Liebe Profesora,
uns trennen 18 Jahre, welche aber früher wie heute unerheblich sind. Ich war mit meinen 19 Jahren bereits auf einem ganz anderen Level, wusste durch meine persönliche Biografie klar was Verantwortung ist und übernahm diese auch. Unsere Lebensphilosophien und Gesprächsthemen waren die Gleichen. Trotzdem - rückblickend gesehen fehlte es mir an Standing und Souveränität im Umgang mit der Situation. Ich wusste damals selbst nicht so recht, wie ich mit diesem aufblühenden Gefühl für eine Frau umgehen sollte... Ich habe mich nie wieder in eine Frau verliebt, nicht vorher und nicht nachher.
Ziemlich zu Beginn, also im ersten Schuljahr, lud sie mich zum Abendessen im Restaurant ein. Es war kein "Eis-essen" oder "Kaffee-Trinken", auch kein Mittagstisch mal zwischendurch - sondern eine Einladung zum Dinner. Ich glaube am Abend davor, wurde mir zum ersten Mal bewusst, dass in mir mehr war als nur Freundschaft. Ich war aufgeregt wie vor einem Date und ich hatte Angst man könne mir dieses urplötzliche Anderssein ansehen. Zu diesem Zeitpunkt war sie Single, traf sich aber auch rein freundschaftlich mit einem Mann, der ihr vermutlich leidenschaftlich den Hof machte. Wir hatten einen unglaublich schönen Abend, aber diese Angst ließ mich komische Dinge tun. Ich erzählte ihr von meinem Freund, den es nicht gab. Eine sehr blöde Schutzhaltung meinerseits. Das war der Punkt an dem ich von meinem Lebensweg falsch abbog - meine verpatzte Chance. Erst ein Jahr später ließ sie sich auf diesen Mann ein. Diese Situation fiel mir erst vor ein paar Wochen wieder ein, weil er mir erzählte, dass ich sofort Thema war, als sie sich kennen lernten und noch kein Paar waren. Sie schwärmte regelrecht von mir, zu dieser Zeit. Nur - das weiß ich heute - zwanzig Jahre danach. Als er das vor ein paar Wochen erzählte, machte er sich keine Vorstellung darüber, was das für mich eigentlich bedeutet, was mir das für einen Rückenwind in die Segel gab. Sie hingegen, nebenan stehend, sah mich verlegen an, bekam Farbe im Gesicht. Sie wusste sofort, was dieses fehlende Puzzleteil in mir machte.
In der Tat, es war schwer am Ende meiner Schulzeit, bzw. kurz danach zu sehen, dass das weitere Leben sie nun familiär in Anspruch nahm - mit Mann und später dann auch mit dem Kind. Aber völlig diszipliniert hab ich mein bestes getan, dieses Liebesgefühl in einen sehr freundschaftlichen Rahmen zu verpacken. Das Verliebtsein in mir wandelte sich in eine tiefe Liebe zueinander. Sie verhielt sich sehr zauberhaft mir gegenüber, zu jeder Zeit. So ging das 12 Jahre lang. Ich lebte die meiste Zeit allein, habe hier und da mal versucht mich in Normen zu pressen, was letztlich nicht wirklich gelang. Zwölf lange Jahre, bis ich mich zum ersten Mal wieder verliebt hatte, in einen Mann. Diese Zeit war mit so vielen Umbrüchen verbunden, dass ich zum Schluss weit weg wohnte und sie keine Kontaktdaten mehr von mir hatte. Und wie das so ist, sie hatte auch gerade eine Sinnkrise, brauchte Zeit um ihr Leben zu ordnen. Ich konnte an diesem Punkt nicht mitgehen, denn hätte ich damals gesagt was ich über ihre Beziehung dachte, dann hätte ich mich gefühlt als bringe ich diese zwei Menschen auseinander... Ich wollte ihr nicht zu irgendetwas raten, was sie später vielleicht bereuen könnte, nur aufgrund eigener Begehrlichkeiten.
Fakt wurde also, dass wir uns ein paar Jahre nicht gehört hatten. Mittlerweile hatte ich auch ein plagendes schlechtes Gewissen deswegen. Mir war nicht ganz so bewusst, dass sie keinerlei Nummern mehr von mir besaß.
Letztes Jahr dann, dachte ich sch...egal - ich ruf jetzt einfach an - ich muss wissen wie es ihr geht, möchte sie sehen. Immerhin fehlte sie mir nach wie vor. Und ich hab's getan...
Weißt du, so hart und auch von meinerseits scheiße diese Stille war, so nötig war sie auch. Heute sind wir zwei andere Menschen mit immer noch dem gleichen verrückten Inneren, aber souveräner, offener und auch begehrlicher. Schon am Ende unseres ersten Wiedersehen, hob es mich aus den Angeln. Und egal wohin ich dieses Liebesgefühl auch in der Vergangenheit versucht habe zu verschließen, jetzt war es unausweichlich wieder da - mit voller Wucht, reifer, stärker, zweifelsfreier und auch irgendwie unbeirrbar. Plötzlich kommen Sätze mit denen ich im Leben nie gerechnet hätte. Wenn früher persönliches unausgesprochen auf der Gefühlsebene blieb, so sagen wir uns jetzt wie wichtig wir einander sind, wie sehr man sich vermisst, wie besonders das alles ist. Und mit diesem zeitlichen Abstand betrachtet, verblüfft es mich immer wieder, dass wir beide unsere gesprochenen Worte und all das Erlebte noch immer im Ohr haben, als sei es gestern gewesen.
Es ist schön, plötzlich mit Gewissheit sagen zu können, dass man die wichtigste Person im Leben des Anderen ist - und von dort aus ist es nur noch ein kleiner Schritt, den sie gehen muss. Ich kann nur die Weichen dafür stellen.
Ich kann dir hier leider nicht wirklich detailreiche Antwort geben, denn sonst würde man sehr leicht nachvollziehen können... das geht leider nur via persönlicher Nachricht als angemeldeter Nutzer.
Liebe Grüße
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