Ein Studium ist nun mal kein Kuschelkurs. Große Opfer? Ich habe das 2. juristische Staatsexamen ablegen müssen, obwohl mein Vater in der Zeit an Lungenkrebs erkrankt und zwischen meiner Examenshausarbeit und der mündlichen Prüfung auch verstorben ist. Ich wohnte damals noch in meiner Heimatstadt, habe alles hautnah miterlebt, ihn auch oft besucht, wenn er im Krankenhaus war.Ich bin ehrlich gesagt wütend und zornig, da ich die HA unter großen Opfern geschrieben habe und so etwas zurückzukriegen schmerzt.
Das hat in der Prüfung niemanden interessiert, und das wusste ich auch von Anfang an. Andere haben bereits im Studium oder in der Schulzeit Vergleichbares erlebt. Wiederum andere sind nach Abgabe der Examenshausarbeit erst mal auf die Kanaren geflogen und konnten sich erholen, bevor es mit dem Lernen fürs Mündliche weiterging. Ich musste mir stattdessen das Krepieren meines Vaters ansehen, zur Beerdigung gehen und gemeinsam mit meiner schon damals seit Jahrzehnten chronisch kranken Mutter und meiner Schwester (deren psychische Krankheit damals noch nicht so deutlich zutage trat) beim Notar den Nachlass zugunsten unserer Mutter regeln lassen, weil kein Testament existierte.
Ich hatte die Wahl: Entweder ich reiße mich am Riemen und bin so nervenstark, dass ich das Referendariat und die 2. Staatsprüfung trotz alledem packe, oder ich lasse mich hängen, falle durch, und meine berufliche Zukunft ist ruiniert. Das wäre im Übrigen das Letzte gewesen, was mein Vater gewollt hätte. Die Mitleidsmasche und das Drücken auf die Tränendrüsen zieht im Studium nicht mehr. Später im Beruf auch nicht. Wer das Studium oder einen darauf aufbauenden Vorbereitungsdienst nicht mehr packt, sobald ihn ein schwerer Schicksalsschlag ereilt, der hätte einen anspruchsvollen akademischen Beruf auch nicht gepackt. Denn solche Berufe erfordern ein hohes Maß an Belastbarkeit, auch psychisch. Während eines jahrzehntelangen Berufslebens trifft sowieso nahezu jeden der eine oder andere schwere Schicksalsschlag. Mich haben gleich mehrere getroffen, der im Referendariat war nur der erste von vielen.
Übrigens meinten gewisse Verwandte hinterher obendrein noch, ihr Sohn hätte kurz vor seinem Abitur vergleichbare Belastungen gehabt, weil sein Opa im Alter von über 80 Jahren gestorben war.... Die Eltern des Bürschchens waren gerade mal um die 40 zu der Zeit und beide kerngesund und fit. Animal farm, sag' ich dazu nur noch. 😎
Statt beleidigt zu sein, nimm lieber die Kritik an und konzentriere dich darauf, deine Arbeitsweise in den kritisierten Punkten zu verbessern. Und wenn du das nicht kannst, suchst du dir besser eine einfachere Ausbildung.
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