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Unsere Freundschaft ist nur noch eine Hülle – ich verstehe nicht, wie es so weit kommen konnte

Ich denke schon, dass du ihn das Zimmer kündigen kannst.
Man glaubt immer.das.sie.nicht überleben, aber glaub Mal, wenn die Quelle weg ist, bekommen sie es irgendwie schon hin. Vielleicht nicht so perfekt aber da würde ich mir keine Gedanken machen. Musst ja nicht sagen, dass er nächste Woche ausziehen soll. Einfach die Kündigungsfrist einhalten. Das ist ja kein Zustand mehr, wenn keine Freundschaft besteht.
 
Viele Freundschaften haben irgendwann ein Verfallsdatum. Das habe ich auch schon erlebt. Man hatte eine super Zeit zusammen, war total auf einer Wellenlänge, hat sich alles anvertraut. Und konnte sich nicht vorstellen, dass es jemals endet. Und doch - irgendwann kam es, zunächst eher subtil, dann oft so stark, dass man sich nicht mehr abkonnte. Selber erlebt und auch bei anderen beobachtet.

Ein realistischer Blick auf die Situation ist sicher schmerzhaft, aber du wirst es überleben!

Vielleicht sagst du deinem Freund ehrlich, dass du keine freundschaftliche Basis mehr siehst und dass er sich nach einer anderen Bleibe umsehen soll - nicht umgehend, aber doch mittelfristig. Vielleicht ist eine klare Ansage deinerseits auch für ihn gut, damit er in die Puschen kommt und sich weiter entwickelt. Du schreibst, dass er ohne dich praktisch nichts hat. Ich kann es mir nicht so richtig vorstellen, wie alt seid ihr eigentlich? Warum sollte er nicht in der Lage sein, ihr seid doch beide erwachsen, oder?
Und ja, gut möglich, dass ihn diese Sicherheit und Beständigkeit langweilt, so etwas gibt es. Das Feuer der ersten Zeit ist jedenfalls erloschen, wie es scheint.

Ich würde jedenfalls jetzt, wäre ich du, auch wieder mein eigenes Ding machen und ihn nicht mehr einplanen, animieren, einladen. Je unabhängiger du bist, desto mehr sollte er dich zumindest respektieren. Und du dich selbst.
 
Die Frage ist, wie es nun weiter geht denn die Freundschaft war besonders ohne dass ich sie erkaufen musste. Sie bestand schon lange vor seinem Einzug.
Trotzdem glaube ich, dass es genau das ist, was euch beide entzweit hat: Die Tatsache, dass er dir einiges zu verdanken hat. Ich vermute ganz stark, dass du ihm das auch regelmässig, ob nun direkt oder unterschwellig, unter die Nase bindest. "Du bist undankbar, wo du doch ohne mich schon längst abgesoffen wärst." Ich glaube, du erwartest von ihm im Gegenzug etwas, was er dir nicht geben kann oder will. Du willst, dass du für ihn Freund #1 bist, stattdessen zieht er lieber mit anderen um die Häuser. Das tut weh, logisch. Vielleicht hat die Freundschaft vorher nur so gut funktioniert, weil ihr nicht ständig aufeinander gehockt seid, und jetzt merkt er, dass ihr doch nicht so harmoniert wie früher gedacht. Früher konnte er nach Hause gehen wenn er mal Pause von dir brauchte. Das kann er ja nun nicht mehr, also muss er raus.

Ich denke da hilft nur miteinander reden. "Wo ist unsere Freundschaft hin? Was ist passiert? Willst du, dass wir wieder zueinander finden, denn ich würde das sehr gerne? Auf der aktuellen Basis sehe ich unsere WG als gescheitert und ich denke es wäre besser, du suchst dir eine andere Bleibe."
 
Wenn es Deine Wohnung ist, dann setz in vor die Tür. Lös die WG und die Freundschaft, die keine ist, auf.
Ich würde da gar nichts mehr besprechen. Du brauchst kein Gespräch zu suchen. Es ist alles gesagt. Das wars.

Es kann Dir egal sein, ob er seinen Job oder sonstwas verliert. Was kümmerts Dich? Du bist nicht mal mehr gut, wenn er irgendwas unternimmt. Es juckt ihn nicht. Der hat Dich lang genug ausgesaugt und ausgezehrt. Die Vergangenheit ist vergangen, hänge ihr nicht hinterher.

Der hat morgen ein neues WG Zimmer mit einem Trottel, der ihm jeden Wunsch von der Lippe abliest. Mach Dir keinen Kopf drüber.
 
Ich würde jedenfalls jetzt, wäre ich du, auch wieder mein eigenes Ding machen und ihn nicht mehr einplanen, animieren, einladen. Je unabhängiger du bist, desto mehr sollte er dich zumindest respektieren. Und du dich selbst.
Das ist ja das Problem.

Das Zimmer dient ähnlich einer Pflegestelle für einen Strassenhund, für den es in Tierheimen keinen Platz geben wird worauf der Hund unter geht , sobald er die Stelle verlässt.
Ein anderen Pflegeplatz wird ausgeschlossen.
Damit scheint es zu einer Abhängigkeit gekommen zu sein, die nicht enden darf. Denn das derzeitig aufkeimende Unabhängigkeitsverhalten wird bereits nicht toleriert.

Als Gegenleistung - da keine normales, vertragliches Untermietverhältnis mit klar definierten Bedingungen in Frage kommt, soll ein Anspruch umgesetzt werden, der dem Wohnungsinhaber den zeitweiligen Besitz über den Zimmerbewohner einräumt ("Wertschätzung, Nähe").
Dies lässt der Mieter nicht zu, der Vermieter fühlt sich "ersetzt".

Er stellt heraus, dass er Loyalität, Verlässlichkeit und Sicherheit bietet.
Allerdings sind dies keine benefits sondern Grundvoraussetzungen jeglichen Miteinanders. Ansonsten wären die Gegenteile statthaft: Unsicherheit, Unzuverlässigkeit; Handlungen, die eigene Interessen in den Vordergrund stellen.

(Vorgegebene) Loyalität ist aber gerade davon geprägt, eigene Interessen nicht in den Vordergrund zu stellen, also ein Zimmer auch dann unter zu vermieten, wenn dem Mieter die ihm zustehende persönliche Freiheit eingeräumt wird.
Sie wird ihm aber nicht eingeräumt werden, solange er in der Position des Geretteten verbleibt.

Trump drückte es Seleski gegenüber im Oval Office ähnlich aus:
"Fakt ist dass Obama Dir Papier gab, Trump gab Raketen."
Dann - weg von Selenski, an die Presse gewendet:
"Tatsache ist das statement: Obama gab Blätter, Trump gibt Raketen. Du hast mehr dankbar zu sein!"
Und weiter:
"Ohne uns (damit meint er allerdings sich selbst ) wärst du kein starker Kerl. (...) Entweder machst du den deal oder wir sind draussen. Und wenn wir draussen sind, kämpfst du es aus. Das wird nicht schön für dich, aber du wirst es auskämpfen müssen. Aber dazu hast du nicht die Karten. Schließen wir den deal ab, kommst du in eine bessere Position. Aber im Moment verhältst du dich nicht dankbar. Und das ist keine schöne Sache."

You have to be more thankful.

Würde man Trump nicht unbedingt zum Inhalt - aber zu der Art befragen, warum er es so ausdrückt, so müsste Trump Auskunft über seine Persönlichkeitsstruktur geben.

Es könnte also auch hier in diesem Fall darum gehen, dass es verschiedene Persönlichkeitsstrukturen gibt, die hinterfragt werden müssten.
 
Zuletzt bearbeitet:
...nur mit der Einschränkung, dass der Mitbewohner hier kein Straßenhund ist, sondern ein erwachsener Mensch.
Und der TE nicht das Tierheim oder Mutter Teresa, sondern auch ein erwachsener Mensch.

Und jeder erwachsene Mensch muss letztlich die Verantwortung für sein eigenes Tun tragen.
Man darf Menschen erwachsen behandeln, das ist hilfreich für die Selbstwirksamkeit. Und wenn der TE seinen Mitbewohner nur noch als Belastung und Enttäuschung erlebt, dann darf er sich aus der Situation 'rausziehen.
 
Das darf er, sollte aber seine Erwartungshaltung korrigieren.

Trump geht es beispielsweise nicht darum zu retten sondern darzustellen, dass er es ist, der retten kann.
 
Zuletzt bearbeitet:
In der Fragestellung habe ich Dampf abgelassen und das ging ein wenig nach hinten los.

Mir wäre es lieber wenn ich nicht diese Position des "Retters" hätte. Dieses Abhängigkeitsverhalten besteht daraus, dass er sich hier nun ein starkes Leben aufgebaut hat und einen Job gefunden hat, den er liebt. Für all das was er hat biete ich allerdings aktuell noch das grundlegende Fundament, da er sich aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten im näheren Umkreis keine Wohnung leisten könnte sofern denn überhaupt eine gefunden wird (Großstadt) und selbst eine andere "richtige" WG dahingehend auch nicht einfacher wäre

Ich wollte damit aufzeigen was in dieser Freundschaft bereits steckt und welches Ungleichgewicht demnach auch herrscht. Ich versuche weder seine Zuneigung damit zu erzwingen oder zu erkaufen, noch möchte ich damit eine "Macht" demonstrieren. Das haben leider viele in den falschen Hals bekommen. Ist aber allein meine Schuld.

An einem gewöhnlichen Untermietverhältnis bin ich nicht interessiert, denn das war auch niemals der Sinn dahinter. Eine "Rettungsstelle" sollte es aber auch nie werden. Seine Worte als ich ihm den Schlüssel gegeben habe (paraphrasiert): "Jetzt beginnt eine geile Zeit zusammen, keine 1000km Distanz mehr, lass etwas großartiges darauf aufbauen". Wir haben beide auch vor dem Umzug über unsere Erwartungen und Wünsche gesprochen, damit es gut funktioniert. Da waren auch Freiräume ein großes Thema, den wir beide brauchen und auch gewährt kriegen.

Die Erwartungen und Wünsche die ich habe, waren lange Zeit Realität, der Zustand der Vergangenheit. Da liegt mein Problem. Ich lebe noch in der Vergangenheit. Es sind keine überspitzten Idealvorstellungen die niemals erfüllt wurden. Diese Freundschaft bestand außerdem schon lange vor dem Einzug, wir haben wirklich eine filmreife Geschichte. Die Details spielen dabei jetzt aber keine Rolle.

Die Aussage, dass es meine Absicht sei Besitz über diese Person zu erlangen, ist schon frech.

Hier kam bereits öfter auf, dass vielleicht romantische Gefühle meinerseits im Raum stehen. Diese Freundschaft war schon immer anders, als "gewöhnliche Freundschaften". Tiefgründiger und vertrauter würde ich sagen. Ist nicht das erste mal, dass einem von uns beiden sowas unterstellt wurde. Kam auf beiden Seiten schon vor. Etwas romantisches war es nie und wird es nie sein.

Ja, wir sind erwachsen, aber noch sehr jung muss man dazu sagen.

Ja, Loyalität, Verlässlichkeit und Sicherheit sind Grundvoraussetzungen jeglichen Miteinanders und verdienen eigentlich keine explizite Erwähnung, leider kann ich davon nichts mehr erwarten.

Welche Erwartungshaltung sollte ich denn überdenken? Ist es so falsch eine einst wundervolle Freundschaft zu retten? Ist ein harmonisches Miteinander zu viel verlangt? Aktuell steuern wir auf ein Aus zu.

Veränderung ist normal und okay, aber in diesem Ausmaß ist es schon beängstigend.

Ich habe kein Problem, dass andere Aktivitäten und andere Menschen den überwiegenden Teil seiner Aufmerksamkeit fordern. Ich habe ein Problem damit, dass ich dabei zu 100% ausgeschlossen werde, während aber weiterhin all meine "Dienste" eingefordert werden. Sein ganzes Leben wird um mich herum strukturiert während ich nur dann relevant bin, wenn er einen Vorteil daraus zieht. Ich bekomme nichts, er will weiterhin alles. Ich kann weder auf gemeinsame Aktivitäten setzten, wie es einst mal war, noch kann ich auf jegliche Hilfe oder Unterstützung setzen wenn ich sie mal brauche. Das beißt sich schon sehr mit dem, was ursprünglich unsere Pläne waren. Für ihn mag das gut funktionieren, wieso auch nicht? Ist ja Bequem. Für mich funktioniert es allerdings nicht. Das ist eine Sackgasse, gar keine Frage aber ich versuche trotzdem noch eine Wendemöglichkeit zu finden.

Ich verstehe daher wirklich nicht, warum ich von vielen hier als der Böse hingestellt werde.
Ja es gehören immer zwei dazu und mit Sicherheit trage ich auch meinen Teil dazu bei. Jeder ist der Held seiner eigenen Geschichte aber keiner ist es wirklich.
 

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