warum stehen menschenrechte über religiösen rechten? weil sie allen menschen frieden zugestehen. sich religiöse rechte dagegen immer nur auf eine beschränkte gruppe beziehen.
Vielleicht wäre es besser, Du würdest fragen "warum Menschenrechte über religiösen Rechten stehen sollten?", denn diese Menschenrechte, von denen allgemein öfters gesprochen wird, gibt es so umfassend nicht. Die Frage der Gültigkeit hängt davon ab, in welchem Land "Du" lebst.
wir leben im jahr 2018. wir werten menschen nicht mehr danach, welcher religion sie angehören. jeder mensch ist wertvoll, weil er mensch ist. und freie religionsausübung kann immer nur im rahmen der menschenrechte stattfinden.
Zustimmung
und solange es christen gibt, die homosexuellen gegenüber sagen, sie sind krank, gegen die natur und für gott weniger wert, verletzen sie die würde eines menschen.
Das kann ich gut verstehen. Auch lehne ich ab, den Menschen "mir gegenüber" auch nur ansatzweise zu bewerten, den Wert dieses Menschen zu bestimmen. Das trenne ich von Handlungen, Denkweisen, Einstellungen. Es gibt Christen, die mit ihren Äusserungen verletzen. Im Islam ist es anscheinend noch drastischer, radikaler. Wenn es sich um verletzende Christen handelt, schäme ich mich für sie.
Mir ist daran gelegen, mit dem Menschen über seine grundsätzliche Einstellung zu Gott zu reden. Aus der Qualität der Beziehung zu Gott ergibt sich das Leben, sei es in christlicher Art (in einer guten Mensch-Gott-Beziehung) oder auf unchristlicher Art (in einer schlechten Mensch-Gott-Beziehung). Als Christ muß ich den anderen Menschen nicht besser machen. Das ist nicht meine Aufgabe, das könnte ich auch nicht. Da will ich auch lieber vor meiner Türe kehren. Eine gute Beziehung zu Gott erachte ich als einen Gewinn. Was dazu gehört...das ist mein Thema.
Jedoch möchte ich im Sinne dieses Fadens
allgemein auf folgendes aufmerksam machen: Aus meiner Sicht hat Gott dem Menschen eine hohe Würde gegeben, auch Dir. Du bist für Ihn wertvoll, was Du z.B. an Gaben und Fähigkeiten bei Dir findest. "Einer wertlosen Person gibt Gott keine wertvollen Gaben an die Hand." Was der Mensch daraus macht, entscheidet, ob er seiner Würde entsprechend lebt oder nicht. Würde und Wert können abgesprochen und verneint werden, würdelos behandelt werden, nicht jedoch genommen.
Toleranz auch gegenüber anders denkenden Menschen ist für mich zunächst eine Frage der Erkenntnis und nicht etwaiger Rechte.
Toleranz ist nur möglich, wenn es auch Toleranzgrenzen gibt. Um diese auszuloten bedarf es ebenfalls guter Erkenntnis.
immer wieder vorgeführt zu werden als "widernatürlich" verletzt die würde eines menschen dramatisch. und wo verletzungen passieren, ist eine grenze. manche menschen wissen das von allein, wenigen muss man das offensichtlich erst mitteilen.
Passiert Dir das in Deinem persönlichen Lebensumfeld?
wenn die katholische kirche in die verantwortung für die untaten der vergangenheit genommen wird, dann sehe ich nicht, dass die würde eines einzelnen menschen verletzt wird. verantwortung übernehmen, sich den folgen stellen, ist in meiner welt ganz normal. gerade auch darum, weil es offensichtlich ist, dass sich ohne verantwortung nichts verändert. das gleiche allmachtsdenken von früher (ewig-gestrig) verletzt auch heute immer noch die würde einzelner menschen. ist das im sinn von jesus christus? gibt es in der bibel eine stelle, an der er gegen die menschenrechte verstößt?
Das mit der Verantwortung übernehmen für "Untaten der Vergangenheit" ist schwierig. Wenn ich auch eine klare Äusserung zur Vergangenheit im Moment nicht kenne, so kenne ich doch klare Äusserungen des Papstes zur Gegenwart - und das ist für mich schon viel wert.
Dazu folgendes Zitat: "Papst Franziskus hat sich gegen eine moralische Verurteilung von Homosexuellen in der katholischen Kirche gewandt. In seiner Zeit als Erzbischof von Buenos Aires habe er Briefe von Homosexuellen bekommen, die sich von der Kirche verurteilt fühlten, sagte er in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview : "Aber das will die Kirche nicht", so Franziskus. Es dürfe keine "spirituelle Einmischung in das persönliche Leben geben".
Die Religion habe zwar das Recht, "die eigene Überzeugung im Dienst am Menschen auszudrücken"; Gott habe die Menschen in der Schöpfung jedoch "frei" gemacht, sagte Franziskus in dem Gespräch, das die deutsche Jesuiten-Zeitschrift "Stimmen der Zeit" veröffentlichte. Das Interview führte der Chefredakteur der italienischen Zeitschrift des Ordens "Civilta Cattolica", Antonio Spadaro. Es wurde in mehreren Publikationsorganen des Ordens veröffentlicht. Franziskus ist selbst Jesuit. Zugleich bekräftigte der Papst seine Treue zur Morallehre der katholischen Kirche: Ihre Ansichten seien hinreichend bekannt, "und ich bin ein Sohn der Kirche", sagte er. Man müsse "nicht endlos davon sprechen". Franziskus warnte vor einer einseitigen Fixierung auf moralische Fragen: "Wir können uns nicht nur mit der Frage um Abtreibung befassen, mit homosexuellen Ehen, mit Verhütungsmethoden." Die katholische Kirche müsse sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren; dies sei die Glaubensverkündigung."
Ich denke, daß oft einseitig die Vergangenheit in den Vordergrund gerückt und dabei die Gegenwart übersehen wird. Gerade dem letzten Absatz stimme ich besonders zu, auch wenn ich kein Katholik bin.
Die kath. Kirche besteht nicht nur aus hochintelligenten und ethisch im tiefen Glauben verwurzelten Menschen, sondern auch aus Menschen, die unchristliches, dummes Zeug reden. Solchen Äusserungen widerspreche ich, besonders hier im Forum, wenn ich das bemerke. Was mir fehlt, ist der Widerspruch homosexueller Menschen, wenn aus ihren Reihen "dummes Zeug" oder verletzende Beiträge kommen.
Wer auf Menschenrechte pocht, den Frieden will, sollte nicht darauf warten, dass die anderen anfangen.
Deinen heutigen Beitrage zur Toleranz empfinde ich so, als ob Du sagen wolltest: "Die anderen sollen anfangen... erst dann mache ich mit."
LG, Nordrheiner
PS. Das obige Zitat ist entnommen aus: http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/papst-kirche-verurteilt-keine-homosexuellen