Ich komme nochmal auf den von Dir zitierten Artikel zurück. Inzwischen bat ich um eine Stellungnahme von Open Doors und erhielt folgende Antwort:
Gesendet: Dienstag, 09. Januar 2018 um 07
🤐9 Uhr
Von: Pressebuero <Pressebuero@opendoors.de>
An: ".....">
Cc: Pressebuero <Pressebuero@opendoors.de>
Betreff: AW: Weltverfolgungsindex
Sehr geehrter Herr .....,
danke für Ihre Nachricht. Ich habe den Schreiber des von Ihnen erwähnten Artikels bereits vergangenes Jahr geschrieben und ihm aufgezeigt, dass er recht oberflächlich recherchiert und tendenziös berichtet hat. Dier Artikel von Fabian Köhler und heise.de hat also wenig mit sauberer journalistischer Arbeit zu tun.
Herr Köhler mag noch anerkennen, dass es tatsächlich Christenverfolgung in einigen Ländern gibt, doch die verfolgten Christen sind nicht sein Hauptinteresse – im Gegensatz zu Open Doors.
Ich kann an dieser Stelle nicht auf alle Vorwürfe und falschen Behauptungen von Herrn Köhler / heise.de eingehen, dafür fehlt mir die Zeit. Nur mal einige – und nach Veröffentlichung des Weltverfolgungsindex 2018 am 10. Januar habe ich etwas mehr Zeit.
Zitat1: „Anders als bei wissenschaftlichen Studien üblich, ist dem Bericht kein Kapitel darüber vorangestellt, mit welchen Methoden man das Maß an Verfolgung und Diskriminierung von über zwei Milliarden Menschen herausfinden und vergleichbar machen will.“
Antwort1: seit Jahren veröffentlicht Open Doors jedes Jahr ein Dokument zur Methodik des Weltverfolgungsindex (2017 waren das 11 Seiten), in welchem detailliert nachgelesen werden kann, wie der Weltverfolgungsindex erstellt wird, wie der Begriff „Verfolgung“ verwendet wird (z.B. dass sich Open Doors dabei an die Definition des UN-Flüchtlingshilfswerks und der Genfer Konvention ausrichtet) (es gibt außerdem noch einen Text zu Methodik in Englisch mit mehr als 40 Seiten).
Herr Köhler hat sich nicht einmal die Mühe gemacht, das Dokument anzuschauen. Er arbeitet lieber mit Behauptungen.
Zitat2: „Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International oder Human Rights Watch verweisen an dieser Stelle oft auf eigene Untersuchungen vor Ort, repräsentative Umfragen und Interviews, die Auswertung von Medienberichten, Statistiken lokaler Behörden, Erhebungen durch Vereinten Nationen und NGOs.“
Antwort2:
Herr Köhler muss das nur nachlesen. Ich schicke Ihnen dazu den Bericht zum WVI 2017 im Anhang mit mehr als 300 Seiten.
Zitat3: „Kritik an der Arbeit von Open Doors kommt vor allem aus Reihen, die eigentlich dasselbe Anliegen teilen: "Ich habe große Zweifel daran, dass diese Zahlen solide sind", sagte der Nürnberger Theologe und Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit des UN-Menschenrechtsrats Heiner Bielefeld im Jahr 2012 und kritisierte die Tendenz der Organisation, vorzugsweise den Islam für die Diskriminierung von Christen verantwortlich zu machen und "Religionen gegeneinander auszuspielen."
Antwort3:
Bitte sprechen Sie direkt und persönlich mit Herrn Professor Bielefeldt. Er wird missverständlich zitiert.
Zitat4: „Auch in den beiden großen Kirchen in Deutschland zweifelt man an der Aussagekraft des Weltverfolgungsindex. "Ich glaube nicht, dass es sehr aussagekräftig ist, ob es nun eher 50 oder 70 oder 100 Millionen verfolgte Christen gibt", sagte der evangelische Auslandsbischof Martin Schindehütte 2013 bei der Vorstellung eines eigenen Berichts zur Christenverfolgung.“
Antwort4: Sie sehen daran, worum es Herrn Köhler eigentlich geht: der Bericht der Kirchen soll in den Vordergrund und der Bericht von Open Doors diskreditiert werden. Dazu gehört es, zunächst die Organisation selbst zu diskreditieren – durch Behauptungen. Würde jemand sagen: "Ich glaube nicht, dass es sehr aussagekräftig ist, ob es nun eher 50 oder 70 oder 100 Millionen hungernde Kinder gibt" oder „Ich glaube nicht, dass es sehr aussagekräftig ist, ob es nun eher 500 oder 700 oder 1000 Journalisten in Gefängnissen in der Türkei und weiteren Ländern sitzen“ so würde sich jeder die Frage stellen, warum dies nicht aussagekräftig sein soll. Es wäre schlicht lächerlich und irrational, so etwas zu sagen.
Zitat5: „Anders als Open Doors legte der gemeinsame Bericht der Deutschen Bischofskonferenz und Evangelischen Kirche in Deutschland die Definition und Untersuchung der Christenverfolgung in die Hände eines anerkannten und unabhängigen wissenschaftlichen Forschungsinstituts.“
Antwort5: Hier wird noch deutlicher, worum es eigentlich geht: „Anders als Open Doors …“
Bitte überprüfen Sie, woher der Bericht der DBK und EKD seine Informationen hat: abgeschrieben aus Statistiken und Berichten anderer Organisationen sowie Regierungen, die Berichte zur Religionsfreiheit erstellen.
Im Gegensatz dazu befragt Open Doors in den Ländern selbst von Verfolgung betroffene Christen. Deren Aussagen sowie die von geistlichen Leitern, die von Feldforschern aus der Region, die von Experten aus der Region + eine kontinuierliche Beobachtung der Aussagen der Medien im Land über Christen und andere religiöse Minderheiten … all das fließt in die Bewertung zur Glaubensfreiheit der Christen im jeweiligen Land ein. Außerdem befragt Open Doors die Christen im jeweiligen Land in 6 unterschiedlichen Lebensbereichen zu ihrer Glaubensfreiheit bzw. zu Verfolgung: Privatleben, Familienleben, Kirchliches Leben, Leben im Staat, Leben in der Gesellschaft, Auftreten von Gewalt. Open Doors bezieht seine Informationen im Land und von den Betroffenen.
Bitte schauen Sie sich den Bericht im Anhang an (von 2017) und dann können Sie mir gerne mitteilen, wo noch Fragen offen sind.
Ich werde Ihnen darauf antworten.
Herzliche Grüße
Ado Greve