Eule, man muss sich wenigenstens bemühen, so ein Buch vor seinem Hintergrund zu verstehen. Sonst ist es in der Tat schwierig.
Du kannst mir ruhig glauben, dass ich mich mit sowas schon sehr lange auseinandersetze. Ich fasel hier nicht irgendwas vor mich hin, sondern ich mache mir schon meine Gedanken darüber. Ich habe über 5 Jahre eine christliche Privatschule besucht, jeden Tag ne halbe Stunde Andacht. Dazu später mehr.
Klar, in der Bibel kommen keine Dinosaurier vor. Warum?
Sicher nicht, weil die Bibel verleugnen möchte, dass es welche gab.
Sondern weil die Bibel kein Biologiebuch ist, dass alle Arten auflistet. In der Bibel gehts um Gott, um Jesus und um die Menschen, nicht um eine vollständige Beschreibung der Evolution.
Es gibt sehr, sehr viele Tiere, die in der Bibel nicht erwähnt werden - aus dem einfachen Grund - sie haben keine Bedeutung für die Geschichte, die dort beschrieben wurde.
Dinosaurier haben VOR der Zeit des Menschen gelebt. Dieser Zeit wird in der Bibel aber nur ein Raum von wenigen Versen gegeben. Das kann man kritisieren, aber das ist eben nicht der Schwerpunkt der Bibel. Das heißt aber nicht, dass die Bibel Dinos verleugnet. 🙄
Ich finde es nicht tragisch, dass einige Tierarten nicht erwähnt werden. Sondern das, was einfach falsch ist, ist die Erklärung der Weltentstehung. Gott hat laut Bibel die Welt in 7 Tagen geschaffen. Deshalb kann es gar nicht sein, dass es nur daran liegt, dass die Tiere keine Bedeutung dafür haben. Denn wenn es vorher Dinosaurier gab, können die Menschen nicht die ersten Lebewesen gewesen sein. Und noch was. Die Bibel ist vor 2000 Jahren entstanden. Damals gabs noch keinen Darwin, die wussten überhaupt nichts über unsere Evolution. Und ich bin der festen Überzeugung, dass man damals wie heute nach einer möglichst simplen und plausiblen "Erklärung" suchte. Deshalb hat man sich auf eine höhere Macht eingelassen, auf die man alles und jenes zurückschieben kann. An einen Gott zu glauben, hat auch etwas an Naivität wie ich finde. Einfach an etwas glauben, was man weder sehen noch fühlen kann und dann noch sagen, "das" hätte uns alle gemacht, finde ich schon eine gewagte These. Denn am Ende sind wir von alleine entstanden, wir haben uns gekreuzt, unsere DNA weitergegeben und so weiter und so fort. Ein riesen Kreislauf, den man nicht mit einem Satz wie "Gott schuf die Welt" erklären kann.
Ich denke, dass beides durchaus zusammenpasst. Das eine ist Wissenschaft, die haargenau bis ins Detail erklären muss und möchte, wie etwas funktioniert. Das andere ist ein Buch, dass darstellen möchte, wie großartig Gott ist. Gott will seinen Kindern keine wissenschaftliche Abhandlung geben, sondern eine kurze Erklärung. Ich erkläre einem Dreijährigen, der mich nach der Herstellung seines Bruders fragt, auch nicht ALLE biologischen Vorgänge, sondern vereinfache das extrem. Manchmal benutzt man beim Erklären sogar "Bilder" als Beispiele (Karius und Baktus). Wenn man das versteht, dann ist einem auch klar, dass Bibel und Wissenschaft nicht im Widerspruch zu einander stehen, sondern sich ergänzen..
Ist Christenglaube denn nur was für Kinder, die die Wissenschaft noch nicht verstehen KÖNNEN? Wohl eher nicht. Und inwiefern ergänzen sich denn die Wissenschaft und die Bibel?! Sehe ich nicht so. Man kann keine komplexen Vorgänge in der Evolution mit 2 Sätzen erklären, funktioniert nicht. Man kann es vielleicht vereinfachen, wo es geht, aber indem man Dinge hinzufügt oder komplett weglässt, ist das sicher keine Alternative.
Und dank der Wissenschaft stehen wir heute da, wo wir jetzt sind. Nur dank der Wissenschaft können wir Krankheiten besiegen und dagegen ankämpfen. Nur dank der Wissenschaft wissen wir überhaupt, wieso wir unseren Eltern so ähnlich sehen. Nur dank der Wissenschaft wissen wir, wie die Erde entstanden ist.
Was ich mich manchmal auch frage, ist, wenn Christen die Wissenschaft vollkommen ablehnen, aber beim Fall einer schweren Krankheit jede mögliche Hilfe in Anspruch nehmen. Um den Hintern zu retten, ist sie wohl noch gut genug, aber um sich damit auseinander zu setzen und darüber nachzudenken, was die Wissenschaft überhaupt aussagt und was es für eine Bedeutung hat, das ist natürlich wieder zu viel verlangt.
Und nun zur Schule. Wir waren etwa 26 Schüler in der Klasse und fast ALLE kamen aus strenggläubigen Familien. Jeden morgen gab es eine Andacht, jeden Freitag einen "Teenieabend" (sprich: Man hat sich wie einer Jugendgemeinde zusammengehockt, Bibellieder gedrällert, 10x gebetet und eine nicht zuende gehen wollende Rede anhören müssen), jeden Sonntag der ganz gewöhnliche Gemeindetag (gehörte auch noch zur Schule, war allerdings keine Pflicht) usw. Ich war 5 Jahre mit den Leuten durchgehend zusammen und habe auch oft genug mit ihnen darüber geredet. Wenn ich sie auf die Dinosaurier angesprochen habe, hat das JEDER abgelehnt, ohne mir eine plausible Erklärung nennen zu können. Sie haben es einfach ignoriert und fanden es gar nicht notwendig, sich das mal anzuschauen und nachzudenken, ob das überhaupt einen Sinn macht, an etwas vor tausenden Jahren Geschriebenes zu glauben, wenn man vor seinen Augen etwas deutlich sieht, was dagegen spricht. Die haben alle daran geglaubt, dass wir von Adam und Eva abstammen. ALLE! Überleg dir das mal. Da habe ich mich irgendwann auch gefragt, ob die noch alle Tassen im Schrank haben, denn wie kann man so einen Unfug glauben?!
Deshalb habe ich mich nun auch gegen den Glauben entschieden. Ich gebe mich nicht mit einem kurzen Kapitel zufrieden, weil es mir einfach nicht ausreicht. Ich will mehr darüber wissen und das, was man darin liest, ergibt für mich keinen Sinn.
Man hat ja immer noch die Wahl, ob man die Bibel wörtlich oder symbolisch versteht. Aber diejenigen, die wirklich jedes Wort für die pure Wahrheit halten, müssen als Kind wirklich min. 5x auf den Boden gefallen sein.