Man darf den Hintergrund nicht vergessen. Es gab einen kalten Krieg. Es gab im Westen einen Marshallplan, im Osten hohe Reparationszahlungen. Es gab ein starkes wirtschaftliches Gefälle, Schwarzmarkt, Schmuggel und Abwerbung von hoch ausgebildeten Fachkräften. Es war schon fast ein Trend geworden, in der DDR preiswert zu studieren und anschließend das Land zu verlassen.
Der Marshallplan wird rein finanziell immer massiv überschätzt, ich glaube die für den Wiederaufbau gezahlte Summe belief sich auf insgesamt 10 Millionen Dollar, von denen nicht mal alles an Deutschland ging, nach heutigen Begriffen Peanuts, aber selbst damals, als der Dollar um einiges mehr wert war, in keiner Hinsicht ausreichend, um ein schwer kriegszerstörtes Land mit Millionen Obdachlosen und Flüchtlingen wieder auf die Beine zu stellen.
Laut Einschätzung von Historikern war es mehr der rein psychologische Effekt, ein "Uns wurde vergeben!", der den Marshallplan so effektiv machte, weil er die Deutschen anspornte, beim Wiederaufbau und in der Wirtschaft in die Hände zu spucken und fleißig zu werden, denn sie wußten, daß sie für sich selbst und ihre eigene Zukunft arbeiteten,
nachdem der Morgentau-Plan (Deutschland aufzuteilen und in ein reines Agrarland zu verwandeln, sprich Bauernland und nix anderes mehr, keine Hochindustrie und natürlich keine eigene Armee) sich als (letztlich) billige Zuarbeit für die europaweiten Eroberungspläne Stalins erwies. (Die Hitler mit seinem eigenen Eroberungskrieg Richtung Osten erst mal blockiert hatte, aber es war nur eine Frage der Zeit, bis die Sowjetunion wieder gierige Finger nach Europa ausstrecken würde.)
Aus purer "Gutheit" der westlichen Siegermächte wurde der Marshallplan nämlich nicht in Kraft gesetzt, sondern um eine (wenn auch erst mal schwache) Ostgrenze gegenüber der Sowjetunion zu installieren.
Reparationen gab es trotzdem, allein schon über die Landverluste (Elsaß, Saarland), aber bei weitem nicht so heftig wie in Ostdeutschland, wo die Russen wie jede antike Siegermacht ihr "Recht" auf Plünderung wahrmachten und alles mitnahmen, was nicht niet- und nagelfest war. Natürlich auch um ihre eigenen massiven Verluste zu kompensieren, aber eben nicht nur. Kein Wunder also, daß die Deutschen unter diesen Bedingungen sahen, daß sie Land gewannen, denn daß im Osten nicht mehr viel zu gewinnen war, wenn der "Große Bruder" Stalin alles auffraß und beherrschte, war klar ersichtlich.