht und im Leben auch vieles geregelt werden kann...
Krank macht sie die Gesellschaft, weil sie eben "abseits der Norm" also abnormal sind.
Ich denke es ist für andere schwer zu verstehen, die so etwas nicht kennen. Vor allem ist es auch manchmal schwierig plötzlich jemanden gegenüberzustehen, der sich unter Umständen gerade ganz anders verhöält wie sonst, sich ganz anders gibt...
So etwas kann Angst machen oder zumindest unsiche, weil viele Menschen eben nicht aufgeklärt sind, was alles so möglich ist...
Ansonsten ist das eine wahnsinnige Kraft, die diesen Menschen inne wohnt. Man muss den Leuten nur dabei helfen, die Kontrolle über diese Kraft zu erlangen.
Vielleicht ist das Wort Kontrolle an dieser Stelle hart, denn oft ist es jahrelang starker Kontrolle ausgesetzt und wirkt im Hintergrund, oft ist es dann unberechenbar taucht auf und ist wieder fort...
Mein persönlicher Eindruck ist es ein friedliches und ruhiges miteinander ist das was erreicht werden sollte, damit die Kräfte gebündelt werden können. Wenn alle ein und das selbe Ziel verfolgen, dann sind sie stark, dann haben sie die Kraft und die Energie auch ihre Außenwirkung zu koordinieren, wenn sie es partnerschaftlich und kompromissbereit hinkriegen. Wenn ihnen klar ist, dass sie eigentlich alle für das selbe kämpfen, für ihr Leben...
Ist so meins, wie es für andere ist?
Was mir hier so ganz stark auffällt, die Gesellschaft macht Menschen zu Opfern, die nicht der Norm entsprechen. In den Beiträgen von Mittendurch ist es mir aufgefallen
Wie ich das lese, frage ich mich sind das dann Opfer? Oder wird es ihnen da oft nur angesagt? Ich merke immer mehr wie wenig ich dieses Wort Opfer mag. In dem Zusammenhang, das die Gesellschaft Menschen zu fer macht noch weniger, als das es ein Ereignis gab, dass einen Menschen dazu macht...
"Auch gibt es Dinge, die noch nicht so gehen wie ich es gern hätte und es braucht Geduld und viel gutes Zureden."
Das hat aber doch nichts damit zu tun, dass du irgendwann Opfer von Gewalt wurdest, oder? Ist das nicht völlig normal, dass jeder Mensch Defizite hat und an Dingen arbeiten muss?
Doch, leider. Doch es ist nicht wirklich überall angekommen. Weil doch...
Aber ich glaube fest daran, dass wir es auch noch schaffen.
Darum finde ich es gut, wenn du schreibst, du fühlst dich in Vielem nicht als Opfer. Wenn jemand Krebs hat, ist er dann ein Opfer seiner selbst? Bei Krebs stellt sich aber immer mehr heraus, dass es meist auch psychosomatische Gründe gibt. Also warum ist man dann Opfer, wenn man Flashbacks hat?
Auch vieles,was eben nicht so geht, dass ist dann erstmal so, es wird doch auch wieder anders. Das Heilen von Traumatas ist eben wie das Heilen von alten wuchernden Wunden, so sehe ich das. Das hat aber wenig mit Opfer sein zu tun. Doch vor Gericht, wäre das sicher aufgesplittet Opfer - Täter, das ursprünglicher Ereignis, doch das liegt weit zurück und so bin ich ein "fast normaler" Mensch. Achso fast, weil es gibt keinen normalen Menschen, weil es für Menschen kein "Normal" gibt, weil jeder Mensch anders ist und das ist gut so...
Das sehe ich auch so.
Gerade für Betroffene gibt es so eine unsichtbare Latte, die jeder erreichen muss. Du musst kämpfen, du musst dich daraus lösen, du darfst auf keinen Fall jammern und Angst zeigen. Sonst bist du in der Opferrolle und daraus musst du dich befreien.
Das Wort Opferrolle ist für mich das Unwort des Jahrtausends.
Wer bitte ist denn nicht in der Opferrolle? Der eine in der Situation, der andere in einer anderen!
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Gerade aber das kämpfen führt dazu, dass das Heilen der alten Wunden länger dauert...
Und auch das sich Verstellen, damit auf keinen Fall irgendwer was merkt. Wenn ich gefragt werde, wie es mir geht, dann Antworte ich oft unerwartet ehrlich. So ist es dann aber auch oft mehrmals am Tage anders....
Melingos Beitrag finde ich ganz treffend! Der Umgang in unserer Gesellschaft mit Betroffenen hat ganz viel damit zu tun, dass die Leute ihr eigenes Opfersein nicht erkennen und immer auch Angst davor haben, selbst zum Opfer zu werden.
Wenn eine Frau vergewaltigt wird und ich anerkenne, dass sie sich nicht wehren konnte, dass sie nicht nein sagen konnte, erkenne ich damit auch immer an, dass mir das auch passieren könnte und ich in eine Situation kommen könnte, in der ich völlig hilflos bin. Wenn ich dem Opfer aber die Schuld gebe, ihm vorwerfe, es hätte sich ja wehren können und warum es dem Typ nicht in die Eier getreten hat, leugne ich damit, dass es hilflose Situationen gibt und damit bin ich selbst nicht in Gefahr.
Es gibt eine starke Solidarität mit Tätern. Weil es eben die starke Seite ist und einem da immer suggeriert wird, dass man selbst nicht zum Opfer werden kann.
Auch ich sehe es so, doch das birgt große Gefahren.
Nicht umsonst, werden viel Opfer zu Tätern, auch die Täter bei mir waren einst opfer. Aus diesem Kreis auszubrechen bedeutet, ehrlich sein, ehrlich sein sich selbst gegenüber. ange hatte ich Angst so werden zu müssen wie sie, weil "der Apfel fällt nicht weit vom Baum". Doch der Mensch hat es selbst in der Hand, wenn er ehrlich ist und sich dem stellt, dass er nicht immer alles in der Hand hatte in seinem Leben...
Danke dir für die vielen Gedanken und Anregungen.
Ja es geht um das einst mal Opfer gewesen zu sein, doch heute nicht mehr....
Jedoch auch niemals zum Täter zu werden. Das ist mir immer schon wichtig gewesen.